Fahrverbote

Revierstädte denken über Umweltspuren auf den Straßen nach

Autos weit weg von Fahrrädern: So soll es künftig sein mit der Umweltspur. E-Fahrzeuge dürfen sie allerdings auch nutzen.

Autos weit weg von Fahrrädern: So soll es künftig sein mit der Umweltspur. E-Fahrzeuge dürfen sie allerdings auch nutzen.

Foto: Kai Kitschenberg

Düsseldorf.   Essen prüft eine Umweltspur um die City. Nur Busse, Fahrräder und E-Fahrzeuge dürften dort fahren. Auch Oberhausen und Duisburg zeigen Interesse.

Mehrere Revierstädte denken über sogenannte Umweltspuren auf Straßen nach. So soll ein Planungsbüro für Essen untersuchen, ob man eine Fahrspur rund um die Innenstadt nur für Busse, Fahrräder und E-Fahrzeuge freihalten könnte – auf Kosten des Autoverkehrs.

Düsseldorf hat am Montag eine Umweltspur eingeweiht, am heutigen Dienstag folgt eine zweite. Duisburg und Oberhausen kündigten auf Anfrage dieser Zeitung an, das Experiment in Düsseldorf genau zu verfolgen. Bochum und Gelsenkirchen planen nichts derartiges.

BUND: „Erster kleiner Baustein zur Luftreinhaltung“

Düsseldorf führt die beiden Spuren zunächst nur auf je 500 Metern Länge auf zwei hoch belasteten Einfallstraßen Richtung Innenstadt ein. „Es gibt keine andere Möglichkeit, einem Diesel-Fahrverbot zu entgehen“, sagte Verkehrsdezernentin Cornelia Zuschke. Das Projekt ist in der Landeshauptstadt und der Landesregierung umstritten.

„Weniger Fläche für Autos gleich weniger Autos gleich weniger Schadstoffe“, sagte Dirk Jansen, der Sprecher des BUND NRW. Die Spuren seien ein „erster kleiner Baustein zur Luftreinhaltung“.

ADAC: Verschärftes Problem mit den Schadstoffen

Der ADAC Nordrhein sieht die Einführung hingegen kritisch: Wegen zusätzlicher Staus auf eingeengtem Raum „wird das Problem mit den Schadstoffen verschärft“, so Sprecher Roman Suthold. Auch werde wegen 500 Metern Strecke niemand auf den Nahverkehr umsteigen.

Umweltspuren für unterschiedliche Nutzergruppen gibt es etwa in Berlin, Hamburg oder Münster. Die Erfahrungen seien positiv, heißt es. Das gilt auch für eine kurze Umweltspur in Bielefeld, die dennoch wieder verschwinden soll, um auch Busse und Fahrräder zu trennen.

Experimentierphase von einem Jahr scheint fraglich

Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) hatte die „neuen Methoden“ Düsseldorfs begrüßt und so Proteste in den eigenen Reihen hervorgerufen. Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU), der sich öffentlich bedeckt hält, soll intern seine Skepsis deutlich gemacht haben.

Man könne nicht Tausenden von Autofahrern das Leben in Düsseldorf noch schwerer machen, ohne Pendlerparkplätze oder einen funktionierenden Nahverkehr anzubieten. Ob der auf ein Jahr angelegte Pilotversuch der Umweltspur durchgezogen wird, scheint fraglich. Sobald sich der Verkehr bis auf die Autobahn zurückstaue, könnte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) aus Sicherheitsgründen die Reißleine ziehen, heißt es.

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