Flüchtlings-Projekt

Neues Projekt – Ticketbesitzer sollen Flüchtlinge mitnehmen

+1? Viele VRR-Tickets lassen ab 19 Uhr eine weitere Person zu.

+1? Viele VRR-Tickets lassen ab 19 Uhr eine weitere Person zu.

Foto: WAZ FotoPool

Essen.  Wer ein Bärenticket, Ticket 2000 oder ein Semesterticket hat, kann andere Personen ab 19 Uhr darauf mitnehmen. Nun gibt es ein Projekt, das vor allem Flüchtlingen helfen soll.

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Eine junge Frau steht am Gleis und wartet auf ihren Zug. An ihrer Jacke hängt ein großer Button: ein "Daumen hoch"-Symbol und eine "+1". Eingeweihte sehen sofort: Sie unterstützt das Projekt "Flüchtlinge mitnehmen", das seit August in Duisburg, Essen und Bochum läuft. Die Idee ist, Flüchtlinge mobiler zu machen.

Mitmachen können alle, die beispielsweise ein Ticket 2000 oder ein Semesterticket haben. Denn mit diesen Tickets kann man ab 19 Uhr und am Wochenende eine weitere Person mitnehmen.

Rebecca Radmacher hat "Flüchtlinge mitnehmen" auf den Weg gebracht. Die Studentin der Sozialen Arbeit engagiert sich seit Jahren in der Flüchtlingsarbeit. Die Idee zu dem Projekt kam ihr während eines Praktikums bei der Caritas. "Ich gebe zu, ganz neu ist die Idee nicht. Es gab schon einmal das Projekt 'Roter Punkt' in Düsseldorf", so Radmacher. Dabei ging es darum, jeden, der kein Geld hat, auf seinem Ticket mitzunehmen.

Mit dem neuen Projekt möchte Rebecca Radmacher nun Flüchtlingen helfen. Dabei sei es wichtig, Aufklärungsarbeit zu leisten. "Die Flüchtlinge wissen nichts von den Modalitäten hier. Wir erklären ihnen, wie man Tickets kauft und das man sie noch entwerten muss." Dabei gebe es doch "so viele Menschen, die auf ihrem Ticket jemanden mitnehmen könnten".

Rebecca Radmacher sucht das persönliche Gespräch mit Flüchtlingen

Vor allem Pendler und Studierende möchte sie erreichen. An den Universitäten Duisburg-Essen und Bochum errichtet sie Infostände. Um das Projekt auch bei den Flüchtlingen bekannter zu machen, können Interessierte Workshops belegen, um in das Thema der Flüchtlingsarbeit einzusteigen. Nach diesen Workshops werde dann Kontakt zu den Flüchtlingsunterkünften hergestellt.

Radmacher und ihr Team setzen darauf, dass Gespräch mit den Menschen vor Ort zu suchen. "Es ist mehr ein spontanes Kennenlernen. Wir haben auch Flyer dabei, die wir verteilen, aber es funktioniert besser mit einem persönlichen Gespräch", ist ihre Erfahrung. Dabei werde sich oft mit Händen und Füßen unterhalten, aber es werde immer ein Weg zur Kommunikation gefunden.

Wer Lust hat, "Flüchtlinge mitnehmen" mit seinem Ticket zu unterstützen, der sollte allerdings einige Dinge beachten. Wichtig sei es, vor der Mitnahme zu prüfen, ob es tatsächlich die Mitnahme-Möglichkeit gibt und zu welchen Uhrzeiten und Tagen sie möglich ist. Überprüfbar ist das zum Beispiel auf der Seite des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR). So können zum Beispiel Studierende auf ihrem Semesterticket werktags ab 19 Uhr und am Wochenende ganztägig andere Personen im jeweiligen Verkehrsverbund mitnehmen.

Projektunterstützer bekommen einen Button

Damit Projektunterstützer erkennbar sind, gibt es Buttons mit einem großen "Daumen hoch" und dem Hinweis "+1" zum Anstecken. Der Button ist groß und leicht erkennbar. Interessierte haben die Möglichkeit ihn sich zu schicken zu lassen oder kostenlos an einer Station abholen zu können. Radmacher gibt den Ticketbesitzern allerdings den Tipp, den Anstecker nur zu den Mitnahme-Zeiten anzupinnen.In dem Projekt gehe es darum, "Geflüchtete in die Gesellschaft mitzunehmen und ihnen den Alltag ganz praktisch zu erleichtern", heißt es auf der eigenen Seite.

Unterstützt wird das Projekt vom Bistums Essen, der youngcaritas im ruhrbistum und der Bogestra. Kontrolleure und Mitarbeiter seien darüber informiert worden, sagt Radmacher. Als Hinweis sagt Radmacher: "Die Bogestra weist auf ihrer Seite daraufhin, dass auch für den Aufenthalt an Straßenbahnanlagen ein Ticket benötigt wird." Zwar habe sie noch nie erlebt, dass am Bahnsteig kontrolliert werde, dennoch sei ein Hinweis darauf nötig.

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