Insektenrückgang

Damit’s wieder summt und brummt

Bei der Arbeit: eine große Wollbiene.

Foto: Guido Bennen/Nabu NRW

Bei der Arbeit: eine große Wollbiene.

An Rhein und Ruhr.   Naturschützer, Bauern und Chemievertreter diskutierten auf einer Tagung in Münster über den Insektenrückgang. Landwirte legen Blühstreifen an.

Umweltschützer drängen auf Maßnahmen gegen das Insektensterben. Nach Ansicht des Verbandes Nabu muss sich die Landwirtschaft gravierend ändern – weniger Unkraut- und Schädlingsmittel, wieder mehr Tiere auf der Weide statt im Stall, weniger Stickstoffeinträge in den Boden. Die Bauern wollen den schwarzen Peter nicht – jedenfalls nicht allein: „Die Kollegen haben es satt“, sagte Erich Gussen, Vizepräsident der Rheinischen Bauern.

Gussen war am Samstag Gast bei einer mit 250 Interessierten vollbesetzten Tagung in Münster, wo Einladung des Nabu verschiedene Facetten des Insektensterbens diskutiert wurden. Gussen – wie auch andere – wiesen darauf hin, dass die genauen Ursachen des Insektensterbens noch nicht erforscht seien. Weil viele Insekten ihre Paarungsflüge bei Mondlicht fliegen, wird auch in der zunehmenden „Lichtverschmutzung“ eine Ursache vermutet. Die Tiere verenden in Massen an Laternen oder Beleuchtungen – statt sich fortzupflanzen. Ebenso könnte der Verlust von Garten- und Parkflächen in der Stadt eine Rolle spielen.

Eben diese Ursachen werden durch das Landesumweltamt jetzt untersucht. Auf NRW-weit 120 Flächen gibt es ein Insektenmonitoring (die NRZ berichtete). Viel Zeit für Gegenmaßnahmen zum Insektensterben besteht freilich nicht. Untersuchungen des Entomologischen Vereines Krefeld haben gezeigt, dass die Biomasse der Insekten auf ausgewählten Standorten auch in NRW in den letzten 27 Jahre um satte 75 % zurückgegangen ist. Bei der Tagung in Münster wurde auf Beispiele in den Niederlanden verwiesen – wo Insektenschutzmaßnahmen schon nicht mehr gegriffen hatten. Wo nichts mehr fliegt, kann sich auch keine Insektenwelt mehr erholen.

Folgen für die für die Vogelwelt

Insekten sind wichtige Pflanzenbestäuber und stehen am Anfang der Nahrungskette. Laut Nabu haben Untersuchungen gezeigt, dass die Zahl der Vogelbrutpaare deutschlandweit binnen nur 12 Jahren um 15 % zurückgegangen sei – fast alle betroffenen Arten fütterten zumindest ihre Jungen mit Insekten.

Was also tun? Die Bauern verweisen darauf, dass ihr Berufsstand zunehmend Blühstreifen anlegt – also Feldränder mit regionalen Blühpflanzen bepflanzt, damit Insekten Nahrung finden. Ärgerlich sei aber eine überbordende Bürokratie, klagte Erich Gussen. Sei der Blühstreifen unwesentlich kleiner als geplant, drohe der Verlust der kompletten Förderung. 1200 Euro seien das derzeit pro Hektar, wenn es sich um eine sogenannte „Agrarumweltmaßnahme“ handele.

Christian Maus von der Bayer AG erklärte auf NRZ-Nachfrage, dass sein Arbeitgeber schon jetzt in Deutschland unabhängige Forschung zum Thema finanziere – zwar bislang noch nicht in Nordrhein-Westfalen, aber: „Wir haben da keine Berührungsängste!“ Ein Sprecher von Umweltministerin Christina Schulze Föcking (CDU) sagte, das man den Vertragsnaturschutz weiter ausbauen wolle.

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