Wegen Flächenverbrauch

Bauernchef: NRW-Abgeordnete sollen Landesplanung ablehnen

Jeden Tag werden in NRW zehn Hektar durch Straßen oder neue Gebäude versiegelt. Die Landwirtschaft leidet stark darunter.

Jeden Tag werden in NRW zehn Hektar durch Straßen oder neue Gebäude versiegelt. Die Landwirtschaft leidet stark darunter.

Foto: Cindy Riechau / dpa

An Rhein und Ruhr. .  Rheinischer Bauernpräsident Conzen schreibt an Parlamentarier von CDU und FDP: „Gebieten Sie dem Verlust landwirtschaftlicher Flächen Einhalt.“

Noch in dieser Woche (bis 12. Juli 2019) soll der nordrhein-westfälische Landtag über den neuen Landesentwicklungsplan (LEP) beschließen. CDU und FDP wollen sich u. a. vom Ziel verabschieden, dass der tägliche Flächenverbrauch in NRW auf fünf Hektar pro Tag begrenzt werden soll. Sie bringen damit eine Berufsgruppe gegen sich auf, die immer zu ihrer Kernklientel gezählt wird: die Landwirte. Der rheinische Bauernpräsident Bernhard Conzen hat die CDU- und die FDP-Abgeordneten in einem Brief aufgefordert, dem LEP nicht zuzustimmen.

„Gebieten Sie dem unaufhaltsam fortschreitenden Verlust landwirtschaftlicher Flächen endlich Einhalt“, heißt es in dem Schreiben. Derzeit werden täglich zehn Hektar zugebaut, doppelt soviel wie eigentlich angestrebt. Die Landwirtschaft fühlt sich dabei in die Zange genommen: Sie verliert nicht nur Flächen direkt an Bauprojekte, sondern auch für sogenannte Ausgleichsmaßnahme, weil für Bauprojekte anderswo aufgeforstet werden muss. Der Verlust an rein landwirtschaftlicher Fläche liegt so nochmal ungleich höher – laut jüngsten Zahlen des Statistischen Landesamtes bei 24 Hektar pro Tag.

Laut Berechnungen der Rheinischen Bauern geht in NRW damit jedes Jahr eine landwirtschaftliche Fläche von der Größe der Stadt Solingen verloren, hochgerechnet auf 20 Jahre sogar eine Fläche wie der Kreis Kleve. „Dramatisch“ nennt man die Entwicklung beim Rheinischen Landwirtschaftsverband.

„Weitere Verluste wertvoller landwirtschaftlicher Flächen nicht zulassen“

Mehrere Mitglieder der CDU haben einen landwirtschaftlichen Hintergrund oder betreiben selbst einen Reiterhof. Bauernpräsident Conzen fordert eine Anpassung des LEP oder ersatzweise eine Überarbeitung der Landeskompensationsverordnung frei nach dem Motto: Qualität vor Quantität. Bauern müssten auf ihrem Flächen immer mehr leisten und brauchen deshalb mehr Platz. „Wer sich auf die Seite derer stellt, die eine extensive Flächenbewirtschaftung fordern und Blüh- und Brachestreifen zur Förderung von Biodiversität und Artenvielfalt, darf unsinnige weitere Verluste wertvoller landwirtschaftlicher Flächen nicht zulassen“, kritisiert der RLV-Präsident.

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