Radschnellweg Ruhr

Radschnellweg Ruhr wächst - aber nur um 900 Meter

Symbolischer Spatenstich für den Radschnellweg Ruhr in Bochum.

Symbolischer Spatenstich für den Radschnellweg Ruhr in Bochum.

Foto: Olaf Ziegler / FUNKE Foto Services

Essen/Bochum.  Beim Radschnellweg Ruhr geht es nur im Schneckentempo voran. In Bochum wird nun ein Teilstück gebaut. Es ist nicht einmal einen Kilometer lang.

Der Radschnellweg Ruhr macht weiter Fortschritte - aber der Fortschritt ist wieder einmal nur eine Schnecke. Exakt 900 Meter lang wird das neue Teilstück der RS1 genannten „Radautobahn“ auf Bochumer Gebiet, für das NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) und Bochums Oberbürgermeister Thomas Eiskirch (SPD) jetzt den symbolischen Spatenstich gesetzt haben. Der Abschnitt, der teils über ein ehemaliges Werksgelände von Thyssenkrupp, teils über bestehende Straßen geführt wird, macht damit nicht einmal ein Prozent des Ruhrgebiet-Vorzeigeprojekts aus, das im Endausbau Radler komfortabel und kreuzungsfrei auf insgesamt 101 Kilometer in West-Ost-Richtung durchs Revier führen soll.

OB Eiskirch nannte den RS1 dennoch einen „enormen Qualitätsschub für den Radverkehr im Ruhrgebiet“. „Wir freuen uns, dass es nun auch in Bochum losgeht und das Land der Aufwertung der Fahrrad-Infrastruktur einen hohen Stellenwert beimisst“, teilte Bochums Stadtoberhaupt anlässlich des Baustarts mit. Die Gesamtausgaben für den RS1 in diesem Abschnitt betragen voraussichtlich rund 2,5 Millionen Euro. Das Land übernimmt mit 2,1 Millionen Euro dabei den Löwenanteil. Die Bauzeit liegt den Angaben zufolge bei 24 bis 28 Monaten.

Der ursprünglich vom Regionalverband Ruhr entwickelte Radschnellweg Ruhr gilt als eines der wichtigsten und nachhaltigsten Projekte im Ruhrgebiet. Doch vor dem Ausbau auf der ins Auge gefassten Strecke zwischen Duisburg und Hamm türmen sich teils hohe planerische Hürden und Umweltauflagen. In Essen stockt der Weiterbau, weil die Stadt mit dem RS1 die Aufwertung eines ganzen Stadtviertels verknüpft. Zudem muss ein Gleis für die Zufahrt zu einem Evonik-Betriebsgelände verlegt werden, was einer planungsrechtlichen Herkulesaufgabe gleichkommt.

In Gelsenkirchen bremst eine denkmalgeschützte Brücke den Weiterbau eines 2,8 Kilometer langen Abschnitts aus. Auch die insgesamt 17 Kilometer lange Teilstrecke auf Bochumer Stadtgebiet steht erst am Anfang. Gut zwölf Kilometer lang ist die bislang einzige fertige RS1-Teilstrecke. Sie verläuft zwischen dem Universitätscampus im Norden der Essener City und der Hochschule Ruhr West in Mülheim. Baubeginn war 2015. Doch auch hier gibt es noch Lücken. Erst in der vergangenen Woche erfolgte der Baustart für eine Fahrradbrücke über den vierspurigen Berthold-Beitz-Boulevard. In die 82 Meter lange und sechs Meter breite Stahlkonstruktion, die im Frühjahr 2021 fertig sein soll, investieren Land und Regionalverband rund 2,9 Millionen Euro.

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