Schwerlastverkehr

Autobahnpolizei an Rhein und Ruhr verstärkt Lkw-Kontrollen

Bei einem Unfall auf einem Stauende auf der A 3 bei Ratingen starben am 16. November drei Menschen.

Bei einem Unfall auf einem Stauende auf der A 3 bei Ratingen starben am 16. November drei Menschen.

An Rhein und Ruhr.   Bei Unfällen, die von LKW-Fahrern verursacht wurden, ließen im Regierungsbezirk Düsseldorf im vergangenen Jahr acht Menschen ihr Leben.

16. November, gegen halb acht morgens: Ein 41-jähriger Lkw-Fahrer aus Ungarn fährt auf der A 3 vorm Kreuz Breitscheid ungebremst auf ein Stauende auf – ein Mann, der Badminton-Bundesligaspieler Erik Meijs, stirbt noch an der Unfallstelle, ein weiterer und eine Frau später in der Klinik. Tags drauf wieder die A 3, wieder bei Ratingen: Der Fahrer (76) eines Kleintransporter fährt in einer Baustelle auf einen Sattelzug auf – und stirbt.

Zwei Unfälle, die den schlimmen Höhepunkt einer Serie markieren: Auf den Autobahnen an Rhein und Ruhr haben Lkw-Fahrer im Jahr 2017 insgesamt 150 Unfälle verursacht. Acht Menschen ließen ihr Leben, 52 wurden schwer verletzt. Fast immer war Ausgangspunkt, dass Lasterfahrer den Abstand zum Vordermann nicht eingehalten haben und/oder abgelenkt waren – z. B. durchs Smartphone, das mit den Sozialen Medien im Internet den CB-Funk früherer Tage abgelöst hat.

Nicht eingehaltene Ruhezeiten

Düsseldorfs Polizeipräsident Norbert Wesseler, dessen Beamte für rund 700 Autobahnkilometer in der Region zuständig ist, mag solche Unfallzahlen nicht hinnehmen: „Ich hoffe, dass wir mit verstärkten Kontrollen Erfolge erzielen können.“ Seit läuft im ganzen Regierungsbezirk eine konzertierte Aktion, allein gestern waren dabei 60 Beamte im Einsatz.

Von Brücken über Autobahnen oder Einsatzwagen aus werden Lkw auf Geschwindigkeiten und Abstände kontrolliert, auf Park- und Rastplätzen überprüfen die Polizisten Fahrer und Fahrzeuge. Schon am ersten Tag der Kontrollen hatte es über 300 Anzeigen und Bußgelder gegeben – vor allem wegen nicht eingehaltener Mindestabstände – aber nicht nur: Die Beamten stießen auch auf schlecht gesicherte Ladung, nicht eingehaltene Ruhezeiten, und drei Brummi-Lenker waren gar ohne gültigen Führerschein auf Achse.

Es wird nicht die letzte Aktion sein. Die Düsseldorfer Autobahnpolizisten wollen den Kontrolldruck auf Lkw-Fahrer nachhaltig verstärken – ein selbstgesetztes Ziel für 2018. Es sind nicht nur die nackten 2017er-Unfallzahlen die Sorge bereiten, Frank Kubicki, Chef der Direktion Verkehr, sieht langfristige Trends. So habe die Zahl der Lkw-Unfälle am Stauende binnen drei Jahren um 30% zugenommen, die Zahl der registrierten Abstandsverstöße gar um 275% auf gut 5000 Verstöße.

„Das hält der Körper nicht aus“

Was Brummi-Unfälle fast immer verheerend macht: Es walten gewaltige Kräfte. Wenn ein 40-Tonner bei 80 Stundenkilometer auf einen Pkw trifft, entspricht das der Wucht eines 500 km/h schnellen Pkws, erklärt Gundolf de Riese-Meyer von der Düsseldorfer Verkehrspolizei. Bei solchen Unfällen wirke das 30-fache der Erdanziehungskraft auf den menschlichen Körper – „das hält man nicht aus“. Zum Vergleich: Ein Jet-Pilot habe es vielleicht mit dem sechs- bis siebenfachen der Erdanziehungskraft zu tun.

Adi Plickert, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP) begrüßt die Aktion der Düsseldorfer Autobahnpolizei. Im Gespräch mit der NRZ fordert Plickert mehr Personal, damit solche Kontrollen landesweit durchgeführt werden können.

In der Fläche stünden zu wenige Spezialisten für Lkw-Überprüfungen zur Verfügung. Plickert drängt darauf, dass Speditionen mehr ins Visier genommen werden, wenn sie Fahrer mit unhaltbaren Tourenplänen oder überladenen Lkw auf die Reise schicken: „Wir können da von unseren Nachbarn in den Niederlanden und ibn Belgien lernen“, meint der Gewerkschafter. Dort drohten verantwortungslosen Spediteuren drakonische Strafen bis hin zur Betriebsstilllegung.

Zum A 3-Unfall vom 16. November dauern die Ermittlungen derweil noch an. Die Polizei wartet aktuell auf ein Gutachten. Der ungarische Lkw-Fahrer, der seine Tour erst kurz vor der Unfallstelle vom Rastplatz Hösel aus fortgesetzt hatte, konnte nach ausführlicher Befragung und Hinterlegung von 1500 Euro Sicherheitsleistung zunächst heimkehren.

>>> NOTBREMSSYSTEME WERDEN HÄUFIG ABGESCHALTET

„Notbremssysteme können solche Unfälle verhindern“, sagt Gundolf de Riese-Meyer von der Verkehrspolizei. Bei ab 2015 neu zugelassenen Lkw sind solche Systeme vorgeschrieben – „sie werden aber leider regelmäßig von Fahrern abgeschaltet“, bedauert de Riese-Meyer.

Schwer zu begreifen: Das Vorhandensein solcher Fahrassistenz-Systeme ist zwar Pflicht, ihre Abschaltung aber nicht verboten. LKW-Fahrer schalten sie aus, um ungewollten Bremsmanövern zu entgehen, wenn sich z. B. Pkw-Fahrer an Autozufahrten oder nach Überholvorgängen scharf und rücksichtlos vor ihnen einfädeln.

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