Schulbeginn

Von Schulranzen bis Schulweg - So gelingt der Schulstart

Tipps für den sicheren Schulweg

Wenn die großen Ferien zu Ende sind, beginnt für viele Kinder in NRW der erste Schultag. Damit die I-Dötzchen sicher zur Schule kommen, sollten Eltern ein paar Dinge beachten.
Fr, 11.08.2017, 14.54 Uhr

Tipps für einen sicheren Schulweg

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Essen.  Welche Anforderungen sollte der Schulranzen erfüllen? Was gehört in die Schultüte? Welcher Schulweg ist für mein Kind am besten? Ein paar Tipps.

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Für mehrere tausend Erstklässler beginnt Ende August in Nordrhein-Westfalen die Schulzeit. Für die Eltern bedeutet das zunächst Stress. Es muss eine Menge gekauft, organisiert und geplant werden. Was sollte beim Kauf des Schulranzens beachtet werden? Welcher Schulweg ist am sichersten? Bekommen Eltern für die Einschulung Sonderurlaub?

Klassischer Schulranzen für den Rücken besser als Rollkoffer

Kurz vor dem Schulbeginn steht der Kauf eines Schulranzens an. Manche Eltern sorgen sich, dass der Rucksack zu schwer für ein fünf- oder sechsjähriges Kind sein könnte. "Diese Sorge ist in der Regel unbegründet", sagt Prof. Frank Kandziora, Facharzt für Orthopädie von der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Frankfurt am Main. Auf ein paar Dinge gilt es allerdings zu achten:

  • Ein klassischer Schulranzen ist dem Experten zufolge geeigneter als etwa eine Tasche mit Rollen. "Die Last wird bei den Rucksack-Modellen gleichmäßig verteilt." Bei Rollkoffern ziehen die Kinder dagegen nur mit einem Arm das komplette Gewicht.
  • Der Ranzen sollte breite, gut gepolsterte Riemen haben, die nicht drücken.
  • Entscheidend ist auch, dass der Inhalt des Rucksacks gleichmäßig verteilt ist und nicht zum Beispiel alle Bücher auf einer Seite liegen. Darüber, wie schwer der Ranzen insgesamt sein darf, gibt es unterschiedliche Ansichten. "Zehn Prozent des Körpergewichts sind unproblematisch", erklärt Kandziora. Darüber, ob mehr als diese zehn Prozent dem kindlichen Rücken schaden, wird unter Experten diskutiert. Untersuchungen der Universität des Saarlandes legen nahe, dass Kinder bis zu einem Drittel ihres Körpergewichts tragen können.

Was sollte in der Schultüte sein? Was gehört nicht rein?

Die Schultüten, in weiten Teilen Deutschlands auch Zuckertüten genannt, sind seit dem 19. Jahrhundert ein Brauch für Schulanfänger. Ursprünglich waren darin vor allem Süßigkeiten enthalten, heute variiert der Inhalt. Die Eltern sollten es jedoch nicht übertreiben:

"Der Inhalt der Schultüte sollte für das Kind angebracht und zweckmäßig sein. Beispielsweise Materialien für die Schule gehören hinein. Aber auch etwas Süßes. Jedoch keine Handys oder ähnliches, sagt Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbands „Bildung und Erziehung“ (VBE)."

Kleines Frühstück reicht für Schulkinder aus

Das Frühstück gilt als die wichtigste Mahlzeit des Tages. Nicht alle Kinder können morgens schon etwas essen. "Das sind die sogenannten Spätstarter, und Eltern sollten das respektieren", sagt Prof. Mathilde Kersting vom Forschungsdepartment Kinderernährung an der Universitätskinderklinik Bochum.

Statt das Schulkind mit einer Schale Cornflakes zu verfolgen, reicht eine Kleinigkeit am Morgen aus. Das kann ein Becher Milch oder ein leicht gesüßter Kakao sein. Für die Schule packen Eltern ihren Kindern dann am besten ein üppiges Frühstück ein, mit einem großen Pausenbrot, Obst oder klein geschnittenem Gemüse.

Regelmäßige Mahlzeiten sind für Kinder wichtig

Beim Brot gilt: dick schneiden und dünn belegen, idealerweise mit Käse, Wurst, Schinken oder Frischkäse. Den süßen Belag sollte es lieber am Wochenende geben - nicht aus Kaloriengründen, sondern weil sich die wenigsten Kinder in der Schule die Zähne putzen können.

Viele Kinder essen mittags in der Schule. Nachmittags darf es dann auch mal etwas Süßes geben wie ein Eis oder Kekse. "Das können irgendwelche sein und keine, die mit Vitaminen angereichert sind", sagt Kersting. Überhaupt sollten sich Eltern nicht von Sprüchen auf Lebensmitteln blenden lassen, die mit extra Vitaminen oder Kalzium werben. "Das braucht fast kein Kind in Deutschland." Schulkinder bräuchten auch nicht per se mehr Kalorien, nur weil sie stärker geistig gefordert sind. Wichtig sind eher regelmäßige Mahlzeiten.

Wie Kinder sicher zur Schule kommen

Damit Kinder sicher zur Schule kommen, müssen Eltern den Weg mit ihnen rechtzeitig vor Schulbeginn mehrfach trainieren, um sie an feste Abläufe zu gewöhnen. "Das gilt vor allem für Schulanfänger", sagt Verkehrsexperte Hans-Ulrich Sander vom Tüv Rheinland. Generell rät er, sich bei der Kommune über den richtigen Schulwegplan zu informieren.

Um Gefahren richtig erkennen und dem Kind erklären zu können, sollten Eltern auch mal die Position des Kindes einnehmen, etwa in die Hocke gehen. Häufig verleite Zeitdruck dazu, Regeln zu brechen. So sei ein Zeitplan wichtig, der Luft lässt für ein Frühstück in Ruhe und einen Weg ohne Druck und Hast.

"Beim vierten oder fünften Mal überlasse ich das Kind immer mehr sich selbst und beobachte, wie es sich verhält", sagt Sander. Wenn das sicher ohne nötige Eingriffe funktioniert, könne das Kind alleine gehen. Das fördere die Selbstständigkeit. In regelmäßigen Abständen kontrollieren die Eltern, ob sich der Nachwuchs an das Gelernte hält.

Kinder werden selbstständig, wenn sie den Schulweg alleine gehen

Ein festes Alter, ab dem Kinder alleine gehen können, gibt es nicht. Das sei individuell verschieden und orientiere sich am jeweiligen Fortschritt. Bei einem Schulwechsel im Alter von zehn, elf Jahren sollten Eltern den neuen Weg ein, zwei Mal mit den Kindern abgehen.

"Genauso falsch wie das Kind auf sich alleine gestellt zu lassen, ist, das Kind jeden Tag mit dem Auto vor der Schultür abzusetzen und es dort nach Schulschluss wieder abzuholen", sagt Sander. Denn das macht die Kinder unselbstständig. Ein 15 bis 20 Minuten langer Weg sei nach Übung auch für kleinere Kinder zu bewältigen.

"Ansonsten ist es immer besser, den Schulweg auch mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln zu üben." Falls diese nicht gut ausgebaut sind, fehlen oder der Schulweg zu lang ist, suchen sich Eltern mit dem Auto einen sicheren Halteplatz in einiger Entfernung zum Schuleingang. "Wenigstens können die Kinder dann die letzten 200 bis 300 Meter zu Fuß gehen."

Kein Anspruch auf Sonderurlaub für die Einschulung

Berufstätige Eltern haben meistens keinen Anspruch auf Sonderurlaub für die Einschulung oder den ersten Schultag ihres Kindes. Für wichtige Ereignisse wie die Geburt eines Kindes oder die Beerdigung eines nahen Angehörigen gibt es zwar einen gesetzlichen Freistellungsanspruch. Die Einschulung gehört nach der gängigen Auffassung aber nicht dazu, erklärt Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht. «Auch wenn das für mich eigentlich nicht nachvollziehbar ist.»

Denkbar ist höchstens, dass sich im Tarifvertrag oder der Betriebsvereinbarung entsprechende Regeln finden, so der Experte. Das sei aber auch eher die Ausnahme als die Regel. «Und in Arbeitsverträgen gibt es solche Passagen nur sehr selten.» Wer beim ersten Schultag seiner Kinder dabei sein will, muss daher vermutlich einen Urlaubstag opfern.

Immerhin: Wird der Antrag auf diesen Urlaub rechtzeitig abgegeben, dürfen Chefs ihn nur ablehnen, wenn dringende betriebliche Gründe dagegen sprechen. Und auch bei der Erstellung von Dienstplänen haben Eltern einen Anspruch darauf, dass Arbeitgeber und Kollegen Rücksicht auf eine Einschulungsfeier oder den ersten Schultag nehmen. (dpa/kawe)

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