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Das Römerfest in Xanten feiert einen neuen Besucherrekord

Soldatenparade.

Soldatenparade.

Foto: Kai Kitschenberg

Xanten.   Mehr 26 000 Menschen kamen zum Archäologischen Park, um zu sehen, wie das Leben der römischen Soldaten früher gewesen sein muss.

Die schwere Reiterkluft hat Marcus Flavius Arminius abgelegt. Jetzt steht er in leichter Kleidung im Offizierszelt seiner Legion; eine Soldatenmaske aus Metall liegt auf einer Holzplatte, daneben ist die Karte einer römischen Provinz ausgebreitet. Auf dem dreibeinigen Tisch vor dem Feldbett warten Kelche darauf, dass die Offiziere am Abend auf den Sieg in der Schlacht anstoßen, auf dem Boden ist ein Sattel abgelegt. Marcus Flavius Arminius breitet seine Arme aus und sagt: „Alles, was man hier im Zelt sieht, sind Rekonstruktionen von archäologischen Fundstücken.“

Arminius heißt im normalen Leben Hermann Klinghammer und ist Innenarchitekt aus Köln. An diesem Wochenende ist er auf dem Römerfest in Xanten mal wieder in seine Rolle aus der Antike geschlüpft – als einer von rund 450 Mitwirkenden, die sich im Archäologischen Park (APX) am Samstag und Sonntag versammelt haben. Mit mehr als 26 000 Besuchern feierte das alle zwei Jahre stattfindende Fest „Schwerter, Brot und Spiele“ einen neuen Besucherrekord.

Eine Menge Idealismus

Für den Kölner ist die Darstellung des römischen Reiters in der „Legio XXI Rapax“ mehr als nur ein Hobby – zu viel Zeit, Aufwand und Geld investiert er in seine Figur. Er besucht während der Sommermonate beinahe wöchentlich Römerfeste und hält Vorträge und bringt sich in die wissenschaftliche Arbeit ein. „Das hat viel mit Idealismus zu tun, ich möchte aber mit vielen Vorurteilen aufräumen“, sagt er und hat dabei vor allem die Darstellung der römischen Antike in Hollywood-Filmen im Auge.

Das Römerfest in Xanten ist zwar ein großes Spektakel - mit Gladiatorenkämpfen, Reiterstaffeln und Legionärs-Paraden - aber gleichzeitig eine ernste und ernstzunehmende Angelegenheit. Es geht um Authentizität statt kreativer Interpretation der Geschichte, um originalgetreue Darstellungen und um Wissensvermittlung, schließlich ist der APX ein Museum. „Was hier vorgeführt wird, muss auch wirklich römisch sein“, sagt Sebastian Held, der selbst Archäologe und beim Park für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

Alltag und Lebensumstände aus der Römerzeit sollen möglichst realistisch gezeigt werden, die Ausrüstungsgegenstände mit den Mitteln der Antike hergestellt werden. Viele Darsteller arbeiten intensiv mit Museen zusammen, im Xantener Park stammen nicht wenige nachgebaute Gegenstände der Ausstellung von Hobbyisten aus der Szene. Somit trägt dieser Teil der sogenannten experimentellen Archäologie keinen unwesentlichen Beitrag zum wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn bei.

Als römische Soldaten über die Alpen

Wer in Xanten mitmachen darf, wird deshalb auch streng ausgewählt, viele Gruppen sind schon seit vielen Jahren dabei. So wie die I. Roemercohorte Opladen. Der Verein aus Leverkusen verschreibt sich schon seit 34 Jahren der Begeisterung für die alten Römer, einige Mitglieder haben sogar mit römischer Soldatenausrüstung die Alpen überquert.

Gegründet haben die Cohorte Klaus und Monika Schwab. Mann Klaus, der über Unmengen Detailwissen über die vergangene Zeit verfügt, tritt als Lagerpräfekt auf und ist sozusagen der Verwaltungschef der Legion, seine Frau betreibt eine Schankwirtschaft und informiert die Besucher über antike Speisen, Getränke und Rezepte. „Wir fertigen fast alles selbst“, sagt Klaus Schwab, der sich in seiner antiken Rolle Gaius Claudius Suebus Dentatus nennt und zeigt auf die dunklen Zelte, vor denen seine Soldaten mit Speer und Schild Wache halten. „Die Zelte sind aus Leder und handgenäht, es hat Jahre gedauert, bis sie fertig waren.“

Wer am Wochenende durch den Park schlendert, der bekommt viel mit von der Vielfalt der Darstellungen: Truppen ziehen mit lauten Rufen umher, es gibt römische Arztpraxen, Schuhmacher und Töpfer, in der Schmiede wird gehämmert, sogar ein Friseur ist da. Keine Frage: Die meisten Besucher strömen zu den Gladiatorenkämpfen ins rekonstruierte Amphitheater – hier ist zum Glück nicht alles wie damals: Die packenden Kämpfe gehen allesamt unblutig aus.

>> DAS IST DER APX

Der Archäologische Park Xanten macht die untergegangene antike Stadt „Colonia Ulpia Traiana“ als Freilichtmuseum wieder sichtbar. Mit rund 10 000 Einwohnern war sie einst die drittgrößte römische Stadt nördlich der Alpen – nur Köln und Trier hatten mehr Bewohner. Auf dem Areal ist seit 2006 auch das Römermuseum des Landschaftsverbands Rheinland untergebracht.

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