Klimaschutz

Weltwirtschaftsforum: Warum Merkel in Davos Greta verteidigt

Auf Konfrontationskus: Trump und Thunberg in Davos

Zum Auftakt des Weltwirtschaftsforums in Davos ist US-Präsident Donald Trump auf Konfrontationskurs zur Klimaaktivistin Greta Thunberg gegangen. "Wir müssen die ewigen Propheten des Untergangs und ihre Vorhersagen der Apokalypse zurückweisen", sagte er.

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Berlin/Davos.  Kanzlerin Angela Merkel wirbt in Davos für den Klimaschutz und die Anliegen von Greta. Gegen US-Präsident Donald Trump stichelt sie.

Sie wird immer mehr zur Botschafterin des Ausgleichs: Obwohl Angela Merkel in ihrer Rede beim Weltwirtschaftsforum in Davos weder direkt auf US-Präsident Donald Trump noch auf Klimaaktivistin Greta Thunberg eingeht, ist die deutsche Kanzlerin doch so etwas wie das Bindeglied zwischen den beiden.

Merkel spricht am Donnerstagmittag und wird gleich zu Beginn ihrer Rede in Sachen Klima sehr deutlich: „Die Frage der Erreichung der Ziele des Pariser Abkommens könnte eine Frage des Überlebens für den ganzen Kontinent sein“, sagt die CDU-Politikerin. „Deshalb ist Handlungsdruck da.“

Mit den derzeitigen Verpflichtungen der Staaten werde das Ziel nicht erreicht, die Erderwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter auf 1,5 Grad zu begrenzen. Die Welt müsse gemeinsam handeln, aber jedes Land müsse einen Beitrag leisten. Auch wenn nicht mehr alle dabei seien (die USA etwa fühlen sich unter Trump dem Klimaabkommen nicht mehr verpflichtet).

Merkel in Davos: „Preis des Nichthandelns ist höher als der des Handelns“

Der Auftrag, unter 1,5 Grad zu bleiben, bedeute „nicht mehr und nicht weniger“ für Europa, als dass man bis 2050 „klimaneutral“ sein müsse. Das bedeutet, unterm Strich keine Treibhausgase mehr auszustoßen und nicht vermeidbare Emissionen auszugleichen. Das seien „natürlich Transformationen von gigantischem historischem Ausmaß“, sagt Merkel.

„Diese Transformation heißt im Grunde, die gesamte Art des Wirtschaftens und des Lebens, wie wir es uns im Industriezeitalter angewöhnt haben, in den nächsten 30 Jahren zu verlassen.“ Man müsse zu neuen Wertschöpfungsformen kommen. Merkel mahnt: „Der Preis des Nichthandelns ist höher als der des Handelns.“

Die deutsche Regierungschefin versucht zwischen den Lagern zu vermitteln, zwischen Klimaaktivisten und denen, die den Klimawandel als Hysterie abtun. Zwischen der Generation Greta und Leugnern des Klimawandels. Man müsse miteinander reden, auch wenn die Positionen unvereinbar erschienen, betont sie.

Seitenhieb gegen US-Präsident Trump

Merkel macht selbst klar, dass sie keine Zweifel an einer menschengemachten Veränderung des Klimas hat. Die Beweise und Belege der Wissenschaft seien mehr als deutlich, sagt die Physikerin. Für sie sei der Klimawandel eine „durch die Wissenschaft belegter Fakt“. US-Präsident Trump hatte dagegen in Davos vor den „ewigen Propheten des Untergangs“ gewarnt, ohne das Wort Klimawandel in den Mund zu nehmen.

Merkel verweist darauf, dass es in auch in Deutschland Klimaskeptiker gebe, die trotz wissenschaftlicher Belege nicht an den Klimawandel glauben wollten. Sie spricht sich dafür aus, mit denjenigen das Gespräch zu suchen und deren „Emotionen mit Fakten zu versöhnen“. Es sei wichtig, sich auszutauschen, da das Leben in Blasen ansonsten „zum Verhängnis“ werden könnte.

Sie führt Deutschland als Beispiel an. „Wir sind eigentlich ein friedliches Land“, sagt sie. Aber es gebe auch hierzulande eine Kluft zwischen der „Ungeduld der Jugend“ und den denen, die bewahren wollten. „Wir müssen die Ungeduld der Jugend positiv und konstruktiv aufnehmen“, sagt Merkel.

Und führt sich selbst als Beispiel an. Wenn man von 2050 spreche, dann sei das ein Zeithorizont von dreißig Jahren. Das bedeute für junge Menschen schon die Frage, „was habe ich dann noch von dieser Welt“.

Merkel will 2021 wieder nach Davos kommen

Zum Schluss wird sie vom Weltwirtschaftsforums-Gründer Klaus Schwab gefragt, was sie denn nächstes Jahr sagen wolle, wenn sie dann zum 13. Mal nach Davos reise. Merkel schaut ihn etwas verständnislos an: „Das weiß ich doch jetzt noch nicht“, lacht sie. „Mal schauen, ob sie mich nochmal einladen.“ Um dann anzufügen: Es sei im 21. Jahrhundert nicht mehr zeitgemäß, nicht miteinander zu reden. Und wendet sich an die Veranstalter: „Schauen Sie, dass sie die Antagonisten an einen Tisch bekommen.“

Trump wettert in Davos gegen ewige Propheten des Untergangs

Die Gesprächskanäle seien der große Gewinn des Treffens in den Schweizer Bergen. Mal schauen, ob die Kanzlerin dann in ihrem letzten Regierungsjahr zwischen einem wiedergewählten Trump und Greta beim Abendessen sitzt - und ein Gespräch vermittelt.

Weltwirtschaftsgipfel in Davos – mehr zum Thema

In Davos treffen sich die Mächtigen dieser Welt zum Weltwirtschaftsgipfel. Donald Trump tat sich als Amerikator hervor. Sein Auftritt entsetzte Grünen-Chef Habeck: „Die Rede war völlig daneben.“ Klimaaktivistin Greta Thunberg war auch geladen: Sie erklärte, man solle nicht „kampflos aufgeben“.

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