Stadtentwicklung

Designstudenten wollen nicht in den Essener Norden ziehen

Ganz neu errichtet und im letzten Herbst eingeweiht: Das Folkwang-Gebäude für Gestaltung auf Zollverein.

Ganz neu errichtet und im letzten Herbst eingeweiht: Das Folkwang-Gebäude für Gestaltung auf Zollverein.

Foto: Kerstin Kokoska

Essen.   Auf Zollverein steht seit Herbst das neue Gebäude der Folkwang-Uni. 500 Studenten sind da. Doch kaum einer will im Norden wohnen.

Die März-Sonne strahlt aufs Zollverein-Gelände, und wegen seiner silbernen Fassade erinnert das neue Folkwang-Gebäude, errichtet für 40 Millionen Euro und offiziell eingeweiht im Oktober, an ein riesiges Raumschiff. Aber Folkwang soll kein Fremdkörper bleiben im Essener Norden, und jene, die hier studieren, auch nicht: Von den 600 Studenten, die hier langfristig arbeiten, erhofft man sich langfristig eine Belebung der umliegenden Stadtteile. So war es immer gedacht.

Doch eine Umfrage am Dienstag am „Quartier Nord“ ergab: Noch ist die Idee, dass sich der Fachbereich Gestaltung der Universität der Künste positiv auf die Nachbarschaft auswirkt, reines Wunschdenken. Auch, wenn die Stiftung Zollverein und andere Beteiligte erhebliche Anstrengungen unternehmen werden, um das Weltkulturerbe-Areal und sein Umfeld attraktiv zu machen für Studenten.

Der Norden ist durchaus inspirierend

„Es gibt einige Studierende, die in den umliegenden Häusern private Arbeitsräume anmieten wollen“, berichtet Christian Schreckenberger, Folkwang-Professor für Experimentelle Gestaltung. „Doch dass sie auch hier wohnen wollen, ist bislang nur eine Idee – auch wenn der Norden durchaus inspirierend ist mit seinen ganzen Brüchen und Leerstellen.“

Mara Vöcking (24) studiert Industrial Design im dritten Semester, wohnt in Rüttenscheid, und findet: „Hier im Umfeld ist ja nichts.“ Deshalb plane sie weiter lieber täglich die Anreise zur Uni mit der Straßenbahn, „allein der Weg ist sehr interessant.“ Ihre Kommilitonin Jelena Maschke (24) findet außerdem: „Der Standort hier ist zum Wohnen zu weit weg von der Innenstadt.“ Sie will lieber in Huttrop bleiben. Fotografie-Studentin Elena Krug-Lova (27) hat mal in Altenessen gewohnt, „aber das war nicht schön“, deshalb lebt sie jetzt im Südostviertel – einen Umzug in den Norden kann auch sie sich nicht vorstellen: „Die Infrastruktur fehlt. Cafés, Kneipen – das gibt es hier ja alles nicht.“

Angebote der Wohnungswirtschaft kommen

Doch bei der Zollverein-Stiftung will man langen Atem beweisen: „Die Aufgabe, Quartiere zu entwickeln, braucht Zeit. Wir haben längst damit angefangen, die nötigen Maßnahmen auf die Beine zu stellen“, berichtet Hans-Peter Noll. Er ist offiziell noch Chef der RAG-Immobilien und übernimmt im Juni gemeinsam mit Heinrich Theodor Grütter (Ruhr Museum) den Stiftungsvorsitz. Gemeinsam mit Studenten solle die Aufenthalts-Qualität auf dem Campus erhöht werden, und außerdem: „Wir sind mit der Wohnungswirtschaft konkret im Gespräch. Wir brauchen passende Angebote für Studenten, und die müssen auch bekannt gemacht werden.“

Noll denkt derzeit auch darüber nach, dass es für Studenten einfacher als bislang sein muss, leere Ladenlokale in den Stadtteilen für Ausstellungen anzumieten. Sein Ziel: „Ich möchte, dass irgendwann nicht mehr nur vom ,Bilbao-Effekt’ gesprochen wird. Sondern vom Zollverein-Effekt.“ Im spanischen Bilbao gelang 1997 mit der Ansiedlung des Guggenheim-Museums eine komplette Aufwertung der Region.

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