Oppositionspolitiker

Trotz drohender Haft: Nawalny plant Rückkehr nach Russland

Kreml-Kritiker Alexej Nawalny vor seiner Vergiftung.

Kreml-Kritiker Alexej Nawalny vor seiner Vergiftung.

Foto: Andrew Lubimov / dpa

Moskau/Ibach  Der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny will am Sonntag in sein Heimatland fliegen. Er hielt sich nach einem Giftanschlag in Deutschland auf.

Er will nicht weiter im Exil verweilen: Die Frage „Rückkehr oder nicht“ habe er sich nie gestellt, erklärt Alexej Nawalny in einem Video, das er auf Instagram veröffentlicht hat. In Deutschland sei er „nur aus einem Grund“ gelandet: „Sie wollten mich töten.“

Der Kreml-Kritiker kündigte am Mittwoch an, schon am kommenden Wochenende in seine Heimat Russland zurückkehren zu wollen. Er werde am Sonntag mit einer Maschine der Airline Podeba in Russland landen, erklärte Nawalny am Mittwoch in seinem Instagram-Video. Der Oppositionspolitiker war nach einem lebensbedrohlichen Giftanschlag im August in der Berliner Charité behandelt worden.

Nawalny: Kreml will seine Rückkehr nach Russland verhindern

Nawalny wirft dem russischen Geheimdienst vor, hinter seiner Vergiftung mit einem Stoff aus der Nowitschok-Gruppe zu stecken. Der Anschlag sei zudem ein Racheakt von Wladimir Putin persönlich, glaubt der 44-Jährige. Die russische Regierung bestreitet jede Beteiligung an dem Anschlag. Nawalny wirft der russischen Regierung auch vor, seine Heimkehr behindern zu wollen.

Zuletzt hatten Recherchen der Investigativ-Plattform „Bellingcat“, des „Spiegel“ und weiteren Medien gezeigt, dass Nawalny seit Jahren von russischen Geheimagenten mit Chemiewaffen-Expertise überwacht wurde – auch am Tag des Mordanschlags. Auf der Grundlage von Mobilfunk- und Flugdaten enthüllten die Medien im Dezember das Bewegungsprofil von acht Agenten, die an dem Anschlag beteiligt gewesen sollen.

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Rückkehr nach Russland: Nawalny droht Haftstrafe

Wenige Tage nach den Enthüllungen veröffentlichte Nawalny dann ein Video, das ihn bei einem Anruf eines der enttarnten FSB-Agenten zeigte. Nawalny gab sich dabei als Assistent eines Putin-Beraters aus. Der FSB-Agent räumte den Anschlag ein und berichtete, das Nervengift sei an Nawalnys Unterhose angebracht worden.

Bei einer Rückkehr nach Russland muss sich der Oppositionspolitiker nun vor Gericht verantworten. Nawalny hatte am Dienstag auf Twitter Unterlagen veröffentlicht, aus denen hervorgeht, dass ihm in Russland eine Haftstrafe drohen könnte. Demnach war am Montag bei einem Moskauer Gericht ein Antrag eingegangen, um eine 2014 gegen Nawalny verhängte Bewährungsstrafe für ungültig zu erklären und in eine Haftstrafe umzuwandeln.

Oppositionspolitiker Nawalny fliegt am Sonntag nach Russland

Die russischen Gefängnisbehörden hatten zuvor argumentiert, dass Nawalny gegen seine Bewährungsauflagen verstoßen habe, weil er sich nach seiner Entlassung aus der Berliner Charité im September weiter in Deutschland aufgehalten hatte. Nawalny droht außerdem ein Prozess wegen angeblicher Veruntreuung von Spendengeldern in Höhe von vier Millionen Euro.

Putin wetze die Messer und tue alles, damit sein Gegner nicht zurückkehre, erklärte Nawalny dazu. Seine Attentäter seien verärgert, weil der Mordanschlag gescheitert sei. Der Kreml-Gegner will nun seine politische Arbeit in Russland fortsetzen.

Nach Angaben von Nawalnys Vertrautem Georgy Alburow soll der Kreml-Kritiker am Sonntag um 19.20 Uhr (Ortszeit, 17.20 Uhr MEZ) am Moskauer Flughafen Wnukowo landen. „Etwas sagt mir, dass es am Sonntag voll wird in Wnukowo“, twitterte Alburow. Nawalny selbst schrieb dazu: „Trefft mich“.

(fmg/afp)

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