Ausbildungsreport 2019

Studie zeigt: Lehrlinge in NRW sind immer unzufriedener

Die Ausbildung zur Bäckereifachverkäuferin wird immer unbeliebter. Viele Lehrlinge bewerten ihre Arbeitgeber zudem schlecht.

Die Ausbildung zur Bäckereifachverkäuferin wird immer unbeliebter. Viele Lehrlinge bewerten ihre Arbeitgeber zudem schlecht.

Foto: Ingo Otto / Funke Foto Services

Düsseldorf.  Viele Überstunden, schlechte Betreuung, veraltete Ausbildung: Azubis in NRW kritisieren Arbeitsbedingungen und mangelnde Kompetenz der Ausbilder.

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Fast jeder dritte Lehrling in NRW ist unzufrieden mit seiner Ausbildung. Das geht aus dem Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) hervor. 32,1 Prozent der 5000 Befragten gaben an, mit der Lehre nicht zufrieden zu sein – so viele wie nie seit Beginn der Erhebung im Jahr 2012. Laut Studie müssen immer mehr Azubis Überstunden machen. Besonders viele Jugendliche unter 18 arbeiten länger als erlaubt.

Am unzufriedensten sind angehende Friseure, Hotelfachleute und Lebensmittelverkäufer. Bestnoten vergaben künftige Verwaltungsfachangestellte, Bank- und Industriekaufleute. Anja Weber, Chefin des DGB NRW, führt die Rangliste auch auf Fachkräftemangel zurück: „Berufe, für die sich wenige Bewerber finden, schneiden besonders schlecht ab.“

So viele unbesetzte Stellen wie noch nie

Obwohl der Report zeigt, dass die Mehrheit der Auszubildenden zufrieden ist, ist der DGB alarmiert. Denn seit 2016 (71,7 Prozent) nimmt die Zufriedenheit ab. Gleichzeitig sind 10.000 Lehrstellen unbesetzt – ein Negativ-Rekord.

Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung

In der Ausbildungswerkstatt eines Industriekranherstellers im Ruhrgebiet gibt es zwar einen Roboter und einen 3-D-Drucker. „Aber jemanden, der uns die Bedienung erklärt, gibt es nicht“, sagt Annkathrin Büttner, angehende technische Produktdesignerin. Die 20-Jährige kritisiert, dass ihr Ausbilder die 120 Lehrlinge nicht auf die Digitalisierung vorbereitet.

Rund die Hälfte der 5000 Azubis, die der DGB im Rahmen einer Studie befragt hat, gaben an, im Betrieb nicht gezielt auf die Nutzung digitaler Technologien vorbereitet zu werden. An Berufskollegs sind es nur 30 Prozent. „Massive Investitionen in die Modernisierung sind längst überfällig“, folgert Eric Schley, Abteilungsleiter Jugend beim DGB NRW.

Viele Azubis kritisieren die Arbeitszeiten

Der Ausbildungsreport 2019 zeigt aber nicht nur Defizite im Bereich Digitalisierung. Azubis kritisieren vor allem die Arbeitsbedingungen, allen voran die Arbeitszeiten: Jeder Dritte gab an, oft Überstunden machen zu müssen, fast jeder Fünfte muss die Zeit des Berufsschulunterrichts im Betrieb nacharbeiten. Und auch mit der inhaltlichen Qualität der Lehre hadern viele: Jeder Dritte kreuzte an, sich nur selten gut betreut zu fühlen. „Die Mängelliste ist lang“, sagt Anja Weber, Vorsitzende des DGB NRW. „Das drückt zurecht die Unzufriedenheit.“

Dabei hätten Arbeitgeber ein Interesse, Ausbildung attraktiv zu gestalten. Zuletzt gab es 10.000 unbesetzte Lehrstellen und 21.000 Bewerber. „Der Eindruck, dass es genügend Plätze gibt, ist nicht zutreffend“, so Weber. Nur in fünf Arbeitsagenturbezirken gab es zuletzt ausreichend Auswahlmöglichkeiten für Jugendliche.

Unternehmerverbände: Offene Stellen sind ein Warnsignal

Die NRW-Unternehmerverbände heben hervor, dass ein Großteil der Azubis zufrieden mit der Ausbildung seien. Als „deutliches Warnsignal“ verstehen sie die hohe Zahl unbesetzter Stellen. Hier müsse nachjustiert werden.

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