Nach der Wahl von AKK

In der NRW-CDU wächst die Sorge vor einer Spaltung

Seit Samstag an der Seite der neuen CDU-Bundesvorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer (genannt AKK): Paul Ziemiak, der zum neuen Generalsekretär gewählt worden ist.

Seit Samstag an der Seite der neuen CDU-Bundesvorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer (genannt AKK): Paul Ziemiak, der zum neuen Generalsekretär gewählt worden ist.

Foto: Christian Charisius

Düsseldorf.   Die Enttäuschung der Merz-Anhänger über die Wahl von AKK ist groß. Generalsekretär Hovenjürgen und Ruhr-CDU-Chef Wittke fordern „fairen“ Umgang.

Nach der Wahl von Annegret Kramp-Karrenbauer zur CDU-Bundesvorsitzenden geht in der NRW-CDU die Furcht vor einer Spaltung der Partei um. Der unterlegene Friedrich Merz hat in seinem heimischen und größten CDU-Landesverband viele Anhänger, nicht wenige von ihnen sind nun bitter enttäuscht. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet mahnte die Union schon am Tag vor der Wahl zum Zusammenhalt, am Wochenende äußerten sich andere führende Köpfe der Union aus NRW besorgt über die Stimmungslage.

Es werde „ein hartes Stück Arbeit, diese Partei zusammenzuhalten und diejenigen auch wieder zu motivieren, die sich etwas anderes gewünscht haben“, sagte der neue CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak, ein Sauerländer. Der Chef der Merz’ zugeneigten CDU-Mittelstandsvereinigung, Carsten Linnemann, rief beim Parteitag: „Wir müssen den Laden zusammenhalten, verdammt nochmal!“

Wittke: Fairer Umgang muss weitergehen

Am Sonntag legte der Vorsitzende der CDU Ruhr, Oliver Wittke, nach: „Jetzt muss die CDU zeigen, dass sie sich innerparteilich um Integration bemühen und auch die enttäuschten Merz-Anhänger mitnehmen kann. Alle waren sich einig, dass jeder der drei Kandidaten ein exzellenter Vorsitzender geworden wäre. Es gab in ihrem Wettstreit keine Intrigen, und diesen fairen Umgang muss es nun auch in der Partei geben“, sagte Wittke dieser Redaktion.

Der Gelsenkirchener macht kein Geheimnis daraus, dass er sich über die Wahl von Kramp-Karrenbauer freut. Für die CDU Ruhr sei die Entscheidung für „AKK“, wie die neue Vorsitzende genannt wird, positiv. Sie komme an der Ruhr gut an, weil die Saarländerin selbst aus einer vom Strukturwandel gebeutelten Region stamme. Und weil sie wisse, „wie wichtig das Soziale in der Sozialen Marktwirtschaft ist.“ Die Mehrheit der CDU-Mitglieder im mächtigen Parteibezirk Ruhr dürfte kein Problem mit der neuen CDU-Chefin haben, heißt es dort. Anders ist die Stimmungslage in der Union im ländlichen Südwestfalen und im Münsterland.

Gerüchte über Intrigen gegen Merz

Am Wochenende kursierten wilde Gerüchte um angebliche Intrigen gegen den Liebling der Parteibasis, Friedrich Merz: Ihm sei in Hamburg absichtlich das Mikro leiser gedreht worden. Und Paul Ziemiak habe einen Deal mit Kramp-Karrenbauer gemacht, um Generalsekretär zu werden und „AKK“ bei den Delegierten die nötigen Stimmen für einen Wahlsieg zu organisieren.

„Quatsch“ nennt Josef Hovenjürgen, der Generalsekretär der NRW-CDU, das Munkeln über einen Deal. Niemand könne einem Delegierten vorschreiben, wie er sich entscheiden solle. „Diese Verschwörungstheorie sollte man nicht ernst nehmen.“

Hovenjürgen erwartet nun „Fairness“ in der Partei. „Die beiden Lager müssen zusammengeführt werden. Wir würden uns selbst zerlegen, sollten wir das nicht schaffen. Es wird aber nicht dazu kommen. Annegret Kramp-Karrenbauer und Paul Ziemiak können die Unzufriedenen wieder einsammeln, wenn sich der Schmerz der Niederlage bei den Merz-Befürwortern erst legt“, sagte der Landtagsabgeordnete aus Recklinghausen. „AKK“ sei keine Kopie der Kanzlerin, sondern vertrete konservativere Standpunkte als Merkel.

NRW-Generalsekretär fordert Profilschärfung der Partei

Hovenjürgen und Wittke raten der Union, sich nicht an sich selbst, sondern an den politischen Gegnern zu reiben. „Die CDU muss sich besser profilieren“, sagte Wittke dieser Zeitung. „CSU und SPD haben sich immer wieder von der Bundesregierung abgesetzt. Die CDU hat das nie getan, weil Parteivorsitz und das Amt der Kanzlerin in einer Hand lagen. Nun kann Kramp-Karrenbauer ,CDU pur’ zeigen, und die Kanzlerin macht die Kompromisse.“

Auch Hovenjürgen ruft nach Profilschärfung, vor allem gegenüber den Grünen. „Deren Es-wird-alles-schlechter-Gerede verlangt eine Klarstellung. Tatsächlich wird vieles besser, zum Beispiel die Gewässerqualität. Es gibt auch nicht weniger Grünflächen als früher, sondern immer mehr. Wir verlieren dagegen Industrieflächen. Und wenn die Grünen als Schöpfungsbewahrer auftreten, dann müssen sie sich die Frage gefallen gelassen, warum sie nicht genauso konsequent ungeborenes menschliches Leben bewahren wollen wie tierisches Leben.“

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