Umwelt

Luftballon-Verbot in Gütersloh: Ein Vorbild für ganz NRW?

Bald in ganz NRW ein Bild der Vergangenheit? An vielen Schulen, wie hier 2018 an der Pferdebachschule in Witten, werden zum Ende des Schuljahrs Luftballons mit Zukunftswünschen in die Luft gelassen. In Gütersloh wurde das jetzt verboten.

Bald in ganz NRW ein Bild der Vergangenheit? An vielen Schulen, wie hier 2018 an der Pferdebachschule in Witten, werden zum Ende des Schuljahrs Luftballons mit Zukunftswünschen in die Luft gelassen. In Gütersloh wurde das jetzt verboten.

Foto: Barbara Zabka / FUNKE Foto Services

Luftballons wurden für den Umweltschutz aus Gütersloh verbannt. Die NRW-Grünen loben den Schritt. Ziehen andere Städte im Bundesland jetzt nach?

Gütersloh/Düsseldorf. Erleichterte Schulabgänger lassen bunte Ballons in die Luft steigen, an jeder Schnur hängen große Wünsche für die Zukunft: Ein Bild, wie vor den Sommerferien vielen Schulen in NRW zu sehen war - und in Gütersloh wohl zum letzten Mal. Der dortige Umweltausschuss hat die ostwestfälische Großstadt zur ersten ballonfreien Zone im Bundesland erklärt. Aus Umweltgründen soll zumindest auf öffentlichen Plätzen auf Luftballons verzichtet werden. Ein Beispiel für ganz NRW?

Klar ist: Auch in Gütersloh wurde das Verbot zunächst „kontrovers diskutiert“, wie sich der örtliche CDU-Stadtverbandsvorsitzende Ischo Can zurück ins Gedächtnis ruft. Die Ausrufung des Klimanotstandes ist dort vor einigen Wochen am Widerstand der CDU gescheitert. Dass die Fraktion dagegen dem Bürgerantrag zum Ballonverbot zustimmte, sei auf der generellen Motivation gefolgt, als Kommune weniger Müll produzieren zu wollen. Can: „Die Diskussionen in den letzten Monaten zum Klima- und Umweltschutz zeigen, dass Bürger bereit geworden sind, Maßnahmen mitzutragen, die liebgewonnene Gewohnheiten jedenfalls in Frage stellen.“

Grüne: Luftballons richten Schaden an

Beinahe klingt es wie die nordrhein-westfälischen Grünen, die laut Landeschefin Mona Neubaur immer häufiger freiwillig auf Luftballons an Wahlkampfständen verzichten. „Ich plädiere für Aufklärung der Menschen über die Schäden, die weit fortgewehte Luftballons in der Tier- und Vogelwelt anrichten“, sagt Neubaur zu dem Gütersloher Beschluss. „Die Menschen haben schon oft gezeigt, dass sie sich von guten Argumenten zum umweltfreundlichen Handeln bewegen lassen.“

Im Landesumweltministerium will man dem Verbot aus Gütersloh dagegen nicht zu viel Bedeutung beimessen. „Auch Ballonreste tragen zur Umweltverschmutzung bei“, so ein Sprecher. „Wenn es um die Vermeidung von Plastik in der Umwelt geht, stellt jedoch - allein aufgrund der anfallenden Mengen - der viele Verpackungsmüll, der vielfach achtlos weggeworfen oder liegengelassen wird, ein größeres Problem dar.“ Die Empfehlungen aus Düsseldorf an die Kommunen: Unterstützung von Tauschbörsen und Repair-Cafés, ein Verzicht auf Getränkeautomaten in Schulen oder Stadtkampagnen zur Müllvermeidung – und weniger ein Verbot von Luftballons.

Osterfeuer, Weihnachtsschmuck: Welches Verbot folgt als nächstes?

Dass ein Luftballonverbot nur ein kleiner Beitrag zum Umweltschutz sein kann, weiß man auch beim Naturschutzbund (NABU). Aber auch deshalb ist man dort überzeugt: Angesichts drohender Klimaveränderungen und massiven Artensterbens werden die Menschen bereit sein, noch wesentlich mehr platzen zu lassen als Ballons. „Das Menschen mit Argumenten zum Umdenken motiviert werden, funktioniert auch bei Traditionen wie dem Osterfeuer oder der Weihnachtsbeleuchtung in Städten“, ist Birgit Königs, Sprecherin vom NABU in NRW sicher. „Man darf nur nicht zu viel auf einmal erwarten.“ Auch kleine Schritte seien ein Fortschritt, wie etwa Weihnachtsbeleuchtung ab 23 Uhr auszuschalten.

Auch in einer Stadt wie Münster, die mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2019 ausgezeichnet wurde, ist man auf Vorsicht bedacht, wenn es darum geht, Traditionen mit dem grünen Handschuh anzufassen. Die Stadt lässt auf großen öffentlichen Veranstaltungen Seifenblasen statt Luftballons fliegen und verwendet beim jährlichen Stadtfest nur Mehrweg. Aber: Bei der Reduzierung von Osterfeuern ist man bisher nicht weiter als bis zum Appell gegangen. „Wir haben von städtischer Seite Anregungen gegeben, Osterfeuer mehr an zentraler Stelle stattfinden zu lassen“, erklärt Stadtsprecher Joachim Schiek.

Essen: Plastik nur noch beim Slush-Eis

Und wie handhabt es Essen, „Grüne Hauptstadt Europas“ 2017? Ballonverbote wurden hier so wenig ausgesprochen wie Appelle für zentralisierte Osterfeuer. „Nachhaltiges Veranstaltungsmanagement ist bei uns ein wichtiger Baustein, um die positive Dynamik der ‚Grünen Hauptstadt Europas‘ fortzusetzen“, betont Stadtsprecherin Jasmin Trilling. Heißt: In Essen steht künftig oben auf der Prioritätenliste, wie eine städtische Veranstaltung möglichst ökologisch gestaltet werden kann, etwa durch klimaneutrale Anreise, grünen Strom, saisonales Catering oder gezielte Müllvermeidung. Auf dem Stadtfest „Essen Original“ etwa ist das Slush-Eis das letzte, was noch im Einmalplastik gereicht wird.

Und Ballons? Die gibt es dort erst gar nicht.

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