Solidaritätspreis

Freddy Fischer im Porträt: Ein An-Stifter sozialer Projekte

Unternehmer, Stifter und Förderer von Kindern und Jugendlichen: Freddy Fischer.

Foto: Fabian Strauch

Unternehmer, Stifter und Förderer von Kindern und Jugendlichen: Freddy Fischer. Foto: Fabian Strauch

An Rhein und Ruhr.   2008 gründete Freddy Fischer eine Stiftung, um Kindern und Jugendlichen zu helfen. Jetzt lobt er mit der NRZ wieder den Solidaritätspreis aus.

Freddy Fischer auf ein Thema zu beschränken ist eigentlich unmöglich. Der 56-jährige Unternehmer und Stifter sprudelt nur so vor Geschichten, Ideen und Visionen. Es kommt vor, dass er von einem der sozialen Projekte erzählt, für das er sich engagiert, dabei einen kurzen Exkurs zur Bedeutung von Meditation und Achtsamkeit unternimmt und am Ende bei der Frage landet, was Mitgefühl eigentlich ganz konkret bedeutet. Und man muss sehr ignorant oder sehr abgestumpft sein, um sich diesem Elan, dieser Begeisterungsfähigkeit und dieser Entschlossenheit, Gutes zu bewirken und auf diesem Weg möglichst viele Menschen mitzunehmen, zu entziehen. Ein Gespräch.

Die NRZ und die Freddy Fischer-Stiftung verleihen in diesem Jahr zum vierten Mal den Solidaritätspreis. Diesmal soll er Ehrenamtler auszeichnen, die sich für die Bildung von Kindern und Jugendlichen stark machen. Was war Ihr Beweggrund dieses Thema zu wählen?

Fischer: Kinder brauchen für die Schule oft besondere Rechner. Klassenfahrten müssen bezahlt werden. Oder ein Kind benötigt Nachhilfeunterricht - das kostet alles Geld. Das können sich nicht alle leisten. Wenn man beispielsweise die Stadt Essen in Süd und Nord aufteilt, stellt man fest, dass die Kinder im Süden zu 85 Prozent aufs Gymnasium wechseln, aber im Norden nur 20 Prozent. Und das hat ja nichts damit zu tun, dass die Kinder im Norden dümmer sind als die anderen, sondern damit, dass sie nicht so mitgenommen werden, oder nicht so viele Ansprechpartner haben, wenn sie mal Fragen zur Schule haben. Aber ich weiß auch, dass Geld alleine nicht hilft, wenn man keine Menschen hat, die sich engagieren.

Und da haben sich viele Ehrenamtler auf den Weg gemacht. Ich sehe, genauso wie NRZ-Chefredakteur Manfred Lachniet, den Preis als Chance, hinzugucken auf diesen Bereich der Bildung, auf diese Geschichten, um damit auch den Menschen, die sich über Jahre ehrenamtlich einsetzen, Wertschätzung zuteil werden zu lassen.

2008 haben Sie zusammen mit Ihrer Frau die Freddy-Fischer-Stiftung gegründet, um Kinder und Jugendliche zu fördern. Mit welchen Schwerpunkten?

Es sind vier Säulen, auf denen die Stiftung steht. Bildung, Sport, gesunde Ernährung und Kultur. Ursprünglich wollte ich damals nur ein Projekt still fördern, inzwischen sind es 15 geworden. Insofern hat es sich ganz anders entwickelt als geplant. Es hat einfach eine unheimliche Energie bekommen. Und meine Idee war, dass ich nicht nur Geld gebe, sondern mich selber einbringe, mit Jugendlichen Boxtraining mache, beim Organisieren helfe oder bei den Hausaufgaben. So was eben. Und dass ich Projekte langfristig begleite. Wenn ich eine Initiative kennenlernte oder von Ideen hörte, für die die Finanzierung fehlte und mein Bauchgefühl gut war, hab ich es gemacht. Das ist bis heute so. Und wir haben zusätzlich Paten, die sich für einzelne Projekte einsetzen und verantwortlich fühlen. Das Neueste ist im November gestartet und ist ein Personal Training für benachteiligte Jugendliche mit dem Triathleten Max Longree.

Was war damals die Initialzündung für die Gründung der Stiftung?

Als ich vor neun Jahren begann, war ich mit jemandem in den Straßen von Essen unterwegs, der in der sozialen Arbeit tätig ist, und ich war ziemlich entsetzt zu sehen, was 500 Meter Luftlinie von meinem Büro so los ist: Kinder, die auf der Straße lebten, die in eine Notschlafstelle kamen, die mitten im Winter bei Schnee mit Riesenlöchern in den Schuhen rumliefen. Danach habe ich einiges zu dem Thema gelesen und mir wurde klar, dass unsere Gesellschaft komplett zweigeteilt ist, und wie viele Menschen es in unserem Land gibt, die gesellschaftlich verlieren. Das war die Initialzündung. Und dann habe ich mein Leben reflektiert. Ich hab auch mit nichts angefangen, ich komme nicht aus einer reichen Familie. Ich hab aber einen ganz guten Weg gemacht und dabei sehr viel Glück gehabt. Ich hatte aber auch immer jemanden an der Seite, der mich an der schönen Hand rechts rum gelenkt hat. Wenn ich links rum gegangen wär, hätte ich auch da landen können.

Was hat das Stiftungs-Engagement in Ihnen verändert ?

Ich war mal ein Konsumjunkie, ich hatte als Hobby fünf Autos in der Garage und ein Motorrad. Ich hab darauf hingearbeitet, um mir so was gönnen zu können. Dann kauft man sich so was und dann hat man eine Riesenfreude, aber diese Freude dauert nicht lange. Und irgendwann fragt man sich schon, ob es nicht mehr gibt als das. Die Autos habe ich verkauft. Das Thema existiert nicht mehr. Das Geld stecke ich heute in soziale Projekte. Das ist nichts Kurzfristiges, das ist ein lang anhaltendes Glück für mich.

>>INFO: DER SOLIDARITÄTSPREIS

Die NRZ und die gemeinnützige Freddy-Fischer-Stiftung schreiben zum vierten Mal den Solidaritätspreis aus. In diesem Jahr richtet sich die mit insgesamt 7000 Euro dotierte Auszeichnung an Menschen oder Organisationen, die sich ehrenamtlich und nachhaltig in der Bildung von Kindern und Jugendlichen in der Region engagieren.
Jeder Leser, der eine Person oder Organisation für preiswürdig hält, kann uns diese nennen. Man kann sich auch selbst vorschlagen, schließlich sollen die guten Beispiele zur Nachahmung anregen. Die formlose, schriftliche Bewerbung sollte möglichst detailliert das Ehrenamt beschreiben.

Wer will, kann auch ein Video beifügen. Schreiben Sie bitte bis 15. März an die NRZ-Redaktion, Seite Drei, Friedrichstraße 34-38,45128 Essen, Stichwort: Solidaritätspreis. Oder senden Sie eine E-Mail an seitedrei@nrz.de, Betreff: Solidaritätspreis.

Seite
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik