Sommer

Hitzewelle in NRW: Bauarbeiter schwitzen bei bis zu 80 Grad

Wenn Bauarbeiter Frank Rebhan derzeit im Bagger sitzt, arbeitet er bei Temperaturen um die 50 Grad.

Wenn Bauarbeiter Frank Rebhan derzeit im Bagger sitzt, arbeitet er bei Temperaturen um die 50 Grad.

Foto: Socrates Tassos

An Rhein und Ruhr.  Auch Bäcker und Gastronome leiden unter den hohen Temperaturen. Währenddessen gehen Hitzefreunde in die Sauna oder legen sich auf die Sonnenbank.

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Morgens um 6:30 Uhr sind es draußen noch angenehme 20 Grad. Später soll es einer der heißesten Tag des Jahres werden. Manche nutzen die kühle Phase des Tages zum Joggen oder führen den Hund spazieren. In der Essener Bäckerei Holtkamp dagegen arbeiten sechs Bäcker und ein Lehrling bereits seit Stunden – bei 42 Grad. Hier fällt jede Nacht zwischen 23 Uhr und 8 Uhr die meiste Arbeit an: vom Hauptgeschäft werden vier weitere Holtkamp-Filialen beliefert.

Die Öfen in der Backstube laufen auf Temperaturen zwischen 180 und 200 Grad und treiben den Mitarbeiten den Schweiß auf die Stirn. Den Mineralienverlust müssen sie kompensieren: „Ich trinke während einer Schicht zwischen vier und fünf Liter Wasser“, sagt Bäcker Stefan Charpentier, während er sich im klimatisierten Ladenbereich kurz abkühlt.

Hitzewelle: So gefährlich ist die Wärme für den Körper wirklich
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Dort arbeitet Melanie Siepmann als Verkäuferin hinter der Theke. Die meiste Zeit profitiert sie von der Klimaanlage. Doch immer wieder muss auch Siepmann durch eine Schiebetür in die heiße Backstube, um Brot und Brötchen zu holen und die Regale zu füllen. „Dieser ständige Temperaturwechsel kann einem schon zu schaffen machen. Manchmal verabschiedet sich dann kurz der Kreislauf.“

52 Grad hinterm Grill,80 Grad auf der Straße

Dieses Gefühl kennt auch Marco Peters, Besitzer des Imbisswagens „Iss doch Wurscht“, der in Duisburg-Meiderich steht. Wegen der starken Hitze bleibt der mobile Imbiss an diesem Tag in der Garage stehen. „Donnerstag waren es hinter dem Grill 52 Grad. Das hält doch keiner aus, auch die Kunden haben dann keine Lust auf eine Wurst“, so Peters. Er hofft, dass es so schnell wie möglich etwas kälter wird, „unter 30 Grad wäre schon eine Hilfe“.

Das fänden die Bauarbeiter der Firma Schemel & Co. sicher auch nicht schlecht. Auf der Hollestraße, nahe des Essener Hauptbahnhofs, erneuern sie den Straßenbelag. „Wenn die Sonne voll auf den Bagger knallt, zeigt das Thermometer im Cockpit über 50 Grad“, berichtet Vorarbeiter Frank Rebhan. Und es wird noch heißer.

Denn wenn wenig später neuer Asphalt verteilt wird, erwartet Rebhan auf der Straße Temperaturen um die 80 Grad. Beschweren will er sich aber nicht. Rebhan arbeitet lieber bei Hitze als bei Minusgraden im Winter: „Dann sind die Hände eingefroren und man kann kaum noch etwas anfassen.“

Auch Frank Rebhan kommt während der Arbeit auf fünf Liter Wasser. Das lagert kistenweise in einem Kleintransporter am Rand der Baustelle. Wasser sowie Sonnencreme stellt die Firma und leistet damit ihren Beitrag, die Angestellten so gut es geht vor der Hitze zu schützen. Dennoch wird es dem einen oder anderen mal zu viel. Rebhan arbeitet seit über 30 Jahren auf dem Bau und hat sich an extreme Bedingungen gewöhnt. „Aber vor allem jüngere Kollegen übernehmen sich manchmal und klappen dann auch mal zusammen.“

Hitze mit Hitze bekämpfen: Im Hochsommer in die Sauna

Um dem vorzubeugen flüchten Manche sogar an Orte, an denen es noch heißer ist. Der Saunalandschaft im Gesundheitszentrum Lang in Dinslaken beispielsweise gehen trotz der aktuellen Hitzewelle die Gäste nicht aus, auch wenn die aktuelle Urlaubszeit für einen leichten Rückgang sorgt.

„Wir haben hier jede Altersklasse vertreten, von dem achtjährigen Kind, das mit den Eltern hierhin kommt, bis zu den 80-jährigen Senioren“, berichtet Dominik Eichholz von der Saunalandschaft. Und bei den aktuellen Temperaturverhältnissen sei ein Saunabesuch auch alles andere als schlecht: „Es ist gut für den Kreislauf, auch bei Hitze, man akklimatisiert sich sozusagen.“

Während die Sauna in Dinslaken noch gut besucht ist, bemerkt ein Sonnenstudio in Düsseldorf in den vergangenen Tagen einen Kundenrückgang. „Das ist aber tatsächlich in diesem Jahr das erste Mal so, in der vergangenen Zeit war es auch bei hohen Temperaturen immer sehr voll“, berichtet Ina Ferrara vom Sonnenstudio El Sol. Doch warum legen sich immer noch so viele Personen auf die Sonnenbank, wenn braun werden an der frischen Luft doch auch funktionieren würde? „Das ist vor allem ein Zeitfaktor, bei uns geht das alles viel schneller“, sagt Ferrara.

DLRG: Hitze erfordert mehr Rettungsschwimmer

Mit der Hitze steigt auch der Badebetrieb an Flüssen und Seen. Der DLRG gab gestern bekannt, dass in Nordrhein-Westfalen in diesem Jahr bislang 37 Menschen ertrunken sind. Im Vorjahr waren es zum selben Zeitpunkt 35 ertrunkene Menschen.

Die meisten Fälle ereigneten sich demnach an den ungesicherten Badestellen vor allem im Binnenland, an Seen und Teichen sowie in Flüssen. Der DLRG fordert mehr Bewachung durch Rettungsschwimmer. Ein schlichtes Badeverbotsschild reiche in den meisten Fällen nicht aus.

Zumindest das Interesse junger Menschen ist laut DLRG in Nordrhein-Westfalen vorhanden. Nachwuchssorgen dürfte es für die beiden Verbände in NRW nicht geben. „Die Kurse sind gut besucht“, sagt Michael Grohe vom Landesverband Nordrhein. Der DLRG bilde allerdings nur aus und stelle nicht selbst ein.

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