Gewalt

NRW-CDU fordert landesweites Frühwarnsystem gegen Kindesmisshandlung

Die NRW-CDU fordert eine Datenbank, auf der Kinderärzte beim Verdacht auf Kindesmisshandlungen Befunde und Diagnosen austauschen können.

Die NRW-CDU fordert eine Datenbank, auf der Kinderärzte beim Verdacht auf Kindesmisshandlungen Befunde und Diagnosen austauschen können.

Foto: getty

Düsseldorf/Duisburg.   Ein Frühwarnsystem soll künftig Kindesmisshandlungen in NRW schneller aufdecken helfen. Die NRW-CDU hat jetzt eine solche landesweite Datenbank vorgeschlagen, bei der Kinderärzte Verdachtsdiagnosen melden. Vorbild ist das Pilotprojekt "Riskid" des Duisburger Kinderarztes Ralf Kownatzki.

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Erziehungsberechtigte, die ihre Kinder misshandeln, wechseln häufig den Arzt, wenn der behandelnde Mediziner misstrauisch geworden ist. Um das sogenannte „doctor hopping“ zu verhindern, drängt die CDU-Opposition auf ein Frühwarnsystem: Beim Verdacht auf Kindesmisshandlungen sollen Ärzte über eine landesweite Datenbank gegenseitig Befunde und Diagnosen über „Risikokinder“ austauschen dürfen.

In einem CDU-Antrag kritisiert die Landtagsabgeordnete Ina Scharrenbach, dass die ärztliche Schweigepflicht derzeit einen Datenaustausch ohne Einverständnis der Erziehungsberechtigten ausschließt. Die CDU verlangt deshalb eine Prüfung durch die NRW-Landesregierung, wie eine landesgesetzliche Rechtsgrundlage für den Informationsaustausch zwischen Ärzten auch ohne Einverständnis der Eltern ermöglicht werden kann.

Pilotprojekt in Duisburg sammelt Verdachtsdiagnosen von Kinderärzten

In einem Pilotprojekt „Riskid“ hatte der Duisburger Kinderarzt Ralf Kownatzki mit Kollegen bereits 2007 eine lokale Datenbank der Kinderärzte mit Verdachtsdiagnosen aufgebaut. Das Problem: Die behandelnden Ärzte benötigen von Erziehungsberechtigten eine Entbindung von der Schweigepflicht. Kownatzki sprach deshalb von einer „juristisch absurden Rechtslage“ und forderte wie die NRW-Ärztekammer – bislang erfolglos - eine Initiative des Gesetzgebers zur Einschränkung des Schweigepflichtparagrafen § 203 StGB.

Liegt eine eindeutige Diagnose auf Kindesmisshandlung vor, wird das Kind natürlich auch heute in Sicherheit gebracht und die Polizei eingeschaltet. Ist die Sachlage aber nicht so klar, wird das Kind in Duisburg in die Datenbank aufgenommen. Wechseln Erziehungsberechtigte den Arzt, kann der schnell erfahren, ob es sich um ein „Risikokind“ handelt. „Um Schädigungen eines Kindes zu verhindern, wenn Erziehungsberechtigte ihrem Schutzauftrag nicht gerecht werden“, setzt die Kamener CDU-Politikerin Scharrenbach als Frühwarnsystem auf eine landesweite Datenbank.

„Schwere Fälle von Kindesmisshandlung bis hin zur Tötung eines Kindes haben oft eine lange Vorgeschichte, bis es schließlich zur Eskalation kommt“, hatte Kinderarzt Kownatzki auf einer Fachtagung 2010 in Berlin erläutert. „Riskid hilft bei noch nicht ausgehärtetem Verdacht auf Kindesmisshandlung und bei ’doctor hopping’, die Diagnose Kindesmisshandlung dennoch möglichst frühzeitig zu stellen, um betroffene Kinder vor weiteren Misshandlungen zu schützen.“

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