Flughafen Düsseldorf

Die Zahl der Nachtflüge erreicht einen neuem Höchststand

Ein Flugzeug der Fluggesellschaft Lufthansa hebt in Düsseldorf ab.

Foto: Kevin Kurek/dpa

Ein Flugzeug der Fluggesellschaft Lufthansa hebt in Düsseldorf ab.

Die Anzahl der Flugbewegungen in Düsseldorf zwischen 22 Uhr und sechs Uhr morgens hat nach Zählungen zum dritten Mal in Folge zugenommen.

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An einem späten Sommerabend im näheren Umkreis von Düsseldorf sehen die vielen Flugzeuge, die sich dort oben, an einem dunkel werdenden Himmel bewegen, wie eine schöne Lichterkette aus. Es ist eine schier endlose Schnur, die sich langsam Richtung Landeshauptstadt bewegt. Der einzelne Punkt kommt näher, irgendwann sind die Konturen eines Flugzeuges klar erkennbar, der Lärm schwillt mächtig an, und kurz darauf ist die Maschine immer noch zu hören, obwohl kaum mehr als noch eine schmale Silhouette von ihr zu sehen ist.

Es ist ein Schauspiel, aber eines, das viele Menschen an Rhein und Ruhr zunehmend nerven dürfte, weil die Anzahl der Flugbewegungen nach 22 Uhr auch im vergangen Jahr einen Höchststand erreicht hat. Wie schon 2016. Wie schon 2015. Die Zahlen, die Georg Regniet vom Verein „Bürger gegen Fluglärm“ vorlegt, lassen kaum einen Interpretationsspielraum zu.

„Wir haben im Jahr 2017 insgesamt 11372 Starts und Landungen nach 22 Uhr gezählt, das sind noch einmal 0,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Und auch die Verspätungen“, so Regniet, „nach 23 Uhr haben mit 2009 Starts und Landungen ebenfalls noch einmal um 0,7 Prozent zugenommen.“ Kurzum: Es sind keine gewaltigen Steigerungen, aber es sind Steigerungen, und genau diese Tatsache ist es, die den Fluglärmgegnern sauer aufstößt.

Die Rechtslage wird von den Fluglärmgegnern nicht angezweifelt

„Noch Mitte des vergangenen Jahres hat der Flughafen getönt, die Zahl reduzieren zu wollen. Daraus ist leider nichts geworden, und das ist schon sehr enttäuschend“, betont Georg Regniet gegenüber der NRZ. Christian Hinkel, Sprecher des Flughafens, bemüht sich gegenüber unserer Zeitung, die Zahlen in ein anderes Licht zu rücken. „Die Anzahl der Starts und Landungen nach 22 Uhr zu zählen“, so der Pressemann, „ist aus unserer Sicht nicht die richtige Vorgehensweise, da Landungen in dieser Zeit noch planmäßig durchgeführt werden dürfen und absolut genehmigungskonform sind.“

Zur Erklärung: Starts dürfen in Düsseldorf nur zwischen sechs Uhr und 22 Uhr durchgeführt werden, Landungen sind ab sechs Uhr bis 23 Uhr erlaubt – beziehungsweise ohne gesonderte Ausnahmegenehmigung bis 23.30 Uhr, und Maschinen mit Wartungsschwerpunkt Düsseldorf dürfen sogar bis 24 Uhr landen.

Es ist eine Rechtslage, die der Verein „Bürger gegen Fluglärm“ gar nicht anzweifelt. Der Initiative geht es darum festzustellen, dass die Anzahl der Flüge zur Nachtzeit eine nicht hinnehmbare Belästigung für die Anwohner darstellt. „Die Nacht beginnt um 22 Uhr“, wird Christoph Lange, der 1. Vorsitzende des Vereins, in einer aktuellen Pressemitteilung zitiert. „Jeder Gastwirt bekommt erheblichen Ärger bis hin zur Schließung des Betriebes, wenn die Nachtruhe nicht eingehalten wird.“

Lange fragt explizit, warum sich der Flughafen „Sonderrechte herausnehmen“ dürfe und nimmt zugleich NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst in die Pflicht: „Die Nachtflugbestimmungen müssen dringend verschärft werden. Hier ist die neue Landesregierung gefordert.“

Die Vertreter des Flughafens Düsseldorf haben sich derweil bemüht, die Verspätungen in schriftlicher Form zu erklären. Die Gründe seien: Die „allgemeine Verlagerung der touristischen Verkehre vom östlichen ins westliche Mittelmeer“, als Konsequenz daraus, „Verspätungen im Flugplan, die sich bis in die Abendstunden hinein zogen“ – zudem „Wetterereignisse wie Sturm oder Schnee, die Insolvenzen der Air Berlin und der Niki“ sowie „die „zwischenzeitliche Situation an den Sicherheitskontrollstellen.“

Sieht man von den Insolvenzen und den Kontrollproblemen ab, sind es fast wortgenau die Erklärungen, die der Flughafen vor gut zwölf Monaten bereits im Dezember 2016 verlauten ließ. Damals sagte Pressechef Thomas Kötter gegenüber der Rheinischen Post angesichts des damaligen Rekords an Nachtflügen: „Die Zahlen stimmen uns nicht zufrieden.“ Das Unternehmen wolle alles tun, um die Lage zu verbessern.

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