Patientenverfügung

Coronavirus: Was tun, wenn ich nicht beatmet werden will?

Essen.  Mit einer Patientenverfügung und Vollmacht legen Menschen fest, wie sie behandelt werden wollen. Vorsorgetag der Stiftung Universitätsmedizin.

Es ist ein Thema, das man üblicherweise gerne verdrängt. Aber durch das Coronavirus und die Debatte um die Grenzen der Intensivmedizin bei sehr alten Menschen sind die Themen Patientenverfügung, und Vorsorgevollmacht so brennend wie selten zuvor.

So hat etwa der Wittener Palliativmediziner Matthias Thöns in den vergangenen Tagen eine intensive Diskussion ausgelöst, indem er im Gespräch mit unserer Zeitung darauf verwies, dass der Versuch, alte Corona-Patienten zu retten, die dies gar nicht wollten, eine "ethische Katastrophe" sei. Denn durch das Intubieren und die Beatmung werde die Lunge schwer geschädigt. Es sei gerade für ältere Menschen eine Quälerei, die zudem die ganz große Mehrheit nicht überlebe. Wer das nicht wolle, so Thöns, tue gut daran, nicht bis zum Notfall zu warten, sondern mit der Patientenverfügung seine Selbstbestimmung in dieser Frage zu sichern. Man könne damit präzise festlegen: Will ich Maximaltherapie, will ich nur etwas Sauerstoffzufuhr, aber keine Beatmung, oder will ich palliative Betreuung.

Um diese Instrumente der Patienten-Selbsbestimmung bekannter zu machen, veranstaltet die Stiftung Universitätsmedizin regelmäßig ihr „Vorsorgetage“: Experten informieren und helfen dabei, sich mit allen Formalitäten und Bestimmungen zurechtzufinden, Teilnehmer erhalten die Möglichkeit, ihre Fragen direkt zu stellen. Wegen Corona hat die Stiftung die Fragestunde nun erstmals ins Internet verlagert, "um das Thema direkt zu den Menschen zu bringen“, betont Jorit Ness, Geschäftsführer der Stiftung.

Patientenverfügung und Vollmacht: So geht´'s

Beim ersten digitalen „Vorsorgetag NRW“ der als kostenloser Live-Stream übertragen wurde, standen Winfried Bein, der ehemalige Vizepräsident des Essener Amtsgerichts, und Dr. Bernhard Mallmann, Palliativbeauftragter der Universitätsmedizin Essen den Zuschauern Rede und Antwort.

Vom Grundsatz her regelt die Patientenverfügung Fragen der medizinischen Behandlung, wenn der Betroffene nicht mehr selbst entscheiden kann, also beispielsweise nach einem Unfall bewusstlos ist. Grundsätzlich gelte, so Dr. Mallmann, dass man

  • die Verfügung möglichst detailliert abfassen sollte - der allgemeine Hinweis "keine lebenserhaltende Maßnahmen" im Falle einer Corona-Erkrankung beispielsweise sei im konkreten Notfall nicht ausreichend.
  • der Verfügung eine erläuternde Stellungnahme beilegt, die "wie ein Brief an Freund" verfasst sein sollte, in dem man seine Werte und Grundsätze darlegt. Das helfe, so Dr. Mallmann den Ärzten bei konkreten Entscheidungen.
  • die Verfügung möglichst dort deponiert, wo man sie schnell findet - oder einen Notfall-Ausweis der Stiftung Universitätsmedizin bei sich trägt.
  • möglichst viele Menschen darüber informiert, dass man eine solche Verfügung hat, damit diese im Notfall die behandelnden Ärzte darüber informieren soll.

Die Vorsorgevollmacht wiederum regelt, wer im Falle, dass der Patient oder Demente nicht mehr selbst entscheidungsfähig ist, für diesen Entscheidungen fällen darf. Rechtsexperte Bein empfiehlt dazu:

  • für verschiedene Aufgaben verschiedene Bevollmächtigte einzusetzen, etwa für die Themen Vermögen, Gesundheit, Pflege.
  • auch Ersatzbevollmächtigte einzusetzen: Wenn man beispielsweise bereits älter ist, dann sollte als Ersatzbevollmächtigter auch eine jüngere Person benannt werden. Es könne auch sein, das der erste Bevollmächtigte in Urlaub ist, wenn Entscheidungen gefällt werden müssen. Dann brauche man ebenfalls einen Stellvertreter. Die Konpetenzen ließen sich exakt definieren.
  • Vollmachten mitunter zu teilen: Wenn man zum Beispiel den Ehepartner eingesetzt hat als Bevollmächtigten für Gesundheitsfragen, aber man weiß dass dieser emotional nicht fähig wäre die Entscheidung zu fällen, lebenserhaltende Maßnahmen abzustellen, kann man diese spezielle Frage auch jemandem anderen übertragen.
  • jemandem, den man bevollmächtigt, zwingend in einem Gespräch vorab zu informieren.
  • Vollmachten registrieren zu lassen beim zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer. Das gleiche gelte für Testamente. Damit werde im Fall der Fälle Streit vermieden

Alle wichtigen Fakten und Formulare zum Download bietet das Bundesjustizministerium

hier online

Auch die Stiftung Universitätsmedizin bietet ein umfangreiches Infopaket zum

downloaden hier
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