Pendler

In NRW fahren Regionalzüge immer häufiger mit Verspätung

Unfälle, Signalstörungen und Baustellen: Die Regionalzüge der Deutschen Bahn sind erneut unpünktlicher geworden.

Unfälle, Signalstörungen und Baustellen: Die Regionalzüge der Deutschen Bahn sind erneut unpünktlicher geworden.

Foto: Ulrich von Born

Essen.   Warten auf die Bahn: Regionalzüge sind in NRW erneut unpünktlicher geworden. Der Fahrgastverband in NRW warnt: Pendlern platzt der Kragen.

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Bahnpendler müssen in NRW immer mehr Geduld aufbringen: 2018 sind nur noch 91,3 Prozent der regionalen Bahnen pünktlich unterwegs gewesen, wie aus der Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervorgeht. 2017 waren noch 92,5 Prozent der Regionalzüge pünktlich, im Jahr davor sogar 93,1 Prozent.

Die Deutsche Bahn nennt zahlreiche Gründe für die zunehmenden Verspätungen. Dazu könnten Signalstörungen, kaputte Türen, Baustellen, ausgefallene Züge, Fahrzeugprobleme, extreme Wetterlagen oder mutwillige Eingriffe in den Bahnverkehr gehören. Zudem wirkten sich einzelne Verspätungen in dem besonders dichten NRW-Schienenverkehr mit täglich rund 1,2 Millionen Deutsche-Bahn-Reisenden oft gleich auf das gesamte System aus. „Die Folge sind sich aufschaukelnde Verspätungen und nicht erreichte Anschlüsse für zahlreiche Fahrgäste“, sagte ein Bahnsprecher.

NRW Pendler müssen besonders am Bahnsteig warten

Beispielhaft nennt er die Strecke zwischen Köln und Dortmund, die mit einer Auslastung von 140 Prozent an ihren Grenzen sei. Fährt auf solch einer Strecke ein Zug eine Verspätung ein, verzögern sich auch Folgezüge.

Laut der Darstellung des Verkehrsministeriums müssen Pendler in NRW besonders oft auf den Regionalzug warten. Nur in Bremen, Schleswig-Holstein und Hessen sind die regionalen Züge noch unpünktlicher. Bundesweit kamen 94,1 Prozent der Regionalzüge rechtzeitig, das waren 0,4 Punkte weniger als im Vorjahr. Als pünktlich gilt eine Bahn auch dann noch, wenn sie weniger als sechs Minuten Verspätung hat.

Fahrgastverband fordert: Vorfahrt für Regionalzüge

Der Fahrgastverband Pro Bahn sieht als Hauptgrund für die Verspätungen ausgerechnet die zahlreichen Baustellen, die die NRW-Schiene wieder fit machen sollen. „Investitionen sind regelrecht hochgefahren worden“, sagte Lothar Ebbers, Sprecher des Verbandes, am Montag. Das sei grundsätzlich zu begrüßen. Allerdings würden Strecken aus Kostengründen für Baustellen häufig gesperrt, was den Service einschränke. Zudem verzögerten sich Baustellen immer häufiger, weil die Baubranche wegen der guten Auftragslage mehr als ausgelastet sei. „Jetzt rächt sich, dass zu spät in die Schiene investiert wurde“, sagte Ebbers.

Um Abhilfe zu schaffen, fordert der NRW-Bahnexperte den Bruch mit einem langjährigen Ärgernis auf deutschen Schienen: Bisher haben verspätete Fernverkehrszüge Vorfahrt vor Regionalzügen - diese Bahnen müssen sie passieren lassen und verspäten sich dadurch selbst. Das müsse ein Ende haben, sagte Pro-Bahn-Sprecher Ebbers. „Die Anschlüsse beim Regionalverkehr sind gerade in NRW mit seinen vielen verschiedenen Zentren häufig viel sensibler als im Fernverkehr. Bei zehn Minuten Verspätung ist der nächste Zug weg.“

Zwei Drittel der Verspätungen durch andere Züge

Einen Eindruck davon gibt das britische Verkehrsunternehmen National Express, das in NRW zwei Linien betreibt. Laut tagesaktueller Statistik waren im Jahr 2019 bisher rund 16 bzw. 15 Prozent der Züge unpünktlich. Mehr als zwei Drittel dieser Verspätungen kamen nur infolge vorausfahrender Züge zustande.

Ebbers mahnte, vielen Pendlern drohe der Geduldsfaden zu reißen. „Man geht auf vielen Strecken an die Schmerzgrenze der Pendler und an einzelnen auch darüber hinaus“, sagt Ebbers. „Fahrgäste, die einmal weg sind, sind nur sehr schwierig zurück zu holen.“

Die Deutsche Bahn verweist unter anderem auf ein neues Kompetenzzentrum, in dem zehn Mitarbeiter Wege zu pünktlicheren Zügen suchen. Seit 2017 seien mehr als 500 Einzelmaßnahmen gefunden, viele davon ergriffen worden. Zudem würden Prozesse in den Werkstätten verbessert, damit Zugausfälle durch defekte Wagen reduziert werden.

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