Tumultdelikte

GdP-Chef Plickert: „Diese Leute akzeptieren den Staat nicht“

„Tumultdelikte“ erfordern starke Kräfte der Polizei.

Foto: dpa

„Tumultdelikte“ erfordern starke Kräfte der Polizei. Foto: dpa

Gelsenkirchen.  Regelmäßig kommt es an Rhein und Ruhr zu tumultartigen Szenen, wenn die Polizei Verstöße ahnden will. GdP: keine Toleranz in Brennpunkten zeigen.

Eine Personalienfeststellung nach einer Sachbeschädigung, ein Verkehrsverstoß, der geahndet werden soll: „Kleine“ Polizeieinsätze können ganz plötzlich groß werden. In der Gelsenkirchener Altstadt sahen sich Beamte am Wochenende gleich zweimal einer Menschenmenge gegenüber, die nicht hinnehmen wollte, dass Übeltäter zur Rechenschaft gezogen werden. Die Polizisten griffen zum Pfefferspray, um Angreifer auf Distanz zu halten, und riefen Verstärkung.

In dem Fall am Samstag hatten es die Beamten mit den Gästen einer Shisha-Bar zu tun, die nicht hinnehmen wollten, dass ein Autofahrer (29) festgenommen wurde. Vier Personen kamen in Gewahrsam. Der 29-jährige Türke hatte Polizisten körperlich und verbal angegriffen, als ihn diese wegen eines wiederholten Verkehrsverstoßes zur Rede stellten.

In dem Fall am Sonntag ging es um Sachbeschädigung an einem alten Zechengebäude. Auch hier hatten es Polizisten mit Beschimpfungen wie körperlichen Attacken zu tun, sahen sich plötzlich einer Gruppe junger Leuten türkischer und libanesischer Herkunft gegenüber. Zur Unterstützung kamen u. a. Bereitschaftspolizisten vom Revierderby. Zwei Personen kamen in Gewahrsam. Zwei Polizisten wurden leicht verletzt.

Widerstand, Körperverletzung, Beleidigung, versuchte Gefangenenbefreiung, Landfriedensbruch: Aus Einsätzen wie diesen resultiert ein ganzes Bündel an Strafanzeigen. Die Polizei spricht von „Tumultdelikten“. „So etwas findet mittlerweile an fast jedem Wochenende statt“, sagt Adi Plickert, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP) im Gespräch mit unserer Redaktion. Plickert blickt dabei besonders auf bestimmte Viertel in einigen Ruhrgebietsstädten – aber auch in Köln oder Düsseldorf (wo es die Polizei mit anderen Gruppen oder Clans zu tun hat): „Diese Leute akzeptieren den Staat nicht“, sagt Plickert.

Präsenz zeigen, Null Toleranz

Die Polizei fahre hier eine konsequente Strategie, lasse in diesen „Brennpunkten und Angsträumen“ keine Toleranz walten und zeige eine ständige Präsenz: „Das ist absolut notwendig“, meint der GdP-Mann. Richtig sei es auch, die Polizei vor Ort durch weitere zusätzliche Bereitschaftspolizisten zu verstärken – wie etwa in Duisburg schon geschehen und für Essen noch in diesem Jahr geplant. Wichtig sei, dass Streifenwagen in diesen Quartieren eine Mindestbesetzung haben: „Die Kollegen müssen solche Situationen in der Anfangsphase kontrollieren können.“ Wichtig sei auch, junge Beamte gut auf solche Einsätze vorzubereiten: „Die sind richtig unangenehm! Da findet Kommunikation auf Nasenspitzenhöhe statt.“

Auch interessant
Leserkommentare (10) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik