Großeinsatz

Nach Amokfahrt von Münster schweben mehrere Opfer noch in Lebensgefahr

Die Polizei hat das besonnene Verhalten der Menschen in Münster unmittelbar nach der Amokfahrt mit Toten und Verletzten gelobt.

Die Polizei hat das besonnene Verhalten der Menschen in Münster unmittelbar nach der Amokfahrt mit Toten und Verletzten gelobt.

Münster.  Warum fährt ein Mann in Münster in eine Menschengruppe und erschießt sich dann selbst? Noch haben Staatsanwaltschaft und Ermittler keine Antwort darauf.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Nordrhein-Westfalens Innenministers Herbert Reul (CDU) hat die bisherigen Informationen zum Täter von Münster am Sonntag bekräftigt. Der mutmaßliche Amokfahrer sei "mit hoher Wahrscheinlichkeit" ein aus Deutschland stammender Einzeltäter und kein Flüchtling, sagte Reul in Münster. Mit hoher Wahrscheinlichkeit gebe es für die Tat keinen islamistischen Hintergrund. Es gebe "eine Menge Erkenntnisse", dass das Motiv in der Person des Täters liege. Allerdings würden die Ermittlungen dazu noch Stunden und Tage dauern. "Wir sind noch lange nicht am Ende. Es ist die Stunde der Ermittler", sagte der CDU-Politiker.

Nach Amokfahrt von Münster schweben mehrere Opfer noch in Lebensgefahr

Nach der Amokfahrt in Münster mit drei Toten sind einige der mehr als 20 verletzten Opfer weiterhin in Lebensgefahr. Ihr Zustand hat sich nach Angaben der Polizei über Nacht nicht verändert. Es gebe keine weiteren Todesfälle, sagte eine Polizeisprecherin am Sonntagmorgen.

Die Ermittler suchen derweil weiter nach Motiv und Hintergründen für das Verbrechen. In einer gemeinsamen Presseerklärung von Staatsanwaltschaft und Polizei in Münster hieß am frühen Sonntagmorgen: "Bislang liegen keine Hinweise auf einen möglichen Hintergrund für die Tat vor. Die Ermittlungen werden mit Hochdruck und in alle Richtungen geführt."

Klar ist bisher nur, dass am Samstag um 15.27 Uhr ein Mann einen silberfarbenen Campingbus im Zentrum in eine Menschengruppe vor einer beliebten Gaststätte gesteuert und sich danach im Wagen erschossen hatte. Einige der Verletzten seien in Lebensgefahr, teilten die Behörden mit.

Täter soll aus Olsberg im Sauerland stammen

"Nach dem jetzigen Stand der Ermittlungen handelt es sich bei dem Fahrer vermutlich um einen 48-jährigen Mann aus Münster", erläuterte Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt. Nach Informationen von "FAZ.NET" stammt der Täter aus Olsberg im Sauerland. Er habe schon lange in Münster nahe des Tatorts gelebt. Nachdpa-Informationen handelte es sich womöglich um einen psychisch labilen Einzeltäter.

Todesopfer durch Amokfahrt sind identifiziert

Die Polizei identifizierte inzwischen die beiden Todesopfer. Laut Staatsanwaltschaft und Polizei handelt es sich um eine Frau (51) aus dem Kreis Lüneburg und einen Mann (65) aus dem Kreis Borken.

Nach der Amokfahrt hat es in der Uniklinik mehrere Notoperationen gegeben. Insgesamt würden vier Schwerstverletzte behandelt, sagte eine Sprecherin am Sonntagmorgen. Die Klinik habe nach der Amokfahrt sofort alle verfügbaren Mitarbeiter informiert. 250 Ärzte und Pfleger seien in kürzester Zeit einsatzbereit gewesen, teilte die Klinik mit.

Behörden danken Menschen in Münster für ihre Hilfsbereitschaft

Am Universitätsklinikum waren am Samstagabend innerhalb von Minuten rund 300 Menschen dem Aufruf zum Blutspenden gefolgt - viel mehr, als die Klinik bewältigen konnte. Unter anderem hatte der Münsteraner "Tatort"-Ermittler Axel Prahl in sozialen Netzwerken aufgerufen, sich zum Blutspenden zu melden. "Das ist beispiellos, wie die Münsteraner da gehandelt haben", sagte eine Kliniksprecherin am Sonntagmorgen.

Die Polizei fand bei der Durchsuchung der Wohnung des Amokfahrers keine brauchbare Maschinenpistole vom Typ AK47, wie es hieß. Die Beamten hätten nur eine Dekorationswaffe und Feuerwerkskörper gefunden. Spezialisten hätten aus Sicherheitsgründen die Wohnungstür aufgesprengt, bevor die Beamten die Räume hätten untersuchen können. Am Samstagabend waren in Münster wiederholt Explosionsgeräusche zu hören gewesen.

Polizei lobt besonnenes Verhalten der Bürger in Münster

Auch unmittelbar nach der Amokfahrt hatten sich die Einsatzkräfte dem Campingbus mit großer Vorsicht genähert, da Beamte Drähte sahen, die ins nicht einsehbare Fahrzeuginnere führten. Experten des Landeskriminalamts aus Düsseldorf hätten dann das Fahrzeug auf mögliche Gefahren ausgiebig untersucht und letztlich Entwarnung gegeben, hieß es weiter. Ermittler hätten im Wagen die Waffe, mit der sich der Täter erschossen habe, sowie eine Schreckschusswaffe und rund ein Dutzend Feuerwerkskörper gefunden.

Die Polizei lobte das besonnene Verhalten der Menschen. "Die Polizei konnte die notwendigen Maßnahmen schnell und reibungslos treffen", erklärte der Einsatzleiter, Polizeidirektor Martin Fischer. "Alle haben sich vorbildlich verhalten und den Tatortbereich sehr schnell verlassen."

Das Bundeskriminalamt richtete im Internet für Zeugen ein Hinweisportal ein, wo Videos oder Fotos, die im Zusammenhang mit der Tat stehen, hochgeladen werden können. Nach Angaben der Polizei laufen inzwischen viele Hinweise ein.

Spurensuche und Ermittlungen werden Zeit brauchen

"Allein die Tatortaufnahme wird viel Zeit in Anspruch nehmen", erklärte Fischer zum Stand der Untersuchungen. "Wir brauchen Zeit, die Spuren auszuwerten und die Ergebnisse der Ermittlungen zusammenzuführen." Auch am Sonntag sei deshalb mit Behinderungen in Münsters Innenstadt zu rechnen.

Täter von Münster Deutscher - Drei Tote und 20 Verletzte

NRW Innenminister, keine Anzeichen für islamistischen Hintergrund
Täter von Münster Deutscher - Drei Tote und 20 Verletzte

Die Spurensuche am Tatort dauerte in der Nacht an. Leichen wurden dort erst im Dunklen abgeholt. Die Polizei hat am Sonntagmorgen das Tatfahrzeug den Amokfahrers von Münster abgeschleppt. Der Campingbus wurde auf einen Abschleppwagen geladen und weggefahren.

Die Polizei sucht nach der Amokfahrt nicht nach weiteren Tätern. Es gebe keine Hinweise, dass noch weitere Verdächtige an dem Verbrechen beteiligt waren - man gehe von der Tat eines Einzeltäters aus, sagte eine Polizeisprecherin am Sonntag. Die Polizei war zunächst Zeugenaussagen nachgegangen, wonach noch zwei Menschen aus dem Auto gesprungen und geflüchtet sein sollten.

Polizei hebt einen Großteil der Sperrungen in Münster auf

Einen Tag nach der Amokfahrt herrschte in der Innenstadt Ruhe. Wie üblich an einem Sonntagmorgen kehrten die letzen feiernden Studenten aus den Kneipen zurück. Die meisten Straßen waren aber menschenleer.

Anwohner und Touristen können am Tag nach der Amokfahrt wieder in die Münsteraner Altstadt. Die weiträumige Absperrung, die die Polizei aufgebaut hatte, wurde am Sonntagvormittag wieder entfernt. Nur der Bereich unmittelbar um den Tatort blieb abgesperrt. Von der Sperrung der Altstadt waren mehrere Dutzend Anwohner und zahlreiche Gaststätten betroffen.(dpa)

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik