NRZ

Auf die Haltung kommt es an

Redakteure und Leser mit der Neufassung der Grundlagen unserer redaktionellen Arbeit.

Foto: André Hirtz

Redakteure und Leser mit der Neufassung der Grundlagen unserer redaktionellen Arbeit. Foto: André Hirtz

An Rhein und Ruhr.   15. Mai 1968 - 15. Mai 2018: 50 Jahre Leitsätze der NRZ. Die Redaktion schreibt mit Hilfe der Leser die Grundlagen ihrer Arbeit neu auf.

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Wir Älteren in der Redaktion erinnern uns gut daran: Bevor wir den Arbeitsvertrag bei der NRZ unterschreiben durften, stand ein Gespräch bei Dietrich Oppenberg an. Der NRZ-Gründer und Herausgeber nahm sich Zeit. Er wollte die Leute kennenlernen, die der Chefredakteur ausgesucht hatte. Am Ende des Gesprächs hatte Oppenberg oft ein passendes Buch als Willkommensgeschenk bereitgelegt. Und immer gab er den Neuen ein Dokument auf festem grünen Papier mit: Darin war die publizistische Grundhaltung aufgeschrieben. Und die „Grundlagen der redaktionellen Arbeit“. Auf ihre Einhaltung haben wir uns verpflichtet.

Die Erfahrungen mit der Nazi-Diktatur – Oppenberg saß in Gestapo-Haft – hatten die Grundhaltung des Zeitungsgründers geprägt: Seine NRZ soll eine unabhängige, an keine Parteiauffassung gebundene Zeitung sein. Sie soll für eine freiheitlich-demokratische Grundordnung in einem sozialen Rechtsstaat eintreten und sich gegen radikale Tendenzen von Rechts und von Links wenden.

Die Leitgedanken werden für alle transparent gemacht

Diese Grundsätze überzeugten die Leser im Nachkriegsdeutschland. Die frühe Neugründung von 1946 setzte sich durch in der Region, die NRZ wurde Dank ihres engagierten, kritischen Journalismus zur beachteten Stimme – auch in der Hauptstadt Bonn.

Die fundamentale Systemkritik der 60er-Jahre erfasste dann die Medien. Springers „Bild“ wurde für den Tod des Studenten Benno Ohnesorg verantwortlich gemacht. Und es gab Stimmen, die generell die Rolle der Medien im System der Bundesrepublik Deutschland hinterfragten. Dietrich Oppenberg und der damalige Chefredakteur Jens Feddersen reagierten schnell. Das Ziel: Die Arbeit der Redaktion sollte für alle transparent sein, das Fundament, auf dem wir stehen, für alle nachvollziehbar sein. Zusammen mit Lesern und Redakteuren schrieb Dietrich Oppenberg unser Grundgesetz auf. Am 15. Mai 1968 wurde es unterschrieben und veröffentlicht. Das war heute vor genau 50 Jahren.

Diese Gedanken leiten die Redaktion bis heute. Im NRZ-Jubiläumsjahr 2016 reifte der Gedanke, die „Grundlagen der redaktionellen Arbeit“ neu aufzulegen. Arbeitsgruppen befassten sich intensiv mit dem Thema und fanden schnell heraus: Der Text ist heute so gültig wie vor 50 Jahren. Wenige Formulierungen mussten angepasst werden; schließlich ist die Medienlandschaft heute vielfältiger und schneller geworden.

Leser schickten Vorschläge an die Redaktion

Andere Gedanken traten neu hinzu – so die Einbeziehung der Lesermeinung in unsere tägliche Arbeit. Leser wollen mehr mitreden als früher, stellen mehr Fragen, fordern Antworten von der Redaktion. Dem wollen wir Rechnung tragen.

Auch darum haben wir Leser früh an dem Prozess beteiligt. Abonnenten reichten ihre Vorschläge für die Neufassung ein, und bei einem Diskussionsforum am 25. Februar wurden die Ausgangsthesen mit Redakteuren, Lesern, Verlagsexperten und dem Medienwissenschaftler Horst Pöttker diskutiert. „Die Leser sollen wissen, wie wir ticken“, begründete Herausgeber Heinrich Meyer das Ziel des Projekts. Aus dieser transparent zu machenden Haltung heraus mache die NRZ ihr Angebot an die Leser.

Das Ergebnis ist die nun verabschiedete neue Fassung der Grundlagen der redaktionellen Arbeit, die wir heute auf dieser Seite veröffentlichen. Und Heinrich Meyer, der nach dem Tod des NRZ-Gründers im Jahr 2000 die Funktion des Herausgebers übernahm, wird sie in Zukunft wieder allen Redakteuren überreichen, die bei der NRZ mit der journalistischen Arbeit beginnen. Wieder auf festem Papier gedruckt. Wieder Schwarz auf Grün. Der Kreis hat sich geschlossen.

Kommentar von NRZ-Chefredakteur Manfred Lachniet:

Wenn ein Schiff keinen Kompass an Bord hat, dann kommt es leicht vom Kurs ab. NRZ-Gründer Dietrich Oppenberg wusste das bereits im turbulenten Jahr 1968, als er gemeinsam mit Lesern und der Redaktion die „Leitsätze“ für seine Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung aufschrieb. Das war damals ziemlich einmalig in Deutschland.

50 Jahre später sind die Zeiten wieder bewegt, gerade in der politischen Diskussion. Was ist wahr, was sind falsche Nachrichten? Worüber wird in welcher Art und Weise berichtet? Was macht das Internet mit der Diskussionskultur? Und welche Rolle spielt die NRZ dabei?

Zu solchen Themen haben viele Leserinnen und Leser in den letzten Wochen geschrieben und angerufen. Vielen Dank dafür! Gemeinsam mit der Redaktion und NRZ-Herausgeber Heinrich Meyer haben wir nun unsere Leitsätze von 1968 überarbeitet und daraus den „NRZ-Kompass“ entwickelt. Auch das dürfte wieder einmalig sein.

Dieser Kompass ist die Leitidee für unsere Redaktion, im Mantel wie im Lokalteil. Im Klartext: Die Redaktion geht stets kritisch an die Themen heran, sie hält Distanz zu den Mächtigen, berichtet sachlich und verständlich, achtet die Würde des Menschen und äußert ihre Haltung in Kommentaren. Schließlich sind wir überzeugt, dass gute und umfassende Informationen entscheidend sind, um am politischen gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung funktioniert nur mit dem gut informierten Bürger. Genau darum ist das Politische stets wesentlich für die NRZ.

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