Nach dem Sturm

Einsatzkräfte freuen sich über die vielen Danksagungen

Vielerorts mussten am Freitag noch umgestürzte Bäume beseitigt werden.

Foto: Christoph Reichwein

Vielerorts mussten am Freitag noch umgestürzte Bäume beseitigt werden.

An Rhein und Ruhr.   In Mülheim brachten Anwohner der Feuerwehr Kaffee und Kuchen vorbei. Viel Dank kam auch über Facebook. Am Freitag wird überall aufgeräumt.

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„Vielen lieben Dank an alle, die im Einsatz waren“ schreibt Uta Thoma auf der Facebook-Seite der NRZ. So wie die Düsseldorferin drücken viele Menschen nach dem Sturm ihre Dankbarkeit gegenüber den Einsatzkräften von Feuerwehr, Polizei und THW aus – online wie offline.

Die Feuerwehren zeigten sich erfreut über die vielen positiven Rückmeldungen. „Bei uns waren 90 Prozent Ehrenamtliche im Einsatz“, sagte Udo Walbrodt, der Leiter der Dinslakener Feuerwehr. „Die Jungs freuen sich darüber natürlich sehr. Es gab keine Meckerei der Leute und jeder hatte Verständnis für die besondere Lage.“

In Mülheim brachten die Anwohner den Feuerwehrleuten bei längeren Einsatz Kaffee und Kuchen vorbei, berichtete Feuerwehrsprecher Thorsten Drewes. „Die vielen positiven Rückmeldungen tun uns gut. Wir freuen uns, wenn die Bevölkerung anerkennt, welche Arbeit wir leisten.“

Die Ruhe ist noch nicht zurück

Derweil ist am Tag nach dem tosenden Sturm die Ruhe ins beschauliche Mülheimer Rumbachtal noch nicht ganz zurückgekehrt. Es ist nicht mehr der Wind, der hier durch den Wald heult, nun sind es die Kettensägen. 24 Stunden nach dem Orkantief „Friederike“ ist die Feuerwehr weiterhin mit den Aufräumarbeiten beschäftigt.

So sieht es gestern zur gleichen Zeit in vielen Städten und Orten an Rhein und Ruhr aus: Feuerwehrleute, Helfer des Katastrophenschutzes und Mitarbeiter von Unternehmen sind vielerorts damit beschäftigt, die letzten Hindernisse wie umgeknickte Bäume aus dem Weg zu räumen.

Das Rumbachtal in Mülheim hat der Sturm ordentlich durchgerüttelt. An vielen Stellen sind Bäume umgekippt, vom Gemäuer einer Brücke hat der Sturm das Efeu abgerissen. Die Einsatzkräfte arbeiten am Freitag alle Meldungen ab, die vom Vortag noch übrig geblieben sind. „Wir haben vier Erkunder im Einsatz, die schauen, wo wir aktiv werden müssen“, sagt Julian Meier-Spierig, der den Einsatz der Mülheimer Feuerwehr im Rumbachtal leitet.

Nicht für jeden umgekippten Baum ist die Feuerwehr zuständig. Bei Bäumen, die auf Privatgrundstücken umgekippt sind, ist der Eigentümer verantwortlich.

Schäden auf Fotos festhalten

Wem durch den Sturm ein Schaden am Hausentstanden ist, der sollte das Ausmaß auf jeden Fall auf Fotos festhalten, rät die LVM-Versicherung. „Außerdem sollte man sich, wenn möglich, einen Kostenvoranschlag machen lassen“, sagte LVM-Sprecher Carsten Pribyl. Zudem sollten beschädigte Gegenstände zum Schadensnachweis aufgehoben werden.

Während die Einsatzkräfte noch mit den Aufräumarbeiten beschäftigt waren, normalisierte sich das Leben in Nordrhein-Westfalen so langsam. In den meisten Schulen fand wieder Unterricht statt. Etwa in Duisburg blieb eine Schule jedoch noch geschlossen, weil das Dach repariert werden musste.

Nach der Verwirrung um den Schulunterricht während des Orkans gab es weiter Kritik, weil einige Schulen die Kinder erst unterrichteten und dann nach Hause schickten. „Es hätte eine ganz klare Empfehlung vom Schulministerium geben müssen, dass die Schulen an diesem Tag komplett geschlossen bleiben“, hieß es von der Bildungsgewerkschaft GEW.

Windräder produzieren viel Strom

Größer waren die Probleme auf der Schiene. Erst nach und nach konnten die Verbindungen im Nahverkehr wieder aufgenommen werden. Schon früh war die wichtige Fernverbindung von Köln über das Ruhrgebiet nach Berlin wieder frei. Die Bahn geht davon aus, dass im Laufe des Wochenendes wieder alle Linien in Betrieb genommen werden. Die Nacht auf Freitag hatten viele Menschen in Hotelzügen oder Hotels in den Städten verbracht, weil der Zugverkehr komplett eingestellt worden war.

Sehr viel Storm produziert haben die Windräder am Sturmtag – gut 100 Millionen Kilowattstunden Strom, schätzt man beim Verband. Das wäre etwa das Vierfache der ansonsten durchschnittlichen täglichen Produktion, die die Windräder übers Jahr gemittelt in NRW erzeugen – und genug, um den Jahresstrombedarf von etwa 25 000 Vier-Personen-Haushalten zu decken.

Wohlgemerkt: Die 100 Mio Kilowattstunden sind nur ein Schätzwert. Als sicher kann gelten, meint Dobertin, dass die Windräder über 24 Stunden gesehen nahe ihrer Nennleistung von insgesamt 120 Kilowattstunden produziert haben. Zwischen 12 und 14 Uhr aber, in der Hochphase des Orkans, seien viele Anlagen aus dem Wind gedreht oder in der sogenannten „Sturmregelung“ gefahren worden. Für wie viele Anlagen das gelte und wieviel Strom weniger produziert wurde, lasse sich ad hoc nicht sagen.

Behörden warnen vor Wäldern

Die „Sturmregelung“ greift meist. wenn zehn Minuten oder länger eine Windgeschwindigkeit von etwa 28 Metern/Sekunde (etwa 100 km/h) gilt. Dann wird die Drehzahl der Anlage heruntergefahren und etwas weniger Leistung eingespeist. Sobald die Windgeschwindigkeit aber wieder unter 28 Meter pro Sekunde sinkt, ist die Anlage sofort wieder bei ihrer ursprünglichen Leistung.

Halten Windräder eigentlich jeden Sturm aus? Allzu leicht kippen die gut 3600 Windenergieanlagen in NRW jedenfalls nicht um. „Die Sturmfestigkeit der Anlagen ist grundsätzlich auf Windgeschwindigkeiten von deutlich über 200 km/h ausgelegt“, erklärt Jan Dobertin vom Landesverband Erneuerbare Energien (LEE). Solche Geschwindigkeiten hat Orkan „Friederike“ am Donnerstag in NRW nicht erreicht – und selbst wenn, so Dobertin, dann müsste auch schon mehr als nur eine Böe mit diesem Tempo kommen. Kurzum: Schäden waren bis gestern keine bekannt.

Nach dem Orkan warnen die Behörden in Nordrhein-Westfalen vielerorts davor, Wälder, Parks und zum Teil auch Friedhöfe zu betreten. Herabstürzende Äste können lebensgefährlich sein. Die Schäden sind aber wohl nicht so gravierend wie beim Sturm „Kyrill“ vor elf Jahren, hieß es beim Landesbetrieb Wald & Holz.

Nach einer Schätzung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft lag der Schaden bundesweit bei 500 Millionen Euro, „Kyrill“ schlug vor elf Jahren mit zwei Milliarden Euro zu Buche.

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