Eine Dreherei wird zum Denkmal

Mülheim.  Als in der Alten Dreherei noch an Lokomotiven geschraubt wurde, war Helmut Schauenburg schon dabei: als Lehrling. Mittlerweile geht der 77-Jährige mit Gehstock durch das seit 1992 denkmalgeschützte, ehemalige Eisenbahnausbesserungswerk in Mülheim, in dem er einst zum Schlosser ausgebildet wurde.

Nicht, um in Nostalgie zu schwelgen, sondern um mit anzupacken. Mindestens einmal in der Woche helfen er und rund 15 Ehrenamtliche, Böden zu pflastern, Schienen zu verlegen, Balken zu streichen – um die Alte Dreherei in ein Museum, eine Veranstaltungshalle und ein „Haus der Vereine“ zu verwandeln. „Ist ja tausendmal besser, als zu Hause auf der Fernbedienung herumzudrücken“, sagt der Rentner. „Und die Kameradschaft hier ist viel wert!“

Genau wegen dieses Zusammenhalts im Trägerverein nennt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz die Alte Dreherei gerne, wenn es um den diesjährigen Tag des offenen Denkmals am 11. September geht. Er steht unter dem Motto „Gemeinsam Denkmale erhalten“. „Die Alte Dreherei ist dafür so beispielhaft, weil sie einen sehr aktiven Förderkreis hat“, sagt Carolin Kolhoff, Stiftungs-Sprecherin in Bonn. „Es stecken ganz ambitionierte Ideen dahinter, das Gebäude zu erhalten“. Insgesamt öffnen am Denkmaltag in NRW rund 1200 sonst nicht oder nur schwer zugängliche historische Gebäude und Orte ihre Pforten.

Einflussreiche Leute

Den Plan, aus der alten Dreherei ein „Haus der Vereine“ zu machen, war ein Erbe. „Schon mein verstorbener Vater hatte die Idee“, sagt Martin Menke, Vorsitzender des Trägervereins. „Ein Verein kann langfristig nur überleben, wenn er sein eigenes Gebäude hat“, sagt der 50-Jährige. Durch die Dreherei will er mehr als einem Dutzend Vereinen das Überleben sichern – vom Imker- bis zum Oldtimer- und Geschichtsverein.

Ein Plan, für den Menke und seine Kollegen kämpfen mussten. 2000 Quadratmeter, restauriert von einem kleinen Kreis Ehrenamtlicher? Für die Mülheimer Politik klang das anfangs nach Selbstüberschätzung. „Es war schwer, den Stadtrat zu überzeugen“, sagt Menke. Aber der Trägerverein baute sein Netz aus Vereinen aus, gewann einflussreiche Leute für sich – bis der Stadtrat 2008 fast einstimmig für den Umbau der Dreherei stimmte.

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