Umweltschutz

Bloggerin Shia Su lebt fast ohne Abfall

Der Jahres-Müll von Shia und Hanno Su passt in ein Einmachglas.

Der Jahres-Müll von Shia und Hanno Su passt in ein Einmachglas.

Foto: Funke Foto Services

Bochum.   Die Bochumer Shia und Hanno Su leben komplett ohne Müll. Auch mit Hilfe sogenannter Unverpackt-Läden. Davon eröffnen in der Region immer mehr.

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Haben Sie schon einmal darauf geachtet, wie viele Säcke Müll Sie so innerhalb einer Woche füllen. Zwei, vielleicht sogar drei? Im Bundesdurchschnitt verbraucht jeder NRWler 9,2 Kilogramm Müll. In der Woche. Eine junge Frau und ihr Ehemann dagegen verbrauchen genau ein Weckglas Abfall. 750 Milliliter. Im Jahr!

Die junge Frau und ihr Mann heißen Shia und Hanno Su, kommen aus Bochum, sie ist Bloggerin, er arbeitet an der Uni. Sie haben ihr Engagement der Zero-Waste-Bewegung gewidmet. Zero-Waste, übersetzt Null-Müll. Heißt: Shia und Hanno versuchen nahezu abfallfrei zu leben. Bis auf jene 750 Milliliter eben. Zum Beweis holt Shia das Weckglas hervor. Der Müll eines ganzen Jahres. „Wir haben letztes Jahr am 26. August angefangen das Glas zu befüllen, am 26. dieses Jahres haben wir den Deckel draufgemacht“, erklärt Hanno. Den Stolz aufs Geleistete schimmert in seinen Augen. „Da sind eigentlich nur Dinge drin, an denen wir im täglichen Leben nicht vorbeikommen.“ Tablettenverpackungen, die Sichtfenster von amtlichen Briefen, eine zerbrochene Kaffeetasse.

Doch wie schaffen es die beiden ihren Müllkonsum so weit herunter zu schrauben. Angefangen habe alles mit einem Video bei Youtube. Dort berichtete die US-Amerikanerin Bea Johnson über ihre Erfahrungen mit der Müllvermeidung. Shia war sofort Feuer und Flamme. „Eigentlich denkt man ja, man kommt kaum an Müll vorbei. Aber in dem Video klang das gar nicht so schwer. Und das ist es auch nicht“, erzählt Shia. Peu à peu stellt das Ehepaar ihr Leben um. In kleinen Schritten zu null Müll.

Kein Gemüse mehr in Plastikverpackung, Obst ebenso wenig. „Trockenwaren, wie Nüsse, Linsen, Erbsen, Reis gibt es auch ohne Verpackung, sie können dementsprechend auch in Gläsern transportiert werden“, erklärt Shia. Keine komplizierten Handgriffe, dafür große Unratersparnisse. „Für die Umwelt“, lacht Shia.

Immer mehr Unverpackt-Läden öffnen. Auch in NRW

Doch wie funktioniert das im Alltäglichen? Kaum ein Supermarkt kommt ohne Plastikverpackungen aus. Allein 1,3 Milliarden Plastiktüten werden in NRW pro Jahr auf den Markt geworfen. Rund 71 pro Person. Shia: „Am Anfang war das ein Problem. Klar, auf Tüten zu verzichten ist leicht. Einen Stoffbeutel hat ja im Prinzip jeder. Doch alles andere wird vornehmlich in Plastik verkauft.“ Geholfen hat den beiden der allgemeine Bevölkerungstrend hin zu einem umweltbewussteren Leben. So erlebt der Markt für Ökolebensmittel seit dem Jahr 2000 eine rasante Entwicklung. Bis Ende 2014 ist der bundesweite Umsatz mit Bio-Lebensmitteln von zwei auf nahezu acht Milliarden Euro angestiegen. Zusätzlich eröffnen in vielen Städten Unverpackt-Läden. Dort werden alle Lebensmittel ohne Verpackung verkauft. Ein Trend, der sich auch in NRW ausbreitet. Unverpackt-Läden gibt es in Recklinghausen (Tante Trine, Tellstraße 33), in Bonn (Freikost Deinet, Rochusstraße 266) und bald auch in Köln (Tante Olga, Berrenratherstraße 406). Derzeit gibt es am Niederrhein noch keine Läden dieser Art. Shia ist sich aber sicher, dass das Konzept um sich greifen wird. „Auch in vielen Biomärkten gibt es Abfüllstationen. Da kannst du dir Nüsse, Reis oder ähnliches einfach zapfen“, weiß Shia. Dem Einwurf, dass Lebensmittel im Biomarkt zu teurer seien, entgegen die beiden, dass sie viel weniger Überflüssiges kaufen, kaum noch Essen wegschmeißen. Das relativiere die Preise.

Insgesamt sind die beiden erfinderischer geworden. Kleine Entdecker sozusagen. Zahnbürsten sind aus Holz, Hautcreme wird durch Sonnenblumenöl ersetzt, Deo aus Wasser und Duftölen gemischt. Und die organischen Abfälle kommen nicht in die braune Tonne, sondern in die hölzerne Wurmkiste. Die steht in der Küche, ist gefüllt mit Papier, Erde, Obstresten und Würmern. Ja, Würmern. Die kleinen Abfallvernichter zersetzen das Obst und generieren daraus Erde. Ganz natürlich eben.

Nur eine Sache ärgert die Beiden: „Wir müssen Müllgebühren zahlen. Wir haben das zwar schon mal bei der Bochumer Abfallwirtschaft angesprochen, aber die können da nichts machen“, lacht Shia.

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