Rauschfahrten

Polizei in NRW registriert mehr Verkehrsunfälle unter Drogen

Die Drogenschnelltests der Polizei werden immer präziser.

Die Drogenschnelltests der Polizei werden immer präziser.

Foto: Polizei Neuss

An Rhein und Ruhr.   Fünf Menschen verloren in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2017 bei Verkehrsunfällen mit Drogen ihr Leben. Mehrere Hundert wurden verletzt.

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Bei schweren Verkehrsunfällen in Nordrhein-Westfalen sind zunehmend auch Drogen im Spiel. Fünf Menschen verloren im vergangenen Jahr ihr Leben, weitere 202 wurden schwer und 507 leicht verletzt, weil sich Unfallfahrer berauscht ans Steuer setzten. Das geht u. a. aus dem neuen Lagebild „Rauschgiftkriminalität“ des Landeskriminalamtes hervor. Im Jahr zuvor waren vier Unfalltote und 178 Schwer- und 418 Leichtverletzte zu beklagen.

„Viele Leute unterschätzen die Langzeitwirkung von Drogen“, sagte der Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Michael Mertens, gegenüber dieser Redaktion. Der Joint vom Abend zuvor könne tagsdrauf sehr wohl noch die Reaktionsfähigkeit und damit die Verkehrstüchtigkeit beeinflussen.Insgesamt registrierte die Polizei in NRW im vergangenen Jahr 776 Verkehrsunfälle unter Drogeneinwirkung mit Personenschaden oder erheblichem Sachschaden (2016: 682 Unfälle).

Meistens handelt es sich um Cannabis und Amphetamine

In den meisten Fällen ging es um den Konsum von Cannabis und Amphetaminen, zunehmend spielen aber auch Medikamente eine Rolle (z.B. schwere Schmerzmittel, Beruhigungspräparate). Mertens verweist darauf, dass die der Polizei zur Verfügungen stehenden Schnelltests immer besser werden. Er geht aber davon aus, dass so manche Rauschfahrt noch unentdeckt bleibt: „Gerade, was Medikamente betrifft, gibt es noch eine gewisse Dunkelziffer.“

Rauschfahrern drohen Führerscheinverlust, Bußgelder und Strafverfahren. Die Polizei kontrolliert bereits seit geraumer Zeit gezielt – in Krefeld etwa fielen gestern bei einer Schwerpunktkontrolle vier Autofahrer als Betäubungsmittel-Konsumenten auf.

Immer höhere Wirkstoffgehalte

Im Jahr 2017 leitete die NRW Polizei insgesamt 16 726 (2016: 16 397) Strafverfahren wegen Gefährdung des Straßenverkehrs und Trunkenheit am Steuer ein (§§ 315c und 316 StGB) ein, im Vorjahr waren es 571 weniger. Auch bei drogenbedingten Ordnungswidrigkeitsanzeigen gab es einen Anstieg auf 9847 Fälle (Vorjahr: 9433).

Die zunehmend hohen Wirkstoffgehalte, von denen das neue Lagebild ebenfalls berichtet, dürften bei den Rauschfahrten eine Rolle spielen. Erstmalig wurde für Haschisch mit 15,7% (13,8%) ein höherer mittlerer Wirkstoffgehalt festgestellt als für Cannabisblüten. Bei Ecstasy-Tabletten stieg der Wirkstoffgehalt auf 33,2% (Vorjahr: 31,7%), bei MDMA-Pulver oder Kristallen sogar auf 76,2% (70,7%).

>>> HINTERGRUND

§ 315 c des Strafgesetzbuchesregelt: Wer ein Fahrzeug führt, obwohl er infolge des Genusses alkoholischer Getränke oder anderer berauschender Mittel nicht in der Lage ist, dieses sicher zu tun und dadurch Leib oder Leben eines anderen Menschen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert gefährdet, der wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

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