Bildung

„Das Gymnasium ist kein Ort für lernbehinderte Kinder“

Die Alfred Krupp Schule wird sich als letztes Gymnasium von der Inklusion verabschieden.

Die Alfred Krupp Schule wird sich als letztes Gymnasium von der Inklusion verabschieden.

Foto: Oliver Müller

Essen.  Der Essener FDP-Landtagsabgeordneter Ralf Witzel verteidigt die Inklusionspolitik des Landes, die kein gemeinsames Lernen an den Gymasien will.

Die Ankündigung des Alfred Krupp Gymnasiums in Holsterhausen, sich aus dem gemeinsamen Unterricht behinderter und nicht behinderter Kinder zum Schuljahr 2020/21 zurückzuziehen und damit den anderen drei Gymnasien in Überruhr, in Borbeck und an der Wolfskuhle in Steele zu folgen, die bereits zum kommenden Schuljahr keine neuen inklusiven Klassen mehr bilden werden, hat eine breite Diskussion ausgelöst.

Den Eltern werden Hoffnungen genommen

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft kritisiert die Landespolitik, die darauf abziele, die Inklusion an den Gymnasien zu beenden. „Die Motivation der Lehrer, die sich für die Inklusion eingesetzt haben, ist vergeudet, den Eltern wurden die Hoffnungen genommen“, sagt Essens GEW-Sprecher Henner Höcker. „Das ist für alle, die sich für das gemeinsame Lernen an den Gymnasien eingesetzt haben, nur enttäuschend.“

Das Inklusionschaos beenden

Das sieht der Essener FDP-Landtagsabgeordnete Ralf Witzel anders und verteidigt das Vorgehen von NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) bei der Inklusion: „Wir sind immer dafür angetreten, das grüne Inklusionschaos zu beenden, wir halten unser Versprechen. Es ist unser Ziel, Förderschulen zu erhalten und zu unterstützen. Sie bieten ein ganz wichtiges Angebot für Kinder mit schweren Handicaps“, erklärt Witzel, der auch stellvertretender FDP-Fraktionsvorsitzender im Landtag ist. „Selbstverständlich beteiligen sich Gymnasien weiter an der Inklusion, aber eben nicht an zieldifferenter Beschulung“, so Witzel. Dies geschehe aus dem nachvollziehbaren Grund, weil eine besondere Leistungsanforderung eine Grundsäule der täglichen Arbeit an den Gymnasien sei, um auf das Abitur vorzubereiten. Behinderte Kinder würden hier schnell mit den eigenen intellektuellen Grenzen konfrontiert.

Diskrepanz der Leistungsfähigkeit kaum überbrückbar

Am Gymnasium sei diese Diskrepanz der Leistungsfähigkeit zwischen lernbehinderten Kindern und den Kindern mit Gymnasialeignung in der Unterrichtsarbeit kaum überbrückbar. „Dass körperlich behinderte Kinder und alle diejenigen, die das Potential haben, das Abitur erfolgreich zu absolvieren, gemeinsames Lernen auch am Gymnasium praktizieren können, steht außer Frage“, so Witzel weiter. Wie sich hier Gymnasien an der Inklusion beteiligen, sei allein eine Frage ihrer Möglichkeiten.

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