Landfahrer

Irische Tinker sorgen für Aufruhr und Ärger am Niederrhein

Die aus Irland stammenden „Traveller“ sind oft in großen Gruppen unterwegs.

Foto: imago stock

Die aus Irland stammenden „Traveller“ sind oft in großen Gruppen unterwegs. Foto: imago stock

An Rhein und Ruhr.   Mit bis zu 120 Wohnwagen campten Landfahrer im Wallfahrtsort Kevelaer. Es gab Ruhestörungen, ein Gasthof stellte den Betrieb für Tage ein.

Der Wallfahrtsort Kevelaer ist darauf vorbereitet, jedes Jahr rund um Mariä Himmelfahrt Tausende Pilger am Niederrhein zu begrüßen. Dass aber Hunderte irische Landfahrer, die sogenannten „Traveller“ (Reisende) oder „Tinker“, mit bis zu 120 Gespannen aus Autos mit Reisewagen wild in der Stadt campten, ist eine neue Erfahrung.

Kevelaers Bürgermeister Dominik Pichler berichtet von Unruhe vor Ort. „Es gab Ruhestörungen, es wurden viele Verkehrsverstöße festgestellt. Zudem wurde Müll hinterlassen.“ Ein Gasthof stellte über das Wochenende den Betrieb ein, weil es einen Aufruhr und Ärger mit den Iren gab. Am Mittwoch ist die mehrere Hundert Personen umfassende Gruppe weitergezogen – mit unbekanntem Ziel.

Drei Paare wollten in Kevelaer heiraten

Freitagnachmittag hatten sich plötzlich 60 Reisegespanne in Kevelaer auf einem Parkplatz eingefunden. „Wir sind als Wallfahrtsort auf Besucher angewiesen“, so Pichler. Der Bürgermeister suchte das Gespräch. „Sie waren zu uns gekommen, weil sich in der Gemeinde St. Marien drei Paare das Ja-Wort geben wollten.“ Für die gläubigen Katholiken hat Kevelaer durch die Marienverehrung eine besondere Bedeutung. Eine Trauung fand auch tatsächlich statt.

„Leben und leben lassen“, verdeutlicht er seine Einstellung gegenüber den Überraschungsgästen aus Irland. In der Vergangenheit hatten immer wieder Traveller ihren Weg an den Niederrhein gefunden. Doch von der Größe der Gruppe war Pichler überrascht, der seit Oktober 2015 Bürgermeister ist. „Wir haben ihnen deutlich gemacht, dass wir den Platz brauchen.“ Zu Mariä Himmelfahrt werden schließlich bis zu 15 000 Tamilen in der Stadt erwartet.

Nicht alle Traveller verbrachten ihre Tage ruhig

Doch gab es nicht nur logistische Probleme. Nicht alle Traveller verbrachten ihre Tage im Wallfahrtsort ruhig. Immer wieder zogen Gruppen der Traveller durch Kevelaer, wurde mit Autos über die Straßen gerast. Im Umfeld eines Gasthofes gab es weiteren Ärger. Mehrere Tage lang schloss der Betrieb seine Türen. Sonntag gab es ein Ultimatum seitens der Stadt. Der Tross zog ohne großen Protest weiter.

Nach einem kurzen Aufenthalt in Neuss zog die Gruppe nach Düsseldorf weiter. In der Landeshauptstadt ließen sich die Traveller auch von Zufahrtssperren nicht aufhalten und verschafften sich am Montagabend Zugang zu den Oberkasseler Rheinwiesen. Von etwa 500 Personen mit rund 150 Wohnwagengespannen spricht die dortige städtische Pressestelle.

Das Ordnungsamt der Landeshauptstadt setzte der Gruppe, unterstützt durch die Polizei, noch am Montagabend eine Frist, um die Wiese am nächsten Tag zu räumen. Tatsächlich verließ am Dienstagabend der letzte Wohnwagen das Gelände, ohne dass die Polizei eingreifen musste.

„Lästigkeiten“ nicht überbewerten

Die Traveller machten sich aber nicht zurück auf den Weg in die irische Heimat, sondern zogen erneut nach Kevelaer. Dieses Mal suchten sie sich den zentral am Bahnhof gelegenen Europaplatz aus, um dort zu lagern.

Überbewerten möchte Pichler die Geschehnisse nicht. „Es waren Lästigkeiten“, so der SPD-Politiker, „aber auch nicht mehr“. Die Polizei im Kreis Kleve erklärt, dass es nur eine Strafanzeige gegen Mitglieder der Traveller gab – wegen Diebstahls und Sachbeschädigung. „Wir haben uns die Situation genau angeschaut“, so Michael Ermers, Sprecher der Polizei Kleve.

Mehrere Züge einer Hundertschaft hatten die Einsatzkräfte am Mittwoch zusammengezogen. Doch genauso schnell wie sie aufgetaucht waren, machten sich die irischen Traveller wieder auf den Weg.

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