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YouTuberin erklärt bei „Hart aber fair“ Merkels Erfolg

Frank Plasberg diskutierte noch einmal über das TV-Duell von Merkel und Schulz. (Archivbild)

Foto: WDR/Klaus Görgen

Frank Plasberg diskutierte noch einmal über das TV-Duell von Merkel und Schulz. (Archivbild) Foto: WDR/Klaus Görgen

Berlin  Bei „Hart aber fair“ wollte die Debatte über das TV-Duell nicht so recht in Fahrt kommen. Gerettet wurde der Talk von einer YouTuberin.

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Manchmal kommt man im Leben einfach zu spät. Das galt am Montagabend auch für Frank Plasberg: Während gefühlt längst alles über das TV-Duell zwischen Angela Merkel und Martin Schulz gesagt war, setzte „Hart aber fair“ gut 24 Stunden nach der Debatte zu einer weiteren Analyse an.

Merkel vorne, Schulz besser als erwartet – so lautet die gängige Einschätzung zum TV-Duell. Um dem etwas hinzu zu fügen, fragte die Redaktion von „Hart aber fair“ breiter: „Kommt jetzt die ewige Kanzlerin?“

Ein Jubel-Bayer für Merkel

Allein, richtige Spannung wollte auch mit diesem Dreh nicht aufkommen. Das lag auch an der Auswahl der Gäste und ihren erwartbaren Positionen. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann etwa lobte naturgemäß seinen Kandidaten – und kritisierte die Kanzlerin. „Wenn das jemand anders machen würde, würde ihm Charakterlosigkeit vorgeworfen werden“, sagte Oppermann mit Blick auf Merkels häufige Positionswechsel. Bei Merkel gelte das dagegen als kluge Taktik.

Verteidigt wurde die Kanzlerin von der CDU-Chefin in Rheinland-Pfalz, Julia Klöckner. „Wechsel sind eine gute Sache, ich habe nichts dagegen: Zum Beispiel, dass unser Koalitionspartner wechselt“, sagte Klöckner. Ihre Ausführungen wären aber eigentlich gar nicht nötig gewesen, weil ein anderer diese Aufgabe noch viel vehementer wahrnahm. Der frühere Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks lobte Angela Merkels Fähigkeit, in schwierigen Weltlagen das Richtige zu tun. „Merkel hat Schulz die Grenzen gezeigt.“

Die YouTuberin

Interessanter waren bei einer solchen Talk-Grundlage schnell andere Fragen. Zum Beispiel: Wie kommt eigentlich die FDP-Kampagne mit nahezu ausschließlicher Fokussierung auf Parteichef Christian Lindner an? „Ich muss sagen, das ist schon ein attraktiver Mann“, antwortete der Gastgeber gleich selbst. „Das ist ein netter Versuch, der etwas gewollt wirkt“, sagte dagegen die YouTuberin Lisa Sophie, die zuletzt auch die Kanzlerin interviewte.

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Überhaupt waren die leider viel zu raren Äußerungen der jungen Studentin interessanter, als viele der parteipolitischen Äußerungen der anderen Gäste. So etwa Lisa Sophies Erklärung für den Erfolg von Angela Merkel. „Wir kennen keine Alternative“, sagte die YouTuberin mit Blick auf ihre Generation. „Ich kenne keinen anderen an der Spitze des Landes.“ Die ewige Kanzlerin, für die Jüngeren ist sie längst Realität.

Ein etwas radikaler Vorschlag

Solche Effekte ließen sich vermeiden, wenn die Anzahl der Amtszeiten für Kanzler begrenzt würde. Der Schauspieler Walter Sittler warb deswegen dafür, das Amt nur noch für maximal zwei Legislaturperioden an eine Person zu vergeben. Das bringe frischen Wind in die Demokratie – und Stärke die Vielfalt in den Parteien: „Dann geben sie sich mehr Mühe, Leute für die Nachfolge aufzubauen.“ Ein spannender, aber auch nicht sonderlich neuer Vorschlag.

Der Spruch des Abends

Kam vom Gastgeber, der nicht nur Lindner sexy fand, sondern auch für’s klassische Fernsehen warb. Als Plasbergs Sidekick Brigitte Büscher erklärte, dass ihre Töchter nur noch online schauen, sagte der Moderator: „Was bist du denn für eine schlaffe Mutter? Du arbeitest doch im Fernsehen!“

Das Fazit

Die Redaktion von „Hart aber fair“ dürfte in einem Dilemma gesteckt haben. Am TV-Duell kam man nicht vorbei, doch 24 Stunden später über einen Talk zu talken – das kann nur dann spannend werden, wenn Konzept und Gäste aus dem Rahmen fallen.

Das war hier aber leider nicht der Fall. Da halfen auch die Ausführungen von Lisa Sophie nichts. „Schulz hat sich wirklich redlich bemüht, ist aber angezählt“, sagte Journalist Gottlieb. Die Beschreibung passte auch auf die Sendung.

Zur Ausgabe von „Hart aber fair“ in der ARD-Mediathek

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