Staatspreis NRW

Klaus Töpfer - die CDU ehrt ihren „Rufer in der Wüste“

Bundeskanzlerin Angela Merkel applaudiert Klaus Töpfer, ehemaliger Bundesumweltminister, neben NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (li.) bei der Verleihung des Staatspreises des Landes Nordrhein-Westfalen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel applaudiert Klaus Töpfer, ehemaliger Bundesumweltminister, neben NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (li.) bei der Verleihung des Staatspreises des Landes Nordrhein-Westfalen.

Foto: dpa

Düsseldorf.  Der früherer Umweltminister Klaus Töpfer erhält den Staatspreis NRW - was in die Zeit und zur Image-Korrektur der Landesregierung passt.

Nur einige junge Klimaaktivisten vor der Tür des früheren Bonner Bundestages erinnern daran, dass diese Feier keineswegs selbstverständlich ist. Der frühere Bundesumweltminister und UN-Klimadirektor Klaus Töpfer erhält am Montagabend den Staatspreis NRW, die höchste Auszeichnung des Landes. Aus den Händen von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet. Mit einer Laudatio von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Alle drei sind in der CDU. Töpfer ist inzwischen 81 Jahre alt. Er war zwischen 1987 und 1994 der erste bedeutende Umweltminister Deutschlands. Der Mann, der den „Grünen Punkt“ erfand, Blei-Benzin verbot und durch den Rhein schwamm. In den vergangenen Jahren spielte er in der Union kaum noch eine Rolle. „Ich glaube, Du hast Dich oft als Rufer in der Wüste gefühlt“, mutmaßt Merkel in ihrer Laudatio. Töpfer sei in der eigenen Partei nicht immer gehört worden, räumt auch Laschet ein. Das hat sich nun geändert. Nun haben Töpfers Themen „plötzlich Konjunktur“, wie Laschet es formuliert.

Merkel war einst Töpfers Nachfolgerin als Umweltministerin

Am Freitag müsse ja das „Klimakabinett“ ihrer Bundesregierung „Farbe bekennen“, sagt Merkel. Und: „Ich fühle mich durch die Preisverleihung angespornt.“ Merkel war einst Töpfers Nachfolgerin als Umweltministerin in Bonn, dann erarbeitete sie sich kurzzeitig den Ruf der „Klimakanzlerin“. Doch jetzt drängt die Zeit und die wütende Jugend, die deutschen Klimaziele einzuhalten.

Töpfer zeigt sich an diesem Abend nicht altersmilde, sondern ruft eindringlich die Verantwortung für die Wahrung der Schöpfung in Erinnerung. Seine jüngste Enkelin Florentine in der ersten Reihe des früheren Bonner Plenarsaals hat er dabei im Sichtfeld. „Nicht Abgaben, klare Begrenzungen“, ruft er. FCKW-Verbot und das Aus für den Elfenbein-Handel gab es einst auch nicht per freiwilliger Selbstverpflichtung. Merkel weiß, dass der „liebe Klaus“ recht hat: „Ohne Ordnungsrecht schaffen wir es nicht.“ Gerade für Ministerpräsident Laschet ist die Töpfer-Feier der vorläufige Höhepunkt einer ökologischen Neuerfindung.

Sie setzte ziemlich genau mit der Europawahl ein, bei der die Grünen abräumten wie noch nie und im Ruhrgebiet sogar zur politischen Nummer eins noch vor der CDU wurden. Alle Wahlanalysen wiesen einen für die Landesregierung beunruhigenden Trend: In großstädtischen, eher bildungsbürgerlich geprägten Milieus mit hoher Sensibilität für bewusstes Leben tickt man zurzeit grün. Zeigte nicht der Blick nach Bayern, dass sogar Laschets neuer Männer-Freund Markus Söder (CSU) gerade eine atemberaubende Image-Schubumkehr hin zum Ober-Grünen und Bienenfreund vollzieht?

Der "Fridays for Future"-Bewegung riet Laschet knapp zum Schulbesuch

In NRW taten CDU und FDP bislang wenig, um sich dem grünen Zeitgeist anzuschmiegen. Im Gegenteil. In der Auseinandersetzung um den Hambacher Forst wurde Laschet bundesweit als Kohle- und RWE-Freund wahrgenommen. Seine Regierungspolitik knüpfte ebenfalls nahtlos am anti-grünen Kurs der Oppositionsjahre an: Der Windkraft-Industrie wurde mit dem neuen Landesentwicklungsplan das Leben erschwert, der Kies- und Sand-Industrie erleichtert. Der "Fridays for Future"-Bewegung riet Laschet knapp zum Schulbesuch. Das gesetzliche Ziel, täglich maximal fünf Hektar Fläche in NRW zu versiegeln, gab man ebenso auf wie die Schaffung eines „Nationalparks Senne“. Gegen die Nationalpark-Entscheidung protestierte ein besonders prominenter Kritiker: Klaus Töpfer.

Seit einigen Wochen nun der Versuch der Image-Korrektur. Laschet besuchte eine Artenschutz-Konferenz, ließ sich mit kummervollem Blick in ausgedörrten Wäldern fotografieren, kaufte sich privat den Elektro-Kleinwagen „e.Go“ und sprach beim Sommerempfang des Verbandes der erneuerbaren Energien. Zwei junge Vertreter der Fridays for Future- Bewegung begrüßt Laschet am Montag als Ehrengäste der Töpfer-Feier sogar persönlich. „Dass die Jugend uns auf Trab gebracht hatte“, lobt auch die Kanzlerin, „ist gut.“

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