Natur

Die Lippe soll zu einem Öko-Paradies werden

rüne Idylle: die Lippe bei Haltern.Doch selbst hier kann sich ökologisch noch eine Menge tun.

rüne Idylle: die Lippe bei Haltern.Doch selbst hier kann sich ökologisch noch eine Menge tun.

Foto: Liippeverband

Wesel/Hünxe.   Neue Auen, Begradigungen und Wehre sollen weg: Verband will Fluss aufwendig renaturieren. Über Kosten von 140 Millionen Euro laufen Gespräche mit dem Land

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Das Wasser ist gut. Mit mittlerweile 45 Arten ist die Lippe für einen Fluss ihrer Art ziemlich fischreich. Sogar einzelne Lachse waren an einigen Stellen entdeckt worden. „Dabei ist die Lippe eigentlich kein Lachsfluss“, sagt Michael Steinbach vom Lippeverband. Die Wanderfische bevorzugen kalte, schnelle Gewässer.

Nicht nur Fische, die Tier- und Pflanzenwelt insgesamt soll es in und an der Lippe künftig noch besser haben. Mit den Bezirksregierungen hat der Lippeverband dazu ein Paket aus 430 Maßnahmen erarbeitet. Auen sollen angelegt, Röhricht gepflanzt sowie alte Flussschleifen reaktiviert werden. Begradigungen und Wehre sollen weg. Wo es möglich ist, wird die Lippe breiter, Fluss und Ufer sollen auf gleicher Höhe liegen. 140 Millionen Euro wird alles das in den nächsten 10 bis 15 Jahren kosten. Zur Finanzierung laufen Gespräche mit dem Land.

„Die Renaturierung ist ein anspruchsvolles Programm, das uns ziemlich fordern wird“, meint Steinbach. Der Verband war schon in den vergangenen Jahren rege, kräftig wurde in die 53 Kläranlagen investiert. Am Fluss hat sich viel getan. Stauwehre wurden abgebaut. Südlich von Wesel erhält die Lippe derzeit eine neue Mündung in den Rhein. Die Gewässerstruktur - also die Beschaffenheit von Flusssohle, Ufer und Umland - gilt aber immer noch als „mäßig bis unbefriedigend“. Das soll sich jetzt ändern. Darauf drängt auch die EU. Bis zum Jahr 2027 sollen alle Gewässer in einem guten Zustand sein, hat Brüssel verfügt.

Die geplanten Maßnahmen verteilen sich über den gesamten Flusslauf, aber es gibt Schwerpunkte. Auen und aueähnliche Landschaften sollen beispielsweise in Wesel-Obrighoven und nahe der Siedlung entstehen, ebenso in Hünxe-Gartrop und an der Mündung des Schermbecker Mühlenbachs. Welche Tiere und Pflanzen die Lippe dann neu für sich entdecken werden, bleibt abzuwarten. „Vorhandene Arten werden aber sicher profitieren“, meint Verbandssprecher Steinbach. Bei den Fischen gilt das z. B. für Steinbeißer, Schmerle, Quappe und Meerforelle (zudem laufen Bemühungen, den Maifisch wieder anzusiedeln). Bei den Vögeln bekommen Eisvogel und Uferschwalbe neuen Lebensraum – ebenso Weißstörche, von denen einzelne Paare im Lipperaum brüten.

Profitieren wird - zumindest auf lange Sicht - auch der Tourismus. Im Frühjahr wird bekanntlich die Römer-Lippe-Route eröffnet. Die ersten Radler, die dann zwischen Xanten und dem Teutoburger Wald unterwegs sind, werden von den geplanten Auen noch nichts haben. Wenn aber die Maßnahmen in den nächsten Jahren Stück für Stück umgesetzt werden „und man dann vom Fahrrad aus auch mal einen Storch oder gar einen Eisvogel sieht, wird das sicher honoriert“, ist Lippeverbandsprecher Steinbach überzeugt.

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