Kommentar

Warum Krankenkassen nicht mehr für Homöopathie zahlen dürfen

Debatte um Homöopathie: Globuli sind eine Darreichungsform der Alternativmedizin.

Debatte um Homöopathie: Globuli sind eine Darreichungsform der Alternativmedizin.

Foto: Arnulf Hettrich / Fnoxx / imago/Arnulf Hettrich

Berlin  Die Debatte um Zuschüsse zu Homöopathie flammt wieder auf: Krankenkassen haben Wichtigeres zu tun, als Homöopathie zu finanzieren.

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Die französische Gesundheitsministerin will klare Verhältnisse schaffen: Sie will erreichen, dass homöopathische Therapien nicht mehr von den französischen Krankenkassen bezahlt werden. Das ist eine klare Ansage und dürfte auch im Nachbarland noch für Diskussionen sorgen. Der Plan ist aber richtig. Er sollte auch in Deutschland umgesetzt werden.

Um eines klarzumachen: Es geht nicht darum, Homöopathie zu verbieten oder den Verkauf von homöopathischen Arzneimitteln zu stoppen. Jeder, dem diese Therapieformen wichtig sind und bei dem sie helfen, soll sie weiterhin anwenden können. Keine Frage.

Es geht bei der Diskussion, die ja auch hierzulande schon lange geführt wird, um etwas ganz anderes. Es geht um die Frage, was gesetzliche Krankenkassen ihren Mitgliedern bezahlen sollen und müssen. Homöopathie gehört nicht dazu.

Es ist nicht genug Geld für alle Therapien da

Krankenkassen zahlen teure Therapien, bei denen die einzelne Medikamentendosis viele Tausend Euro kostet. Sie zahlen aufwendige Operationen und Diagnosen. Das deutsche Gesundheitssystem ist viel besser als sein Ruf. Auch Kassenpatienten bekommen in den allermeisten Fällen eine erstklassige medizinische Versorgung, vor allem in Notfällen.

Aber die Wahrheit ist auch: Nicht für alles ist genügend Geld da.

Wer kurzsichtig ist, muss seine Brille zu großen Teilen selbst bezahlen. Wer kranke Zähne hat, muss oft viel eigenes Geld auf den Tisch legen, damit er wieder kauen kann. Mit anderen Worten: Für einige wirklich wichtige Funktionen des menschlichen Körpers – Sehen und Essen – geben die Krankenkassen viel weniger Geld aus, als sie sollten.

Für jede Pillenpackung ist eine Zuzahlung fällig. Ärzten wird das Honorar gekürzt, wenn sie zu viele Patienten behandeln oder zu viel Arznei verschreiben. Pflegekräften wird kein höheres Gehalt gezahlt. Aber für Zuckerkügelchen – die berühmten Globuli – und für maximal verdünnte Flüssigkeiten ist genügend Geld da? Ernsthaft?

Geld für Homöopathie ist Werbung für Krankenkassen

Richtig ist, dass Krankenkassen keine Unsummen für Homöopathie ausgeben. Auch zahlen nicht alle die umstrittenen Therapien – und wenn, dann sind die Zuschüsse begrenzt. Das Angebot ist nichts weiter als eine reine Werbemaßnahme im Kampf um eine ganz spezielle Zielgruppe. Bezahlt wird der Spaß aber aus den Beiträgen aller anderen Kassenmitglieder. Das kann nicht sein.

Für die gesetzlichen Kassen gilt ein Wirtschaftlichkeitsgebot. Im Sozialgesetzbuch steht: Die Leistungen der Kassen „müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein; sie dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten.“ Diese Regeln setzen anerkannten Therapien enge Grenzen. Sie müssen für Homöopathie erst recht gelten.

Wirksamkeit von Homöopathie wissenschaftlich nicht nachweisbar

Das Problem dieser alternativen Therapie ist und bleibt, dass die Wirksamkeit wissenschaftlich schlicht nicht nachweisbar ist. Der TV-Satiriker Jan Böhmermann hat die Homöopathie neulich aufs Korn genommen. Er hat den Inhalt von zwei Flaschen Globuli in einer Schale zusammengeschüttet und dann gesagt, niemand könne jetzt mehr nachweisen, welches Zuckerkügelchen aus welcher Flasche kam. Plastischer kann man die Homöopathie nicht entlarven.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat sich mit großem Einsatz dafür starkgemacht, dass Krankenkassen endlich das Absaugen von Körperfett bezahlen. Jahrelang hatten die Kassen behauptet, der Nutzen sei wissenschaftlich nicht hinreichend belegt. Tausenden von Frauen, die unter Fettverteilungsstörungen leiden, wäre damit aber unmittelbar geholfen. Genauso sollte Spahn nun dafür kämpfen, dass Homöopathie eben nicht mehr bezahlt wird. Denn: Es gibt einfach keinen Grund dafür.

Bericht Seite 3

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