Flüchtlinge

Integration durch Sport: Beispiel eines Oberhausener Vereins

Das Engagement der Oberhausener ist vielfältig. Der Vereinsvorsitzende Kai Hunziker macht regelmäßig Sport mit Kindern und Jugendlichen aus Flüchtlings- und Migrantenfamilien.

Foto: Kai Kitschenberg

Das Engagement der Oberhausener ist vielfältig. Der Vereinsvorsitzende Kai Hunziker macht regelmäßig Sport mit Kindern und Jugendlichen aus Flüchtlings- und Migrantenfamilien.

Oberhausen.   Der Behindertensportverein Oberhausen wurde für seine Arbeit mit Migranten mehrfach ausgezeichnet. Nun geht es um den Schritt zur Nachhaltigkeit.

Verständigungsprobleme? Kennt Ivica Karabaić nicht. „Beim Fußball ist das kein Problem“, sagt er und lächelt. Der Kroate kam vor ein paar Jahren der Liebe wegen ins Ruhrgebiet und steht ein Mal in der Woche mit einer kunterbunten Gruppe von Menschen auf dem Platz beziehungsweise dem Hallenboden. Karabaić trainiert für den Behindertensportverein Oberhausen eine Flüchtlingsmannschaft. Junge Männer aus dem Irak, aus Eritrea oder Afghanistan kicken hier jeden Samstag gemeinsam in einer Sterkrader Sporthalle. Fußball verbindet.

„Wir machen keinen Unterschied nach Herkunft oder Religion“, sagt Christine von der Bey aus dem Vorstand des Behindertensportvereins Oberhausen.

Der BSO engagiert sich schon lange gesellschaftlich, nicht nur für die Inklusion, sondern genauso für die Integration – vielfach ist der Verein für sein Engagement in den vergangenen Jahren ausgezeichnet worden, unter anderem bekam er den städtischen Integrationspreis. Zuletzt wurden die Oberhausener in Nordrhein-Westfalen zum Behindertensportverein des Jahres in der Kategorie „Sportangebot für Flüchtlinge“ gewählt.

Viele Angebote für Kinder und Jugendliche

Die Geschichte der Integration beginnt für den Sportverein im Sommer 2015 – es sind die Monate, in denen Zehntausende Flüchtlinge über die Balkanroute nach Deutschland kommen. Der BSO kennt sich durch seine jahrzehntelange Erfahrung im Behindertensport damit aus, Menschen in die Gesellschaft zu bringen. Der Verein war der erste in der Ruhrgebietsstadt, der mit geistig behinderten Kindern gearbeitet hat. Schnell dachte der Vorstand damals daran, die vielen Menschen, die in Oberhausener Flüchtlingsheimen einzogen, zum Sport zu bringen. „Durch den Sport kommen die Leute raus und bekommen schneller Kontakt mit anderen“, sagt Christine von der Bey.

Über zweieinhalb Jahre sind seit der dramatischen Flüchtlingssituation im Sommer 2015 vergangen – die schwierige Aufgabe der Integration ist geblieben – Sport kann dabei helfen, diese Aufgabe zu meistern, glaubt von der Bey.

Der BSO ist ein gutes Beispiel von vielen aus der Region und hat in den vergangenen Jahren und Monaten viele unterschiedliche Projekte umgesetzt: Es gibt nicht nur die Fußballmannschaft für junge Männer, sondern viele Sportangebote für Kinder und Jugendliche: Ein Mal in der Woche kommen Schüler und Schülerinnen aus Migranten- und Flüchtlingsfamilien in die Sterkrader Halle und treffen sich zum Sport machen.

Jetzt geht es um Nachhaltigkeit

Das wohl größte und aufwendigste Projekt des BSO sind die Schwimm- und Sprachkurse für geflüchtete Kinder. Zusammen mit dem Stadtsportbund, dem Kommunalen Integrationszentrum und dem Integrationsrat organisiert der Verein zweiwöchige Kurse in den Schulferien, in denen die Kinder verschiedene Schwimmabzeichen machen können – dazu gehört ein begleitender Deutschunterricht. Auch in den anderen Angeboten geht es um Sprache, die Übungsleiter sind oft international und helfen beim Deutsch lernen.

Mit seinem ehrenamtlichen Engagement sieht sich der Verein noch lange nicht am Ende angekommen. „Wir haben noch viele Ideen“, sagt Christine von der Bey. „Es geht jetzt um die Nachhaltigkeit, viele Menschen bleiben dauerhaft hier und brauchen eine langfristige Perspektive.“

Deswegen will der BSO die geflüchteten Menschen selbst einbinden in seine Aufgaben. Bald soll eine Fußballmannschaft in der Oberhausener Betriebssportliga mitspielen. Zusammen mit der Stadt bildet der Verein zudem junge Erwachsene zu Gruppenhelfern aus, acht Frauen und Männer waren schon erfolgreich. Sie sollen nun Praktika beim Verein absolvieren und anschließend selbst als Übungsleiter arbeiten können.

>> NICHT NUR FÜR MIGRANTEN

Der Behindertensportverein Oberhausen hat rund 500 Mitglieder, ungefähr 100 davon sind Kinder und Jugendliche. Die Angebote des Vereins sind vielfältig: Vom Sport mit geistig behinderten Menschen bis zum Schwimmtraining mit den Kindern aus Flüchtlingsfamilien.

Der Verein hat von Beginn an seine Erfahrungen aus der Behindertenarbeit miteingebracht. „Inklusion ist für mich Integration“, sagt Christine von der Bey. Die meisten Angebote richten sich nicht nur an Migranten, es kommen auch regelmäßig deutsche Kinder und Erwachsene.

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