Demografie

Prognose: Menschen ziehen in die Städte, das Land verwaist

Die Zahl der Senioren wird in den nächsten Jahrzehnten laut den Berechnungen des Landesamtes für Statistik stark ansteigen.

Die Zahl der Senioren wird in den nächsten Jahrzehnten laut den Berechnungen des Landesamtes für Statistik stark ansteigen.

Foto: Peter Meißner / ullstein bild

Düsseldorf.  Die Zahl der 80-Jährigen in NRW wird sich laut Prognose des Landesamtes für Statistik bis 2050 fast verdoppeln. Die Geburtenrate bleibt konstant.

Aktuell leben in NRW, dem bevölkerungsreichsten Bundesland, 17,9 Millionen Einwohner. In gut 20 Jahren – im Jahr 2040 – werden es nach Berechnungen des Statistischen Landesamtes (IT.NRW) etwas mehr sein: 18,1 Millionen. Doch hinter diesen auf den ersten Blick unspektakulären Zahlen stecken teils dramatische Entwicklungen: Während die Großstädte am Rhein wie Köln (+15,8 %) oder Düsseldorf (+14 %) stark zunehmen, bluten Teile des Landes aus: Der Hochsauerland-Kreis verliert 10,4, der Märkische Kreis 12,6 Prozent der Einwohner.

Unterschiedlich ist auch die Entwicklung im Ruhrgebiet: So gewinnen nur zwei Städte Einwohner hinzu. Dortmund (+4,4 %) und Essen (+5,1 %) werden wachsen. Beide Städte werden im Jahr 2040 die 600.000-Einwohner-Marke deutlich überschritten haben. Hingegen werden Bochum (-2,5 %), Duisburg (-4,8 %) und Oberhausen (-4,8 %) leicht schrumpfen.

Das Ruhrgebiet schrumpft

Zu wenig Jobs, Überalterung und der Zeitgeist Stadtflucht. Noch vor zehn Jahren sagten Prognosen dramatische Verluste bei der Einwohnerzahl voraus. Die Kernstädte des Reviers würden alle verlieren. „Der Pott leert sich“ lautete 2008 die Überschrift über einer Bevölkerungsstudie des Essener RWI-Instituts.

Doch so dramatisch wird es wohl nicht, ergaben neue Berechnungen des Landesamtes für Statistik IT.NRW. Zwar schrumpft das Ruhrgebiet insgesamt bis 2040, aber nicht so deutlich, wie erwartet. Und auch nicht überall. Zum Altersheim des Landes wird die Region wohl nicht. Große Städte in NRW boomen wieder. Vor allem Städte, die für junge Menschen attraktiv sind, etwa durch Hochschulen und Universitäten, ziehen Menschen an.

Die Zahl der Alten steigt stark

Das zeigt sich auch in der Altersstruktur. Die Prognosen zeigen, dass die Bevölkerung in den ländlichen Gebieten stärker altern wird als in den Städten. Den höchsten Anstieg des Durchschnittsalters bis 2040 erwarten die Statistiker im Kreis Borken. Hier wird die Bevölkerung im Schnitt knapp fünf Jahre älter sein als 2018. Ähnlich sieht es in den Kreisen Coesfeld und Olpe aus. Der geringste Anstieg des Durchschnittsalters ergibt sich für Düsseldorf, Essen und Aachen.

Insgesamt wird die Zahl der Senioren deutlich ansteigen. Bis zum Jahr 2036 wird demnach die Zahl der 60- bis unter 80-Jährigen um gut 35 Prozent höher liegen als derzeit. Noch deutlicher fällt die Entwicklung bei Menschen über 80 aus. Bis zum Höhepunkt der Alterskurve im Jahr 2051 wird sich die Zahl der Menschen, die älter als 80 Jahre alt sind, gegenüber 2018 fast verdoppelt haben. Die Statistiker errechneten einen Anstieg von fast 90 Prozent. Anschließend sinke ihre Zahl wieder leicht.

Die Geburtenrate verändert sich kaum

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Im Rückblick ist die Geburtenrate in den vergangenen 40 Jahren relativ konstant geblieben. Sie blieb mit kleinen Schwankungen bei einem Wert von 1,40. Das bedeutet: Rein rechnerisch bekam eine Frau 1,4 Kinder. Seit dem Jahr 2014 stieg die Kurve jedoch deutlich an auf 1,62 im Jahr 2016. Aktuell zeigt die Kurve aber wieder nach unten. In den kommenden Jahren geht die Prognose wieder von leicht sinkenden Geburtenraten aus. Im Jahr 2035 erwarten die Statistiker eine Geburtenrate von 1,5.

Mehr Zuzüge als Abwanderungen

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Seit 2010 ziehen durchgängig mehr Menschen aus dem Ausland nach NRW als fortziehen. Gründe liegen in der EU-Osterweiterung sowie in einem stärkerer Zuzug aus Italien, Spanien und Griechenland in den Jahren 2013 und 2014 wegen der Wirtschaftskrise in den Ländern. Zudem hat seit 2014 der starke Zuzug von Schutzsuchenden aus Bürgerkriegs- und Krisenländern die Situation bestimmt. Eine mittel- und langfristige Prognose der Wanderungsbewegung ist schwer vorherzusagen, dies hänge zum einen von noch unbekannten Auswirkungen des Fachkräfte-Zuwanderungsgesetzes sowie möglichen Krisen ab, so der Bericht. Die Statistiker rechnen anhand verschiedener Kennzahlen damit, dass bis 2029 rund 70.000 Menschen mehr nach NRW ziehen als auswandern. Ab 2030 werden weniger Menschen nach NRW kommen, da der Zuzug aus den südosteuropäischen Staaten abnehmen dürfte.

https://www.waz.de/meinung/die-politik-muss-jetzt-die-richtigen-die-weichen-stellen-id226495143.html

Die regelmäßigen Prognosen des Landesamtes für Statistik dienen dem Land als Grundlage zukünftiger Planungen: Schulen, Wohnen, Verkehr, Finanzen, Energie, Wasser – fast alles hängt davon ab, wie viele Menschen hier leben. Alle drei Jahre erstellen die Statistiker ein solches Datenpaket.

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