Gesundheit

Personalengpässe in der Psychiatrie belasten Patienten

In der Psychiatrie wird die Personalsituation angespannter.

In der Psychiatrie wird die Personalsituation angespannter.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

An Rhein und Ruhr.  Laut einer Umfrage halten drei Viertel der Beschäftigten die Personallage in der Psychiatrie für angespannt. Das wirkt sich auf die Arbeit aus.

In der Psychiatrie leiden Pflegende und Patienten unter chronischem Personalmangel. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi warnt angesichts der Situation vor dem Wiederaufkommen einer „Verwahrpsychiatrie“ und mahnt eine Aufstockung des Personals in den psychiatrischen Einrichtungen an. Am Dienstag will Verdi bundesweit mit einem Aktionstag auf die angespannte Personalsituation in der Psychiatrie aufmerksam machen.

Aus einem von Verdi deutschlandweit unter mehr als 2300 Psychiatrie-Beschäftigten erhobenem „Versorgungsbarometer“ geht hervor, dass mehr als drei Viertel die Besetzung auf ihrer jeweiligen Station als „knapp“ oder „viel zu gering“ empfinden. In Nordrhein-Westfalen werden psychiatrische Patienten in insgesamt 112 Krankenhäusern versorgt. 2017 wurden nach Angaben des NRW-Gesundheitsministeriums in diesen Krankenhäusern rund 214.000 Patienten vollstationär und rund 39.000 teilstationär aufgenommen.

Ministerium sind Personalengpässe bekannt

Dem Ministerium ist die „grundsätzliche Problematik von Personalengpässen bekannt“, wie ein Sprecher auf Anfrage unserer Redaktion mitteilte. In den meisten Fällen gelinge es den Kliniken aber, die für die Psychiatrie vorgegebenen Personalausstattung mindestens zu 90 Prozent dauerhaft zu erfüllen.

Der Ministeriumssprecher räumt aber ein, dass selbst die diese Mindestausstattung in einzelnen Kliniken „temporär“ unterschritten werde. Begründet werde dies oft durch Chefarztwechsel samt Neuaufstellung der Klinik, einer ländlichen Lage oder der allgemein schwierigen Arbeitsmarktsituation mit Blick auf ärztliches und pflegerisches Personal.

Die angespannte Personalsituation hat Auswirkungen auf die Betreuung der Patienten. Laut der Verdi-Umfrage kommt es häufig zu Zwangsmaßnahmen gegen Patienten, die vermeidbar wären, wenn ausreichend Personal auf den Stationen wäre. Rund 80 Prozent der Befragten gaben an, dass ein begleiteter Ausgang für alle Patienten, der eigentlich Teil der Therapie ist, nur zum Teil, nur sehr eingeschränkt oder gar nicht mehr möglich sei.

Häufig körperliche und verbale Angriffe

Die Beschäftigten wiederum sehen sich häufig mit körperlichen oder verbalen Angriffen ausgesetzt. Knapp die Hälfte der Befragten gab in der Umfrage an, in den vergangenen vier Wochen mindestens einmal körperlichen Angriffen ausgesetzt gewesen zu sein. Rund 80 Prozent seien mindestens einmal beschimpft worden. Drei Viertel konnten sich nicht vorstellen, bis zur Rente in der Psychiatrie zu arbeiten.

In der kommenden Woche beschäftigt sich der sogenannte Gemeinsame Bundesausschuss mit der Personalausstattung in der Psychiatrie. (mit epd)

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