Umweltschutz

Müllberg wächst weiter: Neuer Rekord bei Verpackungsabfall

Stoffnetz statt Plastiktütchen: Schon beim Einkaufen lässt sich viel Abfall vermeiden.

Stoffnetz statt Plastiktütchen: Schon beim Einkaufen lässt sich viel Abfall vermeiden.

Foto: Christoph Soeder / dpa

Berlin.  Über 226 Kilo Verpackungsmüll pro Kopf haben die Deutschen 2017 verursacht, sechs Kilo mehr als im 2016. Ein Grund sind Konsumtrends.

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Zum Einkaufen packen viele Menschen mittlerweile Stoffbeutel ein, Mehrwegkaffeebecher erobern im Eiltempo die deutschen Innenstädte – doch der Weg zu weniger Verpackungsmüll ist noch sehr weit.

Ein Bericht des Umweltbundesamts (UBA) zu Aufkommen und Entsorgung von Verpackungen 2017 zeigt: Die Müllberge wachsen erst einmal weiter. 2017 fielen rund 18,7 Millionen Tonnen Verpackungsmüll an, wie das UBA am Montag bekannt gab. Das sind 560.000 Tonnen mehr als noch im Jahr zuvor, ein Anstieg von drei Prozent.

Rund die Hälfte davon – 47 Prozent – fällt dabei durch den Verbrauch von Privatleuten an. 226,5 Kilo Verpackungsmüll verursachten die Deutschen im Schnitt pro Kopf. Das sind sechs Kilo mehr als im Vorjahr.

Super-Enzym könnte Plastikmüll-Problem lösen
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Verpackungsmüll: Menge steigt seit Jahren

„Wir verbrauchen viel zu viele Verpackungen“, sagte Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamts. „Das ist schlecht für die Umwelt und für den Rohstoffverbrauch. Wir müssen Abfälle vermeiden, möglichst schon in der Produktionsphase.“ Auf unnötige Verpackungen sollte deshalb verzichtet werden, sagt Krautzberger. Häufig sehe man stattdessen aber genau das Gegenteil: „Selbst die Zahnpastatube ist nochmal verpackt“, sagt die Leiterin der Behörde.

Der Bericht bestätigt einen langfristigen Trend: Die Gesamtmenge von Verpackungsmüll in Deutschland steigt seit Jahren. Grund für den steigenden Verbrauch sind unter anderem gesellschaftliche Trends, sagt das UBA.

So leben mittlerweile drei von vier Menschen in Deutschland in einem Ein- oder Zwei-Personenhaushalt, 1991 waren es nur rund zwei Drittel. Wer in kleineren Haushalten wohnt, kauft zum Beispiel beim Essen kleinere Packungen – was pro Portion mehr Müll bedeutet. Zudem nimmt der Anteil von Seniorenhaushalten zu – und auch ältere Menschen greifen eher zu kleineren Packungen.

Der Onlinehandel ist Teil des Problems

Doch nicht nur demografische Trends, auch Vorlieben von Konsumenten tragen zum erhöhten Verbrauch bei: Die wachsende Beliebtheit des Onlineversandhandels bedeutet mehr Plastiktaschen, in denen Bestellungen verschickt werden.

Außerdem greifen Kunden gern zu sogenannten „Convenience“-Artikeln, also Dinge, die das Leben ein bisschen leichter machen, weil sie zum Beispiel Zeit sparen. Als Beispiel nennt das UBA Fertigsalate aus dem Kühlregal, die viel verpackungsintensiver sind als Salat, für den Gemüse gekauft und dann zubereitet wird. Vor allem junge Menschen greifen laut einer Umfrage gern zu Mahlzeiten in Einwegverpackungen. Aber auch Flüssigwaschmittel in Plastikflaschen mit einem Deckel als Dosier-Hilfe fällt in die „Convenience“-Kategorie.

Nur die Hälfte des Kunststoffs wird recycelt

Auch die gute wirtschaftliche Lage trägt zum wachsenden Müllberg bei. Nach unten gegangen waren die Zahlen zuletzt zwischen 2009 und 2011, das führt das Umweltbundesamt in seinem Bericht auf die damalige Rezession zurück.

Die Wertstoffe in den weggeschmissenen Verpackungen können zum Teil zurückgewonnen werden: Für Glas (84,4 Prozent) und Papier (87,6 Prozent) zum Beispiel sind die Recyclingquoten hoch. Bei Kunststoff dagegen wird nur knapp die Hälfte des verwendeten Materials recycelt. (tma)

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