„Französisch bleibt eine wunderschöne Sprache“

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Düsseldorf. In vielen Städten gibt es „deutsch-französische Gesellschaften“, die den Austausch von Kultur und Sprache pflegen und fördern. Noch bis diesen Sonntag tagt die Vereinigung dieser Vereine in Düsseldorf zu ihrem 60. Kongress. Das Grußwort sprach bereits Hannelore Kraft, heute kommt der französische Botschafter, morgen weitere Minister. Über das Wirken der Vereinigungen sprach die NRZ mit dem Duisburger Stefan Endell. Er ist nicht nur NRZ-Kollege, sondern auch Sprecher der Vereinigungen bundesweit.


Wie intensiv wird Französisch an Schulen hierzulande unterrichtet? Zieht Spanisch als zweite Fremdsprache vorbei?
Endell: Französisch wird an den Schulen in NRW nach wie vor quantitativ auf einem recht hohen Niveau unterrichtet: Etwa zwei von drei Schülern haben in ihrer Schullaufbahn irgendwann und unterschiedlich intensiv Kontakt mit der französischen Sprache gehabt. Wie gut am Ende die tatsächlichen Sprachkenntnisse sind, das ist leider eine ganz andere Sache. Hier haben wir Nachholbedarf. Spanisch ist derzeit eigentlich keine wirkliche Konkurrenz in den Schulen um den Platz der zweiten Fremdsprache.

Und wie sieht es mit dem Deutsch-unterricht in Frankreich aus?
Die aktuelle Reform der französischen Mittelschule, die das Deutsch-Lernen in der Eingangsstufe massiv schwächt, empfinden wir als eine eiskalte Dusche im Verhältnis untereinander. Das wird sicher Auswirkungen im deutsch-französischen Miteinander haben. Ich denke da an die vielen Partnerschaften zwischen Städten oder auch Schulen. Sie laufen Gefahr, zunehmend sprachlos zu werden. Ziemlich beste sprachlose Freunde. Eine Entwicklung, die wir nicht gutheißen mögen.


Frankreich und Deutschland gelten in Europa als d i e Führungsnationen – hat das Einfluss auf die Bedeutung der beiden Sprachen. Z.B. in der EU?
Politisch muss man aber feststellen, dass das berühmte „couple franco-allemand“ funktioniert oder eben nicht funktioniert, ganz unabhängig wie sich die jeweiligen Sprachen über die Länder verteilen.


Was kann man im Französischen besser ausdrücken als in unserer Sprache?
Man kann in der deutschen Sprache wegen eines deutlich größeren Wortschatzes sehr viel mehr und sehr viel präziser die Dinge ausdrücken. Der französische Wortschatz ist rein mengenmäßig geringer. Aber das Französische ist und bleibt eine wunderschöne Sprache. Und deshalb gilt: Ohne Sprache kein Gespräch. Mithilfe der Sprache kann man das Denken und die Emotionen des Gegenüber erreichen. Man versteht sich. Und wir – die Deutsch-Französischen Gesellschaften hüben wie drüben – sind die Brücke der Verständigung zwischen zwei Ländern, die sehr unterschiedlich ticken. Kulturell überbrücken wir mit dem bürgerschaftlichen Engagement eine Kluft.


Welche deutschen Begriffe kann man eigentlich nicht ins Französische übersetzen?
Sylvie Goulard von der Fraktion der Liberalen und Demokraten im Europaparlament hat auf dem Kongress ein paar Begriffe geliefert, die Präsident François Hollande einfach nicht kapiert, wenn Frau Merkel sie verwendet:
1. Chefsache
2. beratungsresistent
3. Schnapsidee
4. Multiplikatoren
5. Was nicht sein kann, was nicht sein darf
6. Affentheater.

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