Anschlag

Nach Schüssen auf Büro: SPD-Mann Diaby erhält Morddrohung

Auf das Büro des aus dem Senegal stammenden Karamba Diaby in Halle ist offenbar ein Anschlag verübt worden.

Auf das Büro des aus dem Senegal stammenden Karamba Diaby in Halle ist offenbar ein Anschlag verübt worden.

Foto: Jan Woitas / dpa

Halle.  Der SPD-Politiker Karamba Diaby hat eine Morddrohung bekommen. In der vergangenen Woche war ein Anschlag auf sein Büro verübt worden.

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Nachdem in der vergangenen Woche mehrere Schüsse auf das Bürgerbüro von Karamba Dia by in Halle gefallen waren, hat der SPD-Bundestagsabgeordneten jetzt eine Morddrohung erhalten.

„Ich nehme die Drohung ernst und habe sofort die Polizei darüber informiert. Es wurden unverzüglich Ermittlungen aufgenommen und Maßnahmen zum Schutz meiner Person eingeleitet“, teilte der Politiker am Donnerstag schriftlich mit.

Nach dem Angriff auf Diabys Büro hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dem Politiker Unterstützung zugesagt. Merkel hatte während der Debatte über die Organspende im Bundestag am Donnerstag kurz mit Diaby gesprochen. Dabei habe sie ihm ihre Unterstützung signalisiert, sagte er.

Schüsse auf Büro von Diaby: Keine Verletzten

Diaby hatte auf Twitter davon berichtet, dass an seinem Bürgerbüro in Halle Einschusslöcher bemerkt worden waren. Der Angriff hatte Bestürzung ausgelöst.

„Meine Mitarbeiter haben fünf Einschüsse an den Scheiben festgestellt und sofort die Polizei alarmiert“, sagte Diaby der „Mitteldeutschen Zeitung“.

Verletzt wurde bei dem Angriff nach aktuellem Stand niemand. Auf Anfrage unserer Redaktion sagte eine Mitarbeiterin des Bürgerbüros, dass einer der fünf Schüsse durch die Doppelglasscheibe durchgedrungen sei. Berichte, nach denen es sich um eine Softair-Waffe gehandelt haben soll, bestätigte sie nicht.

Die Polizei hat noch keine Hinweise auf den oder die Täter. „Die Auswertung der Spuren dauert an“, sagte eine Sprecherin in Halle. Polizei und Staatsschutz ermitteln. Laut Polizei wurden mehrere Einschusslöcher an einem Schaufenster des Bürgerbüros entdeckt.

Projektile wurden nicht gefunden. Die Einschusslöcher waren von Mitarbeitern des Büros entdeckt worden, den Angaben nach waren es fünf. Unterdessen erklärte Diaby per Kurznachrichtendienst Twitter, er sei zutiefst dankbar für die Solidarität, die er von Tausenden Menschen erhalten habe. „Ihr gebt mir Kraft und Mut.“

Schüsse auf Büro von Diaby – Erster schwarzer Bundestagsabgeordneter

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) verurteilte den Angriff. „Einfach unfassbar“, schrieb Maas auf Twitter und bezeichnete den Vorfall als „widerlich und feige“.

Zum Hintergrund des jüngsten Angriffs äußerte sich Diaby bislang nicht. Der 58-Jährige hatte aber bereits in der Vergangenheit berichtet, dass er immer wieder Rassismus ausgesetzt ist.

„Ich verurteile jegliche Art von Gewalt“, sagte Diaby gegenüber „Welt“. „Das ist kein Mittel der Auseinandersetzung in der Gesellschaft.“ Er habe sein Bürgerbüro mitten in der Innenstadt als Ort des Dialogs eingerichtet.

„Wenn Menschen eine andere Auffassung haben, können sie zu mir kommen und mit mir reden“, so Diaby weiter. „Diese Tat widerspricht meiner Vorstellung von demokratischer Auseinandersetzung.“

Karamba Diaby war der erste schwarze Politiker im Bundestag

Er ist nicht der erste Politiker, der bedroht, belästigt oder angefeindet wird, bis hin zu Todesdrohungen wie im Falle der Grünen Claudia Roth und Cem Özdemir, des Thüringer CDU-Politikers Mike Mohring, von Diabys Parteifreund Michael Roth oder auch von Carsten Träger, der einen Brief mit einer Patronenhülse bekam. Sozialdemokrat Träger wurde von Linken bedroht, die andere Beispiele waren das Werk von Rechtsextremisten.

Der aus dem Senegal stammende Karamba Diaby war im Jahr 2013 der erste schwarze Politiker, der überhaupt in den Bundestag einzog. Der promovierte Geoökologe lebt in Halle an der Saale, wo auch sein Wahlkreis ist.

Als Union und SPD Anfang 2018 das Innenministerium um den Bereich Heimat erweitern wollten, verteidigte Diaby dieses Vorhaben und das neue Heimatministerium. Es gehe bei dem Begriff Heimat vor allem um die Kommunen und darum, dass das Leben auch in strukturschwachen Regionen lebenswert bleibe, sagte Diaby damals. (les/san/dpa)

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