Gesundheit

Nach Todesfällen: Trump will E-Zigaretten den Stecker ziehen

US-Regierung will E-Zigaretten weitgehend regulieren

Atemwegserkrankungen, Risiken für Passivraucher, lasche Kontrollen - die US-Regierung nennt das "Vaping" ein ernstzunehmendes Problem.

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Washington.  „Vaping“ wird in den USA als gefährliches Gesundheitsrisiko für Jugendliche angesehen – nun sagt Trump den E-Zigaretten den Kampf an.

Als San Francisco Ende Juni als erste Großstadt in Amerika E-Zigaretten mit einem Verbot belegte, stieg kein weißer Rauch aus dem Weißen Haus auf. Der Kampf gegen die Hightech-Glimmstängel, in denen hoch dosierte nikotinhaltige Flüssigkeiten verdampft werden, erschien aus Washingtoner Perspektive als regulatorische Übergriffigkeit der Westküsten-Metropole.

Wenige Wochen später, in denen in

, hat sich der Wind gedreht. Im Beisein seiner Gattin Melania, die offenbar den Anstoß gab, kündigte US-Präsident Donald Trump eine harte Linie gegen Hersteller der E-Fluppen an.

Melania Trump zu E-Zigaretten: „Wachsende Epidemie“

So sollen besonders junge Konsumenten ansprechende Geschmacksvarianten wie Mango, Minze, Gurke, Menthol, Bonbon, Pudding und Kaugummi, die viele Hersteller ihren Kapseln beimischen, binnen Wochen aus dem Verkehr gezogen werden. Flüssigkeiten mit Tabak-Geschmack bleiben ausgenommen, um erwachsene E-Zigaretten-Raucher nicht wieder zurück zum krebserzeugenden Ur-Produkt zu treiben.

„Wir können nicht zulassen, dass Menschen krank werden“, sagte Trump und betonte dabei ausdrücklich die Risiken für Kinder und Jugendliche. Melania Trump, Mutter eines 13-jährigen Sohnes (Barron), hatte zuvor von einer „wachsenden Epidemie“ gesprochen.

Lehrer: Viele Schüler „juulen“ täglich

Gesundheitsminister Alex Azar lieferte dazu den statistischen Unterbau. Danach haben – obwohl der Verkauf von E-Zigaretten für unter 18-Jährige in den USA untersagt ist – fünf Millionen Schüler und Studenten zuletzt mindestens einmal im Monat an der E-Zichte gezogen. Mindestens 20 Prozent der Elf- bis 18-Jährigen seien mit den oft wie stylische, längere USB-Sticks aussehenden Inhalierern vertraut.

Was eine konservative Schätzung ist, sagen Lehrerverbände. Nach ihren Erfahrungen “juulen” (eine Wortschöpfung, die sich an den

aus San Francisco anlehnt) viele Kids täglich auf den Pausenhöfen.

E-Zigaretten ungerechtfertigt am Pranger?

Das angekündigte harte Durchgreifen der Regierung hat Kritik und Verwunderung ausgelöst. Die Vaping-Industrie, bereits im Bundesstaat Michigan von einem Totalverbot betroffen, sieht sich ungerechtfertigt an den Pranger gestellt. Bei den bisher sechs Todesfällen seien oft irregulär veränderte Flüssigkeiten mit dem Cannabis-Wirkstoff THC im Spiel gewesen – „damit haben wir nichts zu tun“, sagte ein Verbandsvertreter.

„Juul“ etwa, an dem der nach neuen Kunden Ausschau haltende Marlboro-Produzent Altria mit 13 Milliarden Dollar beteiligt ist, will die Hürden für den Erwerb der hippen Verdampfer bereits deutlich höher gezogen haben, „um Jugendliche zu schützen“. So gebe es beliebte Geschmacksrichtungen nur noch im Internet, sagt das Unternehmen. „Ab 21 – und erst nach strengen Alterskontrollen.“

Warnung vor einem neuen Schwarzmarkt

Die „Juul“-Gründer Adam Bowen und James Monsees, zwei ehemalige Stanford-Studenten, prophezeien das Entstehen eines Schwarzmarktes, wenn die angedrohten Verbote wirksam werden. Raucher würden „wieder zurück zu tödlichen Zigaretten getrieben“.

Andere Kritiker mokieren sich in sozialen Medien über die Prioritätensetzung Trumps: „Jährlich sterben Tausende Kinder durch Schusswaffen-Gewalt, trotzdem nimmt niemand Pistolen und Gewehre vom Markt“, heißt es dort.

Warnungen gab es schon früher

Dabei sind die generellen Bedenken gegen „Vaping“ nicht neu. Jerome Adams, Amerikas Chef-Aufseher für das Sanitätswesen („surgeon general“), hatte schon 2018

Adams betonte, dass eine „Juul“-Kapsel in Amerika – in der EU ist die erlaubte Konzentration erheblich schwächer – so viel Nikotin enthält wie eine Schachtel Zigaretten. Schon nach wenigen Anwendungen entstehe eine Abhängigkeit, sagte der Mediziner. Und riet zu einem völligen Vaping-Verzicht bei Heranwachsenden. „Wir dürfen nicht zulassen, dass eine neue Generation von Süchtigen entsteht.“

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