Studie

SPD keine Arbeiterpartei mehr: Wie sich Wählerschaft wandelt

Nachwuchs gesucht: So jung sind die großen Parteien tatsächlich

Bundestagswahl 2017: Die Politiker buhlen um den Nachwuchs – aber so hoch ist das Durchschnittsalter der Parteimitglieder wirklich.
Mo, 10.07.2017, 15.01 Uhr

Bundestagswahl 2017: Die Politiker buhlen um den Nachwuchs – aber so hoch ist das Durchschnittsalter der Parteimitglieder wirklich.

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Berlin  Der Wähler, das unbekannte Wesen? Eine DIW-Studie zeigt, was sich in den vergangenen Jahren geändert hat – insbesondere bei der SPD.

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Die Wählerschaft der Parteien in Deutschland hat sich nach Analysen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in den vergangenen 15 Jahren zum Teil erheblich gewandelt. Das klassische Muster der SPD als Arbeiterpartei sei verblasst und die Wählerschaften von Union und SPD ähnelten sich immer mehr, geht aus der am Mittwoch in Berlin vorgestellten Studie „Wählerstruktur im Wandel“ hervor. Die AfD findet nach DIW-Angaben den größten Zuspruch unter den Beschäftigten mit einfachen Tätigkeiten, während die Grünen die meisten Sympathisanten im öffentlichen Dienst haben.

„Bei der SPD kann man nicht mehr sagen, dass sie eine Arbeiterpartei ist“, sagte DIW-Forschungsdirektor Alexander Kritikos gut zwei Monate vor der Bundestagswahl am 24. September. Zwar sei der Anteil von Arbeitern insgesamt zurückgegangen, aber bei der SPD sei die Veränderung am deutlichsten: Im Jahr 2010 waren 44 Prozent der SPD-Wählerschaft Arbeiter, 2016 lag der Anteil nur noch bei 17 Prozent.

SPD-Wähler sorgen sich mehr ums Klima

Die Wählerstrukturen von Union und SPD nähern sich nach Angaben des Instituts immer mehr an. Die SPD habe eine größere Wählerschaft in den Großstädten, die CDU habe mehr Wähler auf dem Land. Außerdem bestünden große Unterschiede bei den Sorgen der Wählerschaft und den Lösungen, die sie von den Parteien erwarten. „Zum Beispiel sorgen sich mehr CDU-Wähler um Kriminalität und um Migration“, sagte Kritikos. Er fügte hinzu: „Hingegen sorgen sich SPD-Wähler mehr um den Klimawandel und die Umwelt.“

Ein Thema, das die Bevölkerung über Parteigrenzen hinweg beschäftigt, sei die Erhaltung des Friedens. Mindestens die Hälfte aller Befragten macht sich nach Angaben des DIW darüber große Sorgen. Bei der Union sind es 50 Prozent der Befragten, bei der SPD 53 Prozent und bei den Grünen 52 Prozent. Am größten sei der Anteil der besorgten Personen mit 62 Prozent bei der Anhängerschaft der Linkspartei.

Zuwanderung für Grünen-Wähler kaum Grund zur Sorge

Um die Zuwanderung nach Deutschland machten sich nach Angaben des Instituts 82 Prozent der AfD-Anhängerschaft große Sorgen, während dieser Anteil bei der Linkspartei mit 31 Prozent deutlich geringer ist. Nur die Anhängerschaft der Grünen macht sich darüber noch weniger Sorgen (acht Prozent).

Neben gesellschaftlichen Themen könne auch das Einkommen die Haltung gegenüber einer Partei beeinflussen. Das Nettoeinkommen der AfD-Wählerschaft, der Linkspartei und der Nichtwähler ist laut Studie im Durchschnitt am geringsten. Die Befragten mit einer Präferenz für die AfD verfügten durchschnittlich über ein Nettoeinkommen von 2.933 Euro, bei der Linkspartei sind es 2.542 Euro.

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Verdienst: Extreme bei Nichtwählern und FDP

Deutlich abgeschlagen liegen bei einem Durchschnittseinkommen von 2.462 die Nichtwähler. Mit knapp 4.000 Euro sei das durchschnittliche Nettoeinkommen bei FDP-Wählern laut Studie am höchsten.

Grundlage der Untersuchung sind nach Angaben des DIW die Erhebungen der Allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften mit den Daten bis 2016. Zudem sei auf die Daten des Sozio-ökonomischen Panels von 2015 zurückgegriffen worden. (epd)

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