Studium

Kinder von Akademikern haben mehr Stress im Studium

Bochumer Forscher schnitten Studienanfänger ein paar Haarsträhnen ab, um den Stresspegel zu untersuchen.

Bochumer Forscher schnitten Studienanfänger ein paar Haarsträhnen ab, um den Stresspegel zu untersuchen.

Foto: Foto: Jan Woitas / dpa

Bochum.  Eine Studie der Ruhr-Uni Bochum untersuchte den Stresslevel von Studienanfängern. Wer keine studierten Eltern hat, geht es demnach ruhiger an.

Die ersten Wochen eines Studiums sind für Studienanfänger extrem aufregend. Tausende Fragen stürzen auf die Erstsemester ein. Wo finde ich meinen Hörsaal, welche Literatur ist nötig, welche Anforderungen muss ich erfüllen und – schaffe ich das alles? Dabei haben Kinder von Akademikern offenbar deutlich mehr Stress als Kinder von Eltern, die nicht studiert haben. Das hat ein Forscherteam der Universität Bern in der Schweiz und der Ruhr-Universität Bochum (RUB) anhand von Haaranalysen von Testpersonen herausgefunden.

Möglicherweise stresst die Furcht, durch ein Versagen im Studium die Anforderungen der Eltern nicht zu erfüllen und den sozialen Status der Familie zu gefährden, folgern die Studienautoren Prof. Alex Bertrams (Uni Bern) und die Verhaltensbiologin Nina Minkley aus Bochum. Sie berichten darüber im Fachmagazin „Frontiers of Psychiatry“.

Stresshormon lagert sich im Haar ein

In Stresssituationen schüttet der Körper vermehrt das Hormon Cortisol aus, das sich auch in den Haaren anlagert, wenn die Werte über einen längeren Zeitraum erhöht sind, erklären die Wissenschaftler. Die Analyse der Haare lasse erkennen, in welchen Phasen eine Person viel Stress hatte. Insgesamt untersuchten die Forscher 71 Personen. „Die einzigen Kriterien waren, dass sie im ersten Semester sein mussten und ausreichend langes Haar hatten“, erklärt Nina Minkley. Da nur wenige Männer das zweite Kriterium erfüllten, wurden die Tests nur bei Frauen durchgeführt.

Die Forschern schnitten den Studentinnen jeweils drei dünne Haarsträhnen nahe der Kopfhaut ab. Da ein Haar etwa einen Zentimenter im Monat wächst, untersuchten die Wissenschaftler die jüngsten anderthalb Zentimeter, die in den ersten sechs Wochen des Studium gewachsen waren.

Nicht-Akademikerinnen können nur gewinnen

Bei dem Vergleich mit den persönlichen Daten der Probandinnen stellte sich heraus, dass Studienanfängerinnen aus Akademikerhaushalten höhere Stresslevel aufweisen als Studentinnen aus Nicht-Akademikerhaushalten. Das Forscherteam interpretierte das Ergebnis als Zeichen dafür, dass diese Studentinnen aus familiären Gründen stärker unter Druck stehen.

Das passe zu früheren Studien, wonach Kinder von Akademikern selbst dann ein Studium aufnehmen, wenn ihre schulischen Leistungen ein erfolgreiches Studium eher nicht erwarten ließen. Minkley: „Nicht-Akademikerinnen können hingegen nur gewinnen und sind deswegen wahrscheinlich weniger gestresst.“

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