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Hoch hinaus! Eine Reportage vom höchsten Haus Düsseldorfs

Ferien auf der Hermann v. Barth-Hütte in den Alpen

Die Hermann v. Barth-Hütte ist die höchstgelegenste Hütte in den Allgäuer Alpen und eignet sich bestens zum Wandern und Klettern. Sie gehört der Sektion Düsseldorf des deutschen Alpenvereins.

Die Hermann v. Barth-Hütte ist die höchstgelegenste Hütte in den Allgäuer Alpen und eignet sich bestens zum Wandern und Klettern. Sie gehört der Sektion Düsseldorf des deutschen Alpenvereins.

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Tirol.   Die Hermann-von-Barth-Hütte ist die höchste Hütte der Allgäuer Alpen. Das Haus in Tirol gehört der Sektion Düsseldorf des Deutschen Alpenvereins.

Oben am Berg ist der förmliche Umgang der Stadt vergessen. Wirt Harald empfängt jeden Wanderer, der auf seiner Hermann-von-Barth-Hütte ankommt, ausschließlich mit dem Vornamen. Ist ja auch ein ungeschriebenes Gesetz in den Bergen, ab 1000 Metern Höhe duzt man sich eben – und auf der 2131 Meter hohen Hütte im Tiroler Teil der Allgäuer Alpen wäre ein Sie erst Recht fehl am Platz. Viel zu familiär und gemütlich ist es hier.

Die Hermann-von-Barth-Hütte thront hoch über dem Lechtal, in ihrem Rücken ragen die mächtigen Felsgipfel der Hornbachkette in den Himmel. Wer an einem herrlichen Sommerabend auf der Terrasse steht, kann dabei zusehen, wie die Sonne ihre letzten, rötlichen Strahlen auf die höchsten Spitzen der bis zu 3000 Meter hohen Lechtaler Alpen wirft. Umwerfend!

Die Hütte ist sozusagen das höchste Haus von Düsseldorf, seit sie in den 1920er-Jahren von der dortigen Sektion des Deutschen Alpenvereins (DAV) erworben wurde. Betrieben wird sie von Harald und Marion Wolf, die unten aus dem Lechtal kommen und seit 13 Jahren die Pächter sind.

Jeden Tag macht Harald einen Kontrollgang

Wie jeden Morgen, macht Harald an diesem sonnigen Julitag seinen Rundgang. Es ist die Zeit, in der die letzten Wanderer den Frühstückstisch verlassen haben und in Richtung Berg oder Tal aufgebrochen sind. Bis die ersten Tagesgäste kommen, dauert es noch zwei, drei Stunden. Der Hüttenwirt nutzt diese Zeit, um nachzuschauen, ob all die Technik, die das Haus hoch oben in den Bergen am Laufen hält, das macht, was sie soll: Funktionieren die Wasserleitungen? Fließt genügend Strom? Arbeitet die Kläranlage ohne Probleme?

„Ein Hüttenwirt macht mehr, als nur Bier ausschenken“, sagt der 54-Jährige und lacht. „Du musst ein bisschen ein verrückter Vogel sein und brauchst eine Familie, die hinter dir steht – sonst funktioniert das nicht.“ Der Tag beginnt für das Ehepaar in der Regel um kurz vor Sechs mit den Vorbereitungen fürs Frühstück und endet erst um kurz vor Mitternacht, wenn selbst die ausdauerndsten Wanderer eingeschlafen sind.

Hüttenwirte sind in diesen Stunden Techniker, Köche, Wetterexperten, Reiseführer oder Musiker. Unterstützt werden Marion und Harald von zwei festangestellten Mitarbeiterinnen, während der besucherstarken Wochenenden kommen Aushilfen aus dem Tal.

Wanderer suchen Wege abseits der Massen

Gebaut wurde die Hermann-von-Barth Hütte im Jahr 1900 als kleiner Stützpunkt für einen Münchener Bergverein. Echte Abenteurer übernachteten hier damals, um die umliegenden Berge zu erklettern, Klettern war um die Jahrhundertwende zum Trendsport für gut betuchte Schichten geworden. Benannt wurde das Haus nach dem Entdecker Hermann von Barth, der im 19. Jahrhundert viele unerschlossene Alpenregionen in Bayern und Tirol erkundete.

Heute gehören Kletterer immer noch zu den Stammgästen auf der Hütte – sie machen sich auf, um die unzähligen Routen an der mächtigen Wolfebenerspitze zu erklimmen. Doch die Mehrzahl der Besucher sind mittlerweile Wanderer, obwohl das Schutzhaus nicht direkt an einem der berühmten Mehrtageswege liegt. So verläuft die vor allem in der Hauptsaison extrem stark begangene Fernroute E5 nur ein paar Kilometer abseits der Barth-Hütte.

„Zu uns kommen vor allem Leute, die Wege abseits der Massen suchen – und das werden mehr“, erzählt Harald. „Ich hab’ immer wieder Gäste hier, die sagen zu mir: Das ist noch eine richtige Hütte.“ Unter „richtig“ versteht der Wirt eine gewisse Ursprünglichkeit.

Die Moderne hält nach und nach Einzug

Duschen? Gibt es nicht! Warmes Wasser? Nur für die Spülmaschine! Doppelzimmer? Geschlafen wird in Matratzenlagern, in denen es schon mal stickig zugehen kann, wenn 30 Menschen dicht an dicht nebeneinander liegen! Während sich manche Alpenhütte zum Hotel in den Bergen samt Sauna entwickelt hat, kultiviert die Barth-Hütte ihre Einfachheit und wirbt damit auf ihrer Internetseite. Statt 300 Schlafplätze gibt es 65.

Dennoch hält nach und nach die Moderne Einzug. In diesem Sommer bekommt die Hütte ein Blockheizkraftwerk, es ersetzt den Diesel-Generator. Das Dach wird erneuert, die alten Schindeln sollen gegen eine Photovoltaikanlage ausgetauscht werden, um die Energieversorgung zu verbessern. Ein kleiner Anbau ist geplant – nur Duschen, die nicht. „Sonst können wir Probleme mit der Wasserversorgung über unsere Quelle bekommen“, sagt Harald. „99 Prozent der Gäste akzeptieren das.“

Für ihn und seine Frau sind die Berge nicht nur ein Job, sondern Heimat und Leidenschaft. Wenn der Wirt vor der Tür steht, mit Wanderern spricht, dabei auf Kämme und Grate aus Fels und Gras zeigt, fällt ihm zu jedem Gipfel eine Geschichte ein. „Ich kann diesen Blick immer noch jeden Tag genießen“, sagt er. Vier Monate im Jahr verbringen er und seine Frau auf der Hütte, im Winter arbeitet Harald als Skilehrer im Tal, seine Frau als Gastronomin. Irgendwann im Frühjahr, wenn der erste Schnee schmilzt, geht der Blick nach oben – „dann fängt es an zu kribbeln.“

Die Gegend um die Hermann-von-Barth-Hütte gehört zu den einsamsten in den Allgäuer Alpen, sie ist rau und wild. Wer dort als Wanderer unterwegs ist, trifft auf manchen Wegen kaum andere Leute, dafür lebt ganz in der Nähe eine große Steinbockkolonie. Wer die Natur am intensivsten erleben möchte, steht am besten auf, bevor die Sonne am Horizont erscheint. Still ist es dann, nur der Bach plätschert und irgendwo poltert ein Stein, den eine Gams losgetreten hat.

Das könnte die Freiheit sein.

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