Standstreifen

Lkw-Parkplätze überfüllt – Todesgefahr auf dem Standstreifen

Großeinsatz auf der A 40: Feuerwehrleute an der Unfallstelle bei Wachtendonk.

Großeinsatz auf der A 40: Feuerwehrleute an der Unfallstelle bei Wachtendonk.

Foto: Günter Jungmann

Kempen.  Ein tödlicher Unfall auf der A40 rückt den Mangel an Lkw-Parkplätzen in den Fokus. Parkschlange staute sich 500 Meter lang auf Seitenstreifen.

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Nach einem neuerlichen tödlichen Lkw-Unfall an einem überfüllten Autobahnparkplatz auf der A 40 am Niederrhein fordern die Spediteure in Nordrhein-Westfalen die Politik zum schnellen Handeln auf. Das Fehlen Tausender Stellplätze für Lastwagen sei lange bekannt und könne nicht länger hingenommen werden.

„Wer mit seinem Lkw nachts in solchen Zufahrten parkt, gefährdet sich – und vor allem andere“, betont Rüdiger Ostrowski, Vorstand des Verbandes Spedition und Logistik NRW. Er sieht die Politik aber in der Mitverantwortung. Das Problem fehlender Lkw-Rastplätze sei verkehrsplanerisch auch lange vorhersehbar gewesen. Der erhöhte Warenaustausch zwischen Ost- und West sowie verlängerte Ruhezeiten hätten den Bedarf an Raststellen drastisch steigen lassen. Planung, Genehmigung und Bau neuer Anlagen ziehe sich aber im konkreten Fall immer über mindestens sechs Jahre hin: „Das ist Staatsversagen auf ganzer Linie“, schimpfte Ostrowski im NRZ-Gespräch.

In der Nacht zum Mittwoch war ein 33-jähriger Lkw-Fahrer ums Leben gekommen, als er auf der A40 bei Wachtendonk in einen der parkenden Laster fuhr, die sich auf dem Seitenstreifen vor der Raststelle „Tomm Heide“ stauten. Erst im November war ebenfalls am Parkplatz „Tomm Heide“ ein Motorradfahrer gestorben, als er mit seinem Krad unter einen auf dem Seitenstreifen abgestellten Silo-Auflieger geriet.

Überfüllte Lkw-Parkplätze gibt es landesweit, vor allem an großen Verkehrsachsen und in Grenznähe. Die Autobahnpolizei reagiert an solchen Gefahrenstellen nach eigener Aussage „sehr restriktiv“. Man spreche die Lkw-Fahrer an, schreibe auch Ordnungswidrigkeitsanzeigen, sagte ein Sprecher der Beamten in Düsseldorf.

Vorgaben des Bundes

Wie groß die Zahl fehlender Stellplätze in der Region ist, ist umstritten. Nach Angaben der Spediteure sind es rund 5000, die Landesbehörde Straßen NRW spricht hingegen von 3700 fehlenden Parkmöglichkeiten bis zum Jahr 2025. Das NRW-Verkehrsministerium verweist darauf, konsequent die Bauvorgaben des Bundes umzusetzen, „da gibt es von unserer Seite keine Verzögerung“, sagte ein Sprecher von Landesverkehrsminister Michael Groschek (SPD).

Laut Straßen NRW sind etliche Projekte in Planung oder fast fertig – etwa an der A3 in Hünxe (bis 2020 insgesamt 140 Plätze), an der A57 (Geismühle, 110 Plätze, Baubeginn: 2018) und der A46 (Vierwinden, 125 Plätze bis 2020).

Mehrere Kilometer langer Stau

Fest steht: Der Lkw-Fahrer aus Niedersachsen, der da am späten Dienstagabend auf der A 40 in Richtung Duisburg unterwegs war, hatte keine Chance, den Unfall zu überleben. Beim Aufprall auf einen auf dem Seitenstreifen geparkten polnischen Laster wurde sein Führerhaus zusammengedrückt wie das Silberpapier einer Tafel Schokolade. Der 33-Jährige verstarb noch an der Unfallstelle.

Der Unfall ereignete sich etwa 500 Meter vor „Tomm Heide“. Bis dahin staute sich auf dem Seitenstreifen der Autobahn die verbotene Parkschlange von Lastwagen, die auf dem Parkplatz selbst keine Stellfläche mehr gefunden hatten. Warum der niedersächsische Lkw auf den Seitenstreifen geraten war, war nach Angaben der Polizei von Mittwoch noch unklar. Ein Gutachten wird erstellt.

Parkplatz soll in einigen Jahren ausgebaut werden

Für die Bergung war die A 40 über sechs Stunden gesperrt. Es bildete sich ein mehrere Kilometer langer Stau, der Verkehr wurde abgeleitet. Beim Aufprall hatten an der Unfallstelle verheerende Kräfte gewirkt. Die beiden Laster waren derart ineinander verkeilt, dass die herbeigerufene Feuerwehr die Fahrzeuge zunächst gar nicht auseinanderbringen konnte.

Ein Beobachter berichtete der NRZ: Erst als zwei Feuerwehr-Einsatzfahrzeuge, darunter ein 18-Tonner, den niedersächsischen Lkw nach hinten zogen und der polnische Lkw zugleich nach vorne anfuhr, gelang es, die Unfallfahrzeuge zu trennen. Der Sachschaden liegt laut einer ersten Schätzung bei etwa 150 000 Euro.

Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung

Der 47-jährige Fahrer des polnischen Lkw erlitt bei dem Unfall leichte Verletzungen. „Gegen ihn wurde ein Strafverfahren eingeleitet“, sagte ein Sprecher der Autobahnpolizei. Der Mann wird sich wegen fahrlässiger Tötung im Straßenverkehr verantworten müssen.

An dem nachts regelmäßigen überfüllten A40-Parkplatz „Tomm Heide“ war es in der Vergangenheit schon mehrfach zu schweren Unfällen gekommen. Tragisches Detail: Auch für die Unglücksstelle gibt es konkrete Pläne, das Parkplatzangebot für Lastwagenfahrer auszuweiten. An dem Parkplatz Tomm Heide gab es Ende des vergangenen Jahres grünes Licht für 90 neue Plätze – allerdings vergehen bis zum Baubeginn wohl noch drei Jahre.

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