Landwirtschaft

Bauern am Niederrhein fahren wieder Gülle aus

Damit es nicht so riecht: Mit moderner Technik wird Gülle erdnah ausgebracht.

Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Damit es nicht so riecht: Mit moderner Technik wird Gülle erdnah ausgebracht. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Am Niederrhein.   In der Region hat die Düngezeit wieder begonnen. Neue Auflagen sorgen dafür, dass viele Landwirte größere Sammelbehälter bauen müssen.

Der Boden zu nass, mancherorts kam noch Frost dazwischen: Nach zögerlichem Start ist die neue Güllesaison in Nordrhein-Westfalen angelaufen. Zwar endete zum 31. Januar die Sperrfrist, doch in den ersten Februartagen waren Äcker und Wiesen noch nicht bereit für den organischen Dünger. Viele Bauern saßen auf mehr Gülle denn je; weil sie wegen der Feuchtigkeit schon im vergangenen Herbst nicht viel ausbringen konnten. Mittlerweile hat sich die Situation für sie gebessert.

„Im Rheinland hatten wir sechs Grad“, berichtet Kammersprecher Bernhard Rüb – Felder und Grünland werden gedüngt. Schläuche und Schlitze sorgen dafür, dass die an Nährstoffen reiche Gülle direkt in die Erde oder erdnah ausgebracht werden kann. Das dämmt die Geruchsbelästigung ein. Der scharfe Geruch (schuld daran sind vor allem die Schwefelwasserstoffe) sorgt für Konflikte mit Anwohnern und Spaziergängern, weiterer Streitpunkt ist – gerade am Niederrhein – die Belastung des Grundwassers mit Nitrat.

Lagerraum muss nachgewiesen werden

Seit Sommer gilt eine Düngeverordnung, deren Ziel es ist, eben jene Nitratbelastung zu verringern. Was die Düngung im Herbst betrifft, seien die Landwirte strengere Regeln schon gewöhnt gewesen, sagt Kammersprecher Bernhard Rüb im Gespräch mit der NRZ. Die neue Verordnung mache aber auch für sie einiges komplizierter. Kürzere Ausbringungsfristen sorgten für einen höheren Lagerbedarf – und Bauern seien jetzt auch gehalten, ihren größeren Lagerraum nachzuweisen, sagt Rüb. Landauf, landab schafften sich Landwirte deshalb größere Gülle-Behälter für jeweils mehrere 1000 Kubikmeter an – „Investitionen von 50 000 oder 100 000 Euro Minimum“, so der Kammersprecher. Das gelte nicht nur für Schweine- oder Rinderhalter: „Das betrifft auch Pferdebetriebe und die Rückstände aus Biogasanlagen. Das Land habe erst kürzlich die Förderung für Abdeckungen solcher Behälter verlängert. Rüb ist aber sicher, dass einige Betriebe die Vorgaben der neuen Verordnung nicht würden stemmen können und aufgeben werden.

Bauern loben Gülle als wertvollen natürlichen Dünger und stellen den Kreislaufgedanken heraus (tierische Ausscheidungen werden verwertet). Wie lange Gülle im Frühjahr auf Felder aufgebracht werden darf, hängt von der jeweiligen Feldfrucht und der Düngetechnik ab. Zum Teil ist da ab Mai nichts mehr möglich.

>>> HINTERGRUND

Verstöße gegen Düngevorgaben und Dokumentationspflichten haben im Jahr 2017 NRW-weit zu Bußgeldern von insgesamt knapp einer halben Million Euro geführt. Kontrolleure der Landwirtschaftskammer - landläufig auch „Gülle-Polizei“ genannt - forderten insgesamt 2519 Nährstoffvergleiche an, führten 1282 Kontrollen vor Ort durch und leiteten insgesamt 716 Verfahren ein.

Diese Zahlen nannte Kammersprecher Rüb gestern auf NRZ-Nachfrage. 476 Bußgelder wurden verhängt, sie summierten sich auf genau eben jene 499 151,30 Euro – 30 000 Euro mehr als im Vorjahr. Dabei waren 2016 insgesamt 520 Bußgelder verhängt worden. Die Gesamtsumme der Bußgelder stuft Rüb als im Vergleich nicht so hoch ein: „Jedes anständige Verkehrs-Blitzergerät in NRW bringt mehr Geld ein.“

Schwarze Schafe

Das höchste in 2017 verhängte Einzel-Bußgeld lag bei 9500 Euro. „Da hatten wir früher auch schon mal das Dreifache“, so der Kammersprecher. Als gravierender Verstoß gilt, wenn zu viel oder verbotenerweise im Herbst gedüngt oder der sogenannte Nährstoffvergleich nicht geführt wird. Dieser Vergleich ist eine Bilanz, welche die Bauern führen und auf Anforderung vorlegen müssen.

Die 20 Kontrolleure gehen nach einem „Risikomanagement“ vor. Für Überprüfungen suchen sie Betriebe aus, die entweder viele Tiere halten, größere Mengen Gülle importieren oder schon mal auffällig waren. Behördensprecher Rüb verweist darauf, dass in NRW mehr als 30 000 landwirtschaftliche Betriebe arbeiten. In der Landwirtschaft gebe es zwar auch schwarze Schafe, das zeige das Kontrollergebnis für 2017. Ihre Zahl sei aber übersichtlich; die Bauern wüssten, dass sie beim Düngen kritisch beobachtet würden – von Anwohnern wie von Berufskollegen.

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