Integration

Junge Flüchtlinge bleiben an Schulen viel zu lange unter sich

Bis zu zwei Jahre besuchen Flüchtlinge Vorbereitungsklassen.

Bis zu zwei Jahre besuchen Flüchtlinge Vorbereitungsklassen.

An Rhein und Ruhr.   Laut einer Studie verschlechtern sich so die Bildungschancen der Jugendlichen. Problem: Sie gehen oft auf Schulen mit hohem Migrationsanteil.

Junge Flüchtlinge bleiben an Schulen viel zu lange unter sich – und besuchen in den Ballungsräumen vor allem Schulen mit einem hohen Migrationsanteil. Das geht aus einer Studie des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration hervor. Damit verschlechterten sich die Bildungschancen vieler dieser Jugendlichen. Als Lösung schlagen die Autoren eine bessere Verteilung von Schülern mit Migrationshintergrund auf alle Schulen einer Kommune vor.

„Die Ergebnisse treffen genau die Situation in NRW“, sagte Dorothea Schäfer, die Landesvorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW der NRZ. Gerade in den Großstädten des Ruhrgebiets würden viele Flüchtlinge dort zur Schule gehen, wo der Anteil der Migranten ohnehin hoch sei. Beispiel Essen: Im sozialschwachen Norden gibt es teilweise Schulen mit einer Flüchtlingsquote von über 30 Prozent, in den Stadtteilen im wohlhabenden Süden liegen die Spitzenwerte bei um die sechs Prozent.

Die Unterschiede lassen sich auch nach Schulformen aufzeigen: Wie aus der amtlichen Schulstatistik des Landes hervorgeht, waren im Jahr 2016 mehr als ein Viertel aller ausländischen Schüler auf einer Hauptschule, nur 5,5 Prozent besuchten ein Gymnasium.

Schulministerin will Integration vorantreiben

Die jungen Flüchtlinge besuchen zunächst ein- bis zweijährige Vorbereitungsklassen oder Willkommensklassen, bevor sie in den Regelunterricht wechseln. Dort träfen sie laut der Studie mehrheitlich auf Kinder, die ebenfalls einen Migrationshintergrund haben und sozial benachteiligt sind. In den Klassen würden die Flüchtlinge häufig nicht mehr ausreichend unterstützt.

Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) will die Integration an den Schulen vorantreiben. Helfen soll dabei ein Erlass zur Integration und Deutschförderung neu zugewanderter Kinder, der ab Sommer gilt. Geregelt wird darin vor allem die Organisation der Deutschförderung. „Der Erlass gibt eine Orientierung, wie wir uns die Integration an den Schulen vorstellen“, sagte ein Ministeriumssprecher.

Die GEW-Vorsitzende Schäfer kritisiert, dass es durch den Erlass auch künftig möglich ist, an Teilstandorten von Schulen ausschließlich neu zugewanderte Kinder in Vorbereitungsklassen zu unterrichten. „Diese Schüler haben keine Chance, zumindest in der Pause mit anderen Kindern zusammen zu sein.“ Solche Modelle gibt es bereits in einigen Kommunen, sie sollen laut dem Ministerium aber weiterhin die absolute Ausnahme bleiben.

Schulen in Problemvierteln besser ausstatten

Schäfer und der Sachverständigenrat wollen stattdessen, dass Schulen in Problemvierteln besser ausgestattet werden – beim Personal und bei der Infrastruktur. Eine Verteilung der Schüler innerhalb der Städte hält die GEW-Vorsitzende - anders als die Autoren der Studie - für kaum umsetzbar, weil die Schulwege für die Schüler dadurch zu lang würden.

Scheitern sei für die Jugendlichen „kein Automatismus“, betonte Studienautor Simon Morris-Lange. Es gebe durchaus Schüler, die auch unter diesen Bedingungen große Lernfortschritte machen. Viele gingen aber auch unter. Den Angaben zufolge hat das deutsche Schulsystem seit 2015 schätzungsweise 130.000 jugendliche Flüchtlinge aufgenommen. (mit epd)

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