Bergschäden

Verband warnt vor neuen Risiken nach dem Ende des Bergbaus

Der Krater in Bochum-Höntrop macht im Jahr 2000 bundesweit Schlagzeilen.

Foto: Gero Breloer/dpa

Der Krater in Bochum-Höntrop macht im Jahr 2000 bundesweit Schlagzeilen.

Düsseldorf.   Die Folgen des Bergbaus werden im Ruhrgebiet noch lange spürbar sein. Bergbau-Betroffene fordern verlässlichere Entschädigungsregelungen.

Der Steinkohlebergbau wird bald Geschichte sein, aber die Folgen des Abbaus dürften die Bürger im Revier noch lange spüren, warnt der Landesverband Bergbau-Betroffener. Während heute im Parlament ein Festakt zu Ehren der Kumpel ansteht, fordert der Verband verlässlichere Entschädigungen für Bergbau-Geschädigte und eine Vorsorge vor neuen Risiken, die das Ende der Förderung mit sich bringe.

Betroffene von Bergbauschäden hätten in NRW keine Lobby, weil die Politik ihre Hand über den Bergbau halte, kritisierte Verbands-Vorstand Ulrich Behrens. Die Ministerpräsidenten von NRW und des Saarlands, Armin Laschet und Tobias Hans (beide CDU), würdigen heute die Arbeit der Bergleute. „Wir wurden nicht eingeladen“, ärgert sich Behrens. Dabei sei es wichtig, den Bergbau nicht auf „Kohleromantik mit Grubenlampe“ zu beschränken. Der Verband rechnet vor, dass der seit den 1950-er Jahren subventionierte Steinkohlebergbau mehr als 300 Milliarden Euro gekostet habe. Während die Bergleute sozial abgesichert wurden, litten Anwohner unter den Folgen dieser Industrie.

Verband befürchtet auch Anstieg des Grundwassers

Der Verband Bergbau-Betroffener, der zehn Bürgerinitiativen und etwa 5000 Mitglieder vertritt, warnte vor Millionenschäden an Gebäuden und Straßen, die zu erwarten seien. Der Erdboden könne sich vielerorts anheben. „Da das Grubenwasser ansteigt, werden diese Anhebungen im ganzen Ruhrgebiet und Teilen des Niederrheins vorkommen“, warnte Behrens unter Berufung auf Gutachten der RWTH Aachen. „Gegen Schäden können sich Betroffene nicht versichern“, sagte er. Auch seien die Entschädigungssummen von zwei bis vier Prozent des Hauswertes bei Gebäudeschieflage zu niedrig, vor allem für Vermieter: „Die Summe wird nur einmal ausgezahlt, die Vermieter leiden aber unter dauerhaften Einbußen.“

Zudem befürchtet der Verband, dass durch den Anstieg des Grubenwassers in den stillgelegten Zechen Grund- und Trinkwasser verschmutzt werden könnten. „Im Grubenwasser befinden sich Industrierückstände, Salz und giftige chemische Verbindungen“, sagte Behrens. Außerdem könnten durch den Grundwasseranstieg Erschütterungen ausgelöst werden. „Wir brauchen ein enges Mess-Netz, um Gelände-Hebungen zu ermitteln.“

Zudem wünscht sich der Verband eine Überprüfung der Rückstellungen der RAG AG und der RAG-Stiftung, die für die Folgen des Bergbaus zuständig sind. Die Schadensersatzansprüche der Betroffenen müssten sicher gestellt sein. Bis eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorliege, sollte der Grubenwasseranstieg aufgeschoben werden.

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