Schule

Lehrermangel: Gewerkschaft fordert strafferes Studium

Vor allem an Grundschulen drückt der Lehrermangel gewaltig. Abhilfe soll ein reformiertes Lehramtsstudium bringen.

Vor allem an Grundschulen drückt der Lehrermangel gewaltig. Abhilfe soll ein reformiertes Lehramtsstudium bringen.

Foto: Foto: Frank Molter / dpa

Essen.  Tausende Lehrkräfte fehlen in NRW. Bildungsgewerkschaft GEW fordert bessere Studienbedingungen und den Verzicht auf einen Numerus clausus.

Um den Lehrermangel zu bekämpfen und die Absolventen schneller in die Praxis zu bringen, fordert die Bildungsgewerkschaft GEW umfassende Reformen bei den Lehramtsstudiengängen. „Wer den Mangel nachhaltig beheben will, muss bei den Ausbildungsbedingungen anfangen“, sagte GEW-Landeschefin Maike Finnern dieser Redaktion. Von den 776.000 Studierenden in NRW sind aktuell 62.000 in einem Lehramtsstudiengang eingeschrieben.

Komplizierte Studienorganisation

Eine umfassende Studie zur Studiensituation der Lehramtsstudierenden im Auftrag der GEW ergab, dass ein Großteil der Studierenden Probleme mit der komplizierten Studienorganisation hat. Zudem unterbreche ein Fünftel das Studium für im Durchschnitt zweieinhalb Semester. Im Vergleich zu anderen Studiengängen seien mehr angehende Lehrer nebenher erwerbstätig und haben bereits ein oder mehrere Kinder zu versorgen. „Faktisch studiert ein Drittel der Lehramtsstudierenden in Teilzeit. Darauf sind die Hochschulen aber nicht eingestellt“, sagte GEW-Bildungsreferentin Julia Löhr. „Um die Studienzeiten zu verkürzen, müssen die Bedingungen verbessert und mehr Beratungsangebote eingerichtet werden. Denn das Land wartet auf die Lehrer“, so Löhr.

15.000 Lehrer fehlen in kommenden zehn Jahren

Nach einer Prognose des NRW-Schulministeriums werden in den nächsten zehn Jahren an Grund- und Förderschulen sowie an Berufskollegs und Schulen der Sekundarstufe I rechnerisch 15.000 Lehrer fehlen. Zugleich werde es an Gymnasien und Gesamtschulen (Sekundarstufe II) gut 16.000 Bewerber zu viel geben. Seit langem trommeln Lehrerverbände und Gewerkschaften daher für eine Angleichung der Lehrergehälter.

Die GEW fordert zudem flexiblere Studienstrukturen an den Hochschulen, damit sich Studium, Erwerbsarbeit und Familie besser unter einen Hut bringen lassen. So könnten die Abbrecherquote gesenkt und Studienunterbrechungen vermieden werden.

GEW fordert höheres Bafög

Zudem müssten zusätzliche Studienplätze eingerichtet und entsprechend mehr Personal eingestellt werden. Die Zulassungsbeschränkungen (Numerus clausus) in den Lehramtsstudiengängen sollten komplett entfallen, um die Zahl der Studierenden zu erhöhen. Auch die Studienfinanzierung müsse deutlich verbessert werden. „Auch nach der jüngsten Bafög-Reform, reicht es an allen Ecken und Enden nicht zum Leben“, sagte die GEW-Vorsitzende.

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