Kleinparteien

Wahlkampf in Lila: Wofür Nischenparteien in NRW kämpfen

Karin Schäfer im Gespräch mit einem potenziellen Unterstützer. Um überhaupt zur Landtagswahl antreten zu dürfen, musste die kleine Partei 1000 Unterschriften sammeln und einreichen. 

Karin Schäfer im Gespräch mit einem potenziellen Unterstützer. Um überhaupt zur Landtagswahl antreten zu dürfen, musste die kleine Partei 1000 Unterschriften sammeln und einreichen. 

Foto: Ralf Rottmann

Duisburg.   31 Landeslisten stellen sich am Sonntag dem Wähler. Darunter viele kleine Parteien, die oft spezielle Nischen besetzen. So wie die Violetten.

Bei Karin Schäfer und Marion Schmitz passt alles. Vom Pullover über Schal und Jacke bis hin zum Brillengestell: Alles ist violett – genau wie die politische Einstellung der beiden Frauen. Gut gelaunt stehen sie an einem trüben und verregneten Montagmittag an ihrem Wahlkampfstand gegenüber dem Landschaftspark-Nord in Duisburg.

Schwarz, Rot, Grün, Gelb – alles altbekannte Farben im Politikreigen. Aber Violett? „Viele verwirrt die Farbe“, gibt Schäfer zu, die Landessekretärin des NRW-Verbandes der Partei ist. Dabei steht Lila nicht für Rentner, wie Passanten gerne irrtümlich denken, sondern für Spiritualität. „Das ist die Farbe mit den meisten Schwingungen“, erklärt Schäfer.

Knapp 13,1 Millionen Wahlberechtigte

Am Sonntag sind in NRW 13,1 Millionen Wahlberechtigte zur Wahl aufgerufen. Sie können sich zwischen 31 Parteien entscheiden – eine so große Auswahl hatten die Wähler seit Einführung der Zweitstimme 2010 noch nicht: Damals traten 25 Parteien mit Landeslisten an, bei den vorgezogenen Neuwahlen 2012 nur 17. Vom ganz rechten (NPD, Die Rechte, Republikaner) bis zum äußersten linken Rand (MLPD, DKP) reicht das Spektrum. Dinosaurier der deutschen Politik wie die 1870 gegründete Zentrumspartei hoffen ebenso auf Stimmen, wie die V-Partei³, die es erst seit 2016 gibt und deren Fernziel das Verbot jeglicher Tierschlachtungen ist.

Die kleinen Parteien haben keine realistische Chance auf den Einzug ins Parlament. Dennoch kleben sie Plakate, stehen in Fußgängerzonen und drehen Werbespots – ehrenamtlich und meist komplett aus der Tasche der Mitglieder finanziert. So wie die freundliche Partei mit dem Schmetterling im Logo, die 2001 gegründet wurde.

„Wir sind einfach der Überzeugung, dass die Art und Weise wie wir Politik machen, die Zukunft ist“, sagt die 61-jährige Schäfer, die neben ihrem Engagement in der Partei Sekretärin und Heilpraktikerin ist. „Zumindest, wenn wir in einer liebenswerten Welt leben möchten.“ Daher wollen die Violetten eine Politik, die „dem Wohl allen Seins verpflichtet“ ist und in der unter anderem Selbsterkenntnis durch spirituelle Entwicklung einen hohen Stellenwert hat.

Grundlegend für das Wahlprogramm der Violetten ist ihre Überzeugung

Für ihre Visionen nehmen die politischen Außenseiter einiges auf sich. Parteien, die nicht im Landtag vertreten sind, müssen 1000 Unterschriften von Unterstützern sammeln und beim Landeswahlleiter in Düsseldorf einreichen. Erst dann werden sie zur Wahl zugelassen. Das geht nicht online oder per Post, sondern nur persönlich. „Das ist echte Arbeit“, sagt Schäfer.

„Wir sind ja so ein bisschen die Ausgeflippten“, schmunzelt Landesvorsitzende Marion Schmitz, ihres Zeichens Ökotrophologin, Heilpraktikerin und Kinesiologin. Grundlegend für das Wahlprogramm der Violetten ist ihre Überzeugung, dass auf der Welt alles mit allem verbunden ist. Die Partei tritt für ein bedingungsloses Grundeinkommen ein. Möchte aber auch die Schulmedizin mit dem „Heilerwesen“ zusammen führen und die Erforschung der wissenschaftlich nicht anerkannten „Raumenergie“ fördern.

Bundesweit gibt es derzeit 541 Violette, 271 Männer und 270 Frauen. In NRW sind es rund 100 Mitglieder, der „harte Kern“ besteht aus fünf Personen, die auch den Wahlkampf fast im Alleingang wuppen und an jedem Infostand zu finden sind. „Das ist schon heftig zur Zeit“, sagt Karin Schäfer. Wahlplakate gibt es daher nicht. „Da fehlt es uns einfach an Manpower.“

Von Neugierde bis Ablehnung

Die Reaktionen auf die weitgehend unbekannte Partei sind gemischt – von Neugierde und Zustimmung bis hin zu offen zur Schau getragener Abneigung und Beleidigungen. Auch Prügel wurde den Violetten schon angedroht.

Bislang finanziert sich die Partei über Spenden der Mitglieder. Auch darum wollen die Violetten bei der anstehenden Wahl mindestens ein Prozent der Zweitstimmen holen. Ab diesem Ergebnis greift die staatliche Parteienfinanzierung. Bei der Landtagswahl 2010 kamen die Violetten auf 0,1 Prozent.

„Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass es weniger als ein Prozent werden wird“, sagt Schäfer. Aber selbst wenn nicht: „Uns geht es nicht um Machtpositionen, wir wollen Impulse geben und freuen uns auch, wenn andere Parteien unsere Ideen aufgreifen.“

Klicken Sie sich durch unsere Galerie der exotischen Parteien im NRW-Wahlkampf.

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