Junge Union

Südwestfalens JU-Chef: „CDU hat sich inhaltlich entkernt“

Nicht unbedingt auf Merkel-Kurs: Johannes Winkel, neuer Vorsitzender der Jungen Union Südwestfalen, fordert eine Neuausrichtung der Partei.

Nicht unbedingt auf Merkel-Kurs: Johannes Winkel, neuer Vorsitzender der Jungen Union Südwestfalen, fordert eine Neuausrichtung der Partei.

Foto: Michael Gottschalk / FUNKE Foto Services

Hagen/Kreuztal.  Johannes Winkel, Vorsitzender der Jungen Union Südwestfalen, kritisiert den „Aktionismus“ in der Diskussion über den Klimawandel in der CDU.

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Vielleicht nehmen sie sich gerade den Rat des bedeutendsten deutschen Dichters zu Herzen: „Man muss jung sein, um große Dinge zu tun“, sagte einst Johann Wolfgang von Goethe. Ob die Dinge, die sich die Junge Union derzeit vornimmt, tatsächlich groß sind, ist eine Frage der Interpretation. Zumindest aber lösen sie große Unruhe in der CDU aus. Jüngst stellte JU-Chef Tilman Kuban im Parteivorstand sogar die Führungsfrage und forderte die Urwahl des Kanzlerkandidaten.

Johannes Winkel, Jahrgang 1991, Doktorand und wissenschaftlicher Mitarbeiter ab der Universität Bonn, seit kurzem Chef der Jungen Union Südwestfalen, sieht das ganz ähnlich. „Die CDU hat sich inhaltlich entkernt“, sagt der Kreuztaler. „Wir brauchen Politiker, die wieder in der Lage sind, Antworten auf die drängendsten Fragen der Menschen zu geben und gestalten wollen, statt zu moderieren.“

Vor zehn Jahren die Junge Union in Kreuztal reaktivert

Das klingt ein bisschen wie aus dem Rhetorik-Handbuch für Polit-Einsteiger. Johannes Winkel in die Schlausprecher-Schublade einzuordnen, hieße aber, ihm Unrecht zu tun. Dem jungen Mann geht es um Inhalte, um Veränderung, um die Zukunft, und das bringt er glaub- und ernsthaft rüber. Vor gut zehn Jahren hat er sich mit vier, fünf Mitstreitern zusammengetan, um in Kreuztal die Junge Union zu reaktivieren, jetzt führt der angehende Jurist den mit rund 4000 Mitgliedern immerhin zweitgrößten JU-Bezirksverband in Nordrhein-Westfalen.

Und kümmert sich dort auch um andere Themen. Integration, demografischer Wandel, Digitalisierung und – klar – der Klimawandel, das sind die Probleme, die Winkel in der Bundespolitik als drängend definiert. Wobei sich der Siegerländer beim Thema Erderwärmung auch nicht scheut, Widerspruch zu erzeugen: Die Diskussion sei von „Aktionismus“ geprägt – auch in den Medien. Die Politik habe sich davon treiben lassen, kritisiert er. „Das 50 Milliarden Euro schwere Klimapaket wurde auf dem Höhepunkt dieses Hypes beschlossen. Ich wette, schon heute würde die Entscheidung anders aussehen.

Kritik an Bundeskanzlerin Merkel

Dass viele Gleichaltrige das anders beurteilen, ficht Winkel nicht an: „Man darf seine Meinung nicht über Bord werfen, nur weil man bei einem Thema in der Minderheit ist.“ Womit wir wieder bei Angela Merkel wären. Die Kanzlerin habe den politischen Kompass der Union eingetauscht gegen eine weitgehend auf Umfragen basierte Politik, sagt er. Deshalb habe die CDU ihr Profil verloren.

Da klingt Winkel ganz wie der Sauerländer Friedrich Merz.

Beide sind von den Grünen inhaltlich ungefähr so weit entfernt wie Merkur und Neptun in unserem Sonnensystem. „Es ist bedenklich, mit welcher Lust von grüner Seite an der Deindustrialisierung gearbeitet wird“, sagt Winkel. Und das bezieht der 28-Jährige gerade auch auf seine Heimat: „Südwestfalen steht momentan gut da. Wir haben eine starke Wirtschaftsregion, eine tolle Naturlandschaft, und hier ist der gesellschaftliche Zusammenhalt in Takt. Aber wir müssen die Region für junge Leute attraktiv halten.“ Und das funktioniere halt nur, wenn die Arbeitsplätze attraktiv und sicher seien. Die Digitalisierung im ländlichen Raum sei in diesem Zusammenhang nicht nur eine Daseins-, sondern auch eine Dableibe-Vorsorge. Allerdings gehe die Wertschätzung für die mittelständische Industrie den Grünen komplett ab. Das klingt nicht nach einer großen Lust auf Zusammenarbeit.

Partei soll kontroverser diskutieren

Winkel ist kein Krawallmacher, er argumentiert ruhig, wird nicht laut. Aber man könne halt auch nicht immer alle mitnehmen, sagt er. „Wir müssen mehr Kontroverse wagen. Daran hat es in der Vergangenheit gehapert.“

Was von dem alles übrig bleiben wird? Warten wir es ab. Winkel will in Kreuztal zunächst in die Kommunalpolitik einsteigen und Erfahrungen sammeln. Und Erfahrungen verändern ja bekanntlich Einstellungen. Um es wieder mit Goethe zu sagen: „Wenn die Jugend ein Fehler ist, so legt man ihn sehr bald ab.“

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